Grau in grau und ein bisschen bunt

Belgrad ist sicher keine Liebe auf den ersten Blick.

Nicht mal auf den zweiten Blick wirkt die Balkanstadt irgendwie anziehend. Zumindest nicht, wenn man ästhetische Werte zur Grundlage nimmt. Hier kümmert sich niemand um die Instandhaltung der Dinge. Hier wird nichts ausgebessert, restauriert oder übergepinselt, nur um anderen zu gefallen.

Schmuddelige Grau- oder Brauntöne geben den Ton an. Der Stil, eine Art sozialistischer Einheitsbau.

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Belgrad ist eine benutzte Stadt. Westeuropäische Sterilität suchst du hier vergebens. Doch der Charme versteckt sich hinter grauen Häuserfassaden.

Zwischen all dem herunterbröckelnden Putz, den getrockneten Regenwasserspuren an den Wänden und den rostigen Gittertoren prangen immer wieder bunte Graffitis. Sie geben der Stadt ein Gesicht, sind die Schminke vor der rauen Wirklichkeit und machen Belgrad sympathisch eigensinnig.
 
 

Das bunte Belgrad – auf der Suche nach Streetart in Belgrad

Wir nehmen dich mit auf einen Streifzug durch die Straßen der Balkanstadt:

Das wohl bekannteste Kunstwerk findest du im Stadtbezirk Stari Grad, dem historischen Kern Belgrads. Hier schuf Blu, einer der international bedeutendsten und kritischsten Street-Artisten, 2009 in der Pop Lukina Nr. 6 ein Sinnbild für den alles verschlingenden Moloch Stadt. Für das Wandbild nutzte Blu zwei fensterlose, vorspringende Seitenfassaden eines Wohnhauses. Die größere Fassade bemalte er in tristem weiß-schwarz mit einem Mann im angedeuteten Anzug. Der Kopf ist nur rund zur Hälfte ausgeführt und besteht vor allem aus einem riesigen, weit aufgerissenen Mund, dessen Zähne aus mehrstöckigen Wohnhäusern geformt sind. Hinter dem Halbrund der (Zahn)-Stadt bildet die Zunge eine karge, baumlose Landschaft. Aus der benachbarten Wand schiebt die Hand der verschlingenden Stadt den letzten Baum entgegen, der kontrastreich mit ausgeprägter Krone in leuchtend gelber Farbe dargestellt ist.

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Aber das ist natürlich nicht alles. In einer Stadt mit so viel Geschichte, in der Glück und Leid so nah beieinander liegen, musst du dich nur gründlich umschauen und wirst immer wieder mit Straßenkunst belohnt.

Besonders im sogenannten Szeneviertel Savamala am Fuße der Brankow Brücke (Brankov most) begegnet dir auf Schritt und Tritt das „bunte Belgrad“: Streetart soweit das Auge reicht, zerfallene Häuser mit originellen Kunstwerken, dazwischen Clubs mit landestypischer Popmusik.

Wir fühlen uns wie im Streetart-Wunderland!

Hinter fast jeder Ecke können wir ein neues Bild entdecken. Die kleinen Gassen sind voller Wand- und Fassadenkunst. Mal bunt und mal weniger, mal lebensfroh, mal melancholisch, mal mit und mal ohne politisches Statement. Alles da!

Manche der lustigen, cartoonigen oder kuriosen Exponate zaubern sofort ein Lächeln ins Gesicht, manche stimmen nachdenklich, manchmal ist es nicht so einfach die Botschaft zu erkennen und manche Bilder stimmen traurig. Zum Beispiel das Bild von Robin Williams, welches nach seinem Tod entstand.

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Auch wenn es in Belgrad streetartmäßig so richtig rund geht, entwickelt sich die Szene nur sehr zaghaft. Während in vielen anderen europäischen Städten geführte Streetart-Touren angeboten werden und man stolz auf die Straßenkunst ist, wurden die Wände in Belgrad noch bis 2009 radikal überpinselt. Das hat sich in den letzten Jahren Gott sei Dank geändert.

In der folgenden Galerie findest du unsere Streetart-Highlights aus Belgrad:

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Wir hoffen, du hattest Spaß an diesem Spaziergang durch das bunte Belgrad.

Wenn du einen Künstler erkennst, schick uns einfach eine Nachricht oder lass einen Kommentar da. Dann werden wir dies gern ergänzen.
 
 

Infobox:

Die meiste Straßenkunst findest du direkt an der Save im Szeneviertel Savamala.

Vom Platz der Republik kannst dorthin laufen, es fahren aber auch Straßenbahnen (Tram 2, 7, 9 und 13).
Achtung: In den Bahnen gibt es keine Tickets zu kaufen!
 
 
In welcher Stadt hat dich die Streetart bisher am meisten fasziniert? Verrate es uns in den Kommentaren.
 
 
Was es sonst noch in Belgrad zu erleben gibt und viele paraktische Tipps findest du hier.


 
 

geschrieben von
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