Die Wildgänse vom Niederrhein

ALT="Wildgänse"

Jedes Jahr wiederholt sich am Niederrhein ein imposantes Naturschauspiel: Bis zu 180.000 Wildgänse aus dem fernen Sibirien überwintern in den Auenlandschaften zwischen Duisburg und der niederländischen Grenze, denn dort ist es im Vergleich zu ihrer arktischen Heimat regelrecht warm und sie finden auch im Winter genug Nahrung.

Der untere Niederrhein das größte Rastgebiet für arktische Wildgänse in Westeuropa.

Und mit den Gänsen kommen ganze Busladungen voller Schaulustiger, die jeden Flügelschlag der schönen Wasservögel mit dem Fernglas beobachten, bevor die Tiere Ende Februar wieder zurückfliegen.

Auch wir haben das schöne Wetter vom letzten Wochenende genutzt, um den Wildgänsen einen Besuch abzustatten. Für uns ein Heimvorteil, schließlich sind wir am schönen Niederrhein zu Hause.

Wir haben uns jedoch gegen eine Busexkursion oder geführte Tour entschieden und sind stattdessen auf eigene Faust durch die Auenlandschaft der Bislicher Insel, einem Naturschutzgebiet Nahe Xanten, gestreift.
 
 

Auf Gänse-Safari am Niederrhein

Wir starten unsere Erkundungstour am NaturForum Bislicher Insel. Dort informieren wir uns zunächst über das Leben am und im Wasser und folgen dann dem unbefestigten Weg hinein in die Auenlandschaft.

ALT="Wildgänse"
 
Die Bislicher Insel ist eine der wenigen, noch vorhandenen, Auenlandschaften in Deutschland.

Jedes Jahr aufs Neue wird sie vom Rhein überschwemmt, dafür wurden extra die Deiche verlegt. So kann sich das Wasser über die Auen ausbreiten und zu Hochwasserzeiten riesige Wasserlandschaften bilden, die für viele Tiere Lebensraum bieten.

ALT="Wildgänse"
 
Der Weg führt zunächst durch Wiesen und Weiden. In ihrer Mitte liegen kleine Seen, manche sind vor lauter Gänsen fast grau. Von überallher ertönt ein vielstimmiges Geschnatter. Hier kannst du die Gänse praktisch den ganzen Tag bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Fressen, beobachten. Die Wasservögel futtern nämlich fast rund um die Uhr.

Wen wundert es? Der Weg aus der Arktis ist weit. Wenn die Gänse im Oktober/November nach 3 Monaten Flugzeit am Niederrhein landen, liegen beeindruckende 6.000 Kilometer hinter ihnen. Um für den ebenso langen Heimflug, den sie Ende Februar antreten, ausreichend neue Energie zu tanken und Fett anzusetzen, müssen sie täglich ein Drittel ihres Körpergewichtes fressen. Das sind bei einem Gewicht von ca. drei Kilo – was eine Graugans locker auf die Waage bringt –also fast ein Kilo Gras am Tag. Eine zeitaufwendige, aber notwendige Beschäftigung. Das Fliegen kostet die Gänse unglaublich viel Kraft – immerhin sind sie mit ca. 60 km/h unterwegs.

Nur für die Nacht verlassen die schnatternden Wanderer die Wiesen und Felder und suchen sich einen ruhigen Schlafplatz auf einem der Seen oder an den Ufern der alten Rheinarme. Dort sind sie vor anderen hungrigen Tieren sicher. Bekanntlich sind Gänse ja eine Lieblingsspeise der Füchse. 😉

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"
 
Weiter geht es durch eine Busch- und Baumlandschaft, auch hier breiten sich rechts und links des Weges große Wasserflächen aus.
ALT="Wildgänse"
Schließlich endet der Weg an einer Beobachtungshütte. Auch unterwegs führen mehrfach kurze Pfade zu diesen Holzhütten, die mit Dach und Sichtschutz ausgestattet sind.
 

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"
 
Mit Geduld und etwas Glück kannst du hier so einige Vögel beobachten. Denn in jedem Herbst kommen nicht nur zahlreiche Gänse, sondern auch Enten und Schwäne an den Niederrhein, um zu überwintern. Aber auch für Biber und Reiher ist das mehr als 1.000 Fußballfelder große Schutzgebiet der Bislicher Insel das reinste Paradies.

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"
 
Wir müssen gestehen, dass wir beide keine Vogelkundler sind. Klar, einen Schwan oder eine Ente erkennen selbst wir, aber dann hört es auch schon fast auf. Am Niederrhein überwintern überwiegend Blässgänse. Zu ihnen gesellen sich Saat- und Graugänse. Alle drei haben ein graues Federkleid. Für Laien wie uns, ist es kaum möglich sie zu unterscheiden.

Auch Ente ist nicht gleich Ente. Auf der Bislicher Insel tummeln sich zum Beispiel Stock-, Spieß-, Schnatter-, Löffel-, Pfeif-, Tafel-, Reiher- und Krickenten. Ganz ehrlich? Wir wussten noch nicht einmal, dass es so viele verschiede Entenarten gibt. Und genau für solch vogelunkundige Besucher wie uns, hängen in jeder Beobachtungshütte Tafeln, die einem das Bestimmen der Vögel leichter machen.

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"
 
Wir sind beide mit ganz ordentlichen Kameras und Teleobjektiven ausgestattet. Aber immer wieder treffen wir auf Fotografen, deren Objektive den Wert eines Kleinwagens haben dürften und die sicherlich den Grashalm im Schnabel einer Gans am anderen Ufer scharf darstellen können. Andere Besucher haben riesige Ferngläser um den Hals hängen und beobachten einfach nur. Man tauscht sich aus, denn alle vereint die Freude an der Natur, an den Tieren und die Ruhe in einer ziemlich selten gewordenen Auenlandschaft.

Auf dem Rückweg besuchen wir die Beobachtungshütten erneut und können diesmal sogar Bachstelzen und Graureiher beobachten.

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"
 
Nach ca. 3 Stunden endet unser Spaziergang am NaturForum und wir machen uns auf den Heimweg. Nicht ohne unterwegs noch den einen oder anderen Stopp einzulegen und letzte Eindrücke der Bislicher Insel zu genießen. Überall in der hügeligen, teilweise von Wasserlöchern durchzogenen Weidelandschaft grasen riesige Gänseschwärme oder bilden laut schnatternd beeindruckende Formationen am Himmel.

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"

ALT="Wildgänse"
 
Hast du schon einmal Gänse im Flug beobachtet? Sie fliegen grundsätzlich als „V“ oder als „Eins“. Dadurch kannst du sie auch auf Distanz von anderen Zugvögeln unterscheiden.
 
 

Unser Fazit:

Es ist kein Wunder, dass die Wildgänse mittlerweile zu einer Touristenattraktion geworden sind. Es ist schon ein beeindruckendes Schauspiel, wenn riesige Gänseschwärme in geordneten Formationen über die Landschaft segeln, wenn ganze Wiesen und Ufer grau gefärbt sind und ein lautes Schnattern alle anderen Geräusche übertönt.

Die Wildgänse bieten ein Naturspektakel, das du dir bei einem Besuch am Niederrhein auf keinen Fall entgehen lassen solltest bzw. lohnt es sich dafür den wunderschönen Niederrhein zu besuchen.
 
 

Informationen zum Besuch der Bislicher Insel:

  • Anreise

    Anreise mit Bus und Bahn:
    Mit dem Nahverkehr ist die Bislicher Insel nur schwierig zu erreichen. Wir empfehlen dir mit dem Fahrrad oder Auto anzureisen.
    Anreise mit dem Auto:
    Zieleingabe fürs Navigationssystem: Bislicher Insel 11 in Xanten
    Kostenfreie Parkplätze stehen am NaturForum zur Verfügung.
    Anreise mit dem Fahrrad:
    Gleich mehrere Radwege führen direkt am NaturForum oder am Rande des Naturschutzgebietes vorbei, unter anderem der Rhein-Radweg, die Römer-Lippe-Route von Detmold nach Xanten und ein Teil der NiederRheinroute.

  • Das NaturForum ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen auf die Halbinsel.

    Öffnungszeiten:
    1. April – 31. Oktober: Dienstag bis Sonntag 10.00 – 18.00 Uhr
    1. November – 31. März: Dienstag bis Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr

  • Das Naturschutzgebiet ist auf dem beschriebenen Weg jederzeit frei zugänglich.
    Zum Schutz der Natur und der auf der Insel lebenden Tiere ist das Verlassen der befestigten Wege jedoch verboten. Achte unbedingt darauf, dass Tiere und Pflanzen nicht gestört werden.
  • Fernglas oder Feldstecher nicht vergessen!
  • Für Nahaufnahmen solltest du ein Teleobjektiv dabei haben. Denk auch an ein entsprechendes Stativ, das du in den Hütten oder an anderen Aussichtspunkten aufstellen kannst.
  • Wenn du das Gebiet in der Dämmerung besuchen möchtest, pack eine Taschenlampe ein. Der Weg ist nicht beleuchtet.
  • Wenn du alles besichtigt hast, empfehlen wir die eine Pause im Auen-Café im Hof des NaturForums. Hier kannst du dich mit selbstgebackenem Kuchen oder Waffeln verwöhnen lassen.

    Öffnungszeiten:
    Täglich 11.00 – 18.00 Uhr
    (Montag Ruhetag)

  • Exkursionen:
    Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein in Kranenburg bietet in den Wintermonaten regelmäßig Gänse-Safaris an. Die Termine findest du hier.
    Auch die Biologische Station führt während des Winterhalbjahres Busexkursionen zu den Überwinterungsgebieten der arktischen Gänse durch.
  • Literaturtipp:
    Der Reiseführer Die schönsten Wildtierbeobachtungen in Nordhrein-Westfalen* informiert nicht nur über die arktischen Wildgänse, sondern auch über viele andereTiere, die zeitweise oder dauerhaft in NRW siedeln. Du wirst überrascht sein, was sich an Rhein und Ruhr so alles wohl fühlt.

 
Hast du die arktischen Gänse am Niederrhein schon einmal beobachtet? Oder wäre so ein Ausflug auch etwas für dich? Wir freuen uns über deinen Kommentar!
 
 
Alle mit einen Stern (*) gekennzeichneten Links sind Affiliate Links. Wir bekommen eine kleine Provision, wenn du über den Link einkaufst. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis.
 

geschrieben von
More from Frauke Lilius

Wie ich günstige Flüge in den Schulferien finde – 8 praktische Tipps

Für eine Flugreise in den Ferien musst du tiefer in die Tasche...
Weiterlesen

4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.