Wandern in Japan: Der steinige Weg zum Nishi Hotaka-dake

Nichts als Natur – Berge, soweit das Auge reicht.
Kein Haus, kein Schild stört die endlose Aussicht, während die Sonne das Meer von Gipfeln in ein unwirkliches Licht taucht.

Hört sich an wie aus einem Werbeprospekt? Mag sein, aber genau so haben wir die japanischen Alpen erlebt.
 
Die japanischen Alpen sind quasi der Gegenentwurf zu den vollen Straßen Tokios. Mit ihren zwölf Dreitausendern sind sie ähnlich spektakulär wie der Mount Fuji, der ja bekanntlich als einer der schönsten Berge der Welt gilt. Auch bei uns kennt man Japans höchsten Berg als Wahrzeichen des fernöstlichen Inselreiches. Weniger bekannt ist vielen jedoch, dass fast der gesamte japanische Archipel aus Bergen besteht.

Wer nach Japan reist, bekommt zwangsläufig die Großstädte zu sehen, hier kommt man an und fliegt wieder ab. Die meisten beschränken sich auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Tokio, Kyoto, Nikko, Nara und Hiroshima. Dadurch bleibt vielen verborgen, wie schön Japans Landschaften sind.
 
Japan heißt vor allem eines: Berge, Berge und noch mehr Berge. Insgesamt 80 % der Inselkette besteht aus Bergen. Der Rest sind Städte und Dörfer oder Reisfelder.
 
Japans Städte sind toll. Gar keine Frage. Aber außerhalb der Städte, oft gar nicht weit von den dicht besiedelten Metropolen entfernt, warten atemberaubende Bergpanoramen, tiefe Schluchten, Seen und weite Wälder auf den Outdoor-Fan. Dies war einer der Gründe, warum wir uns für eine Reise nach Japan entschieden haben. Ein Urlaub ohne Natur, ohne Berge, ohne Aktivsein und Wandern, das geht gar nicht. Faul am Strand liegen, da sind wir uns einig, ist nichts für uns.
 
Die ersten Tage in Japan machte uns das Wetter einen dicken Strich durch die Planung. Sobald wir uns einer Bergregion näherten, wurden wir mit dichtem Nebel und Dauerregen begrüßt. Umso überraschter waren wir, als uns die japanischen Nordalpen, das Hida-Gebirge, mit strahlendem Sonnenschein empfing.

Das schöne Wetter haben wir natürlich gleich genutzt und unsere Rucksäcke geschnürt.

Unser Ziel: der Gipfel des Nishi Hotaka-dake.
 
 

Wanderung zum Nishi Hotaka-dake

Ausgangspunkt für unsere Tour ist der Parkplatz an der Shin-Hotaka Seilbahn.
Dort stellen wir unseren Camper ab und tauschen Flip Flops gegen Wanderschuhe.

Schon die Fahrt mit der Seilbahn hinauf zur Nishihotakaguchi Station ist ein Erlebnis. Die Shin-Hotaka Seilbahn ist nicht nur Japans längste Seilbahn, sondern auch Japans einzige Seilbahn mit einer zweistöckigen Gondel.

Die Talstation liegt auf 1.308 Meter. Von dort geht es hinauf auf 2.156 Meter. Von der Terrasse der Bergstation können wir einen ersten Blick auf die umliegenden Gipfel werfen.
 
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Dann wollen wir los. Aber in welche Richtung? Welcher Weg führt Richtung Gipfel?
Schilder können wir nicht entdecken. In der Bergstation fragen wir nach einer Wanderkarte und ernten dafür fragende Blicke.

So laufen wir einfach einer Gruppe Japaner hinterher und hoffen, dass diese auch zum Gipfel wollen.
Dann entdecken wir die ersten Hinweisschilder, allerdings alles in japanischen Schriftzeichen. Die Pfeile zeigen auf jeden Fall in unsere eingeschlagene Richtung und so folgen wir der Markierung.
 
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Etappe 1: von der Bergstation (2.156 m) zur Nishiho Inn Hütte (2.385 m)

Der Weg führt zunächst leicht bergab durch dichten Wald. Langsam wird der Weg steiler und vor allem steiniger.  Über ziemlich große Steine geht es nun recht steil den Berg hinauf. Keuchend erreichen wir nach ca. 1 Stunde die Nishiho Inn Hütte, in 2.385 Meter Höhe.

Da dies die einzige Hütte der gesamten Strecke ist, kehren wir ein. Gut gestärkt und ausgeruht wandern wir weiter.
 
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Etappe 2: von der Nishiho Inn Hütte (2.356 m) zum Gipfel des Doppyo (2.701 m)

Ab der Hütte kann man den Weg nicht mehr verfehlen. Nur ein Weg führt Richtung Norden hinauf zum Gipfel, stellenweise ziemlich steil durch Geröll- und Felsfelder. Immer wieder müssen wir die Hände zu Hilfe nehmen. Der Blick nach unten lässt uns den Atem anhalten und die Knie zittern.

Dieser Weg ist definitiv nichts für Turnschuhtouristen, die wir übrigens auch nicht gesehen haben. Die japanischen Wanderer waren alle perfekt ausgerüstet, mit Bergschuhen, Rucksack, Wanderstöcken, manche sogar mit Helmen und Kletterausrüstung.

Nach ca. 1 Stunde und 20 Minuten haben wir den ersten Gipfel, den Doppyo in 2.701 Metern Höhe, erreicht.

Eine kurze Verschnaufpause, ein Schluck aus der Wasserflasche und weiter geht es die letzten Höhenmeter hinauf zum Gipfel.
 
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Etappe 3: vom Gipfel des Doppyo (2.701 m) zum Gipfel des Nishi Hotaka-dake (2.909 m)

Der Weg wird noch anspruchsvoller. Ein schmaler Pfad führt jetzt direkt über kleine Felstürme, welche sich aus dem Grat erheben oder knapp unterhalb des Grates entlang. An besonders gefährlichen Stellen ist der Pfad mit Seilen gesichert.
Warum zum Teufel tun wir uns das an? Hätten wir nicht doch einfach gemütlich in der Sonne liegen können? Fakt ist: dann hätten wir etwas verpasst. Anstrengung wird meistens belohnt. So auch dieses Mal! Nach weiteren anderthalb Stunden erreichen wir endlich den Gipfel des Nishi Hotaka-dake, in 2.909 Meter Höhe (genau sind es übrigens nur 2908,6 Meter) und plötzlich ist alle Mühe vergessen. 360 Grad atemberaubender Ausblick!
Der gigantische Rundum-Blick auf die japanischen Alpen entschädigt für jeden einzelnen Schweißtropfen. Welch unbeschreibliches Gefühl! Eine Weile genießen wir den Augenblick, den wir ganz für uns allein haben.
 
Nishi Hotaka-dake

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Titelfoto

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Etappe 4: vom Gipfel des Nishi Hotaka-dake (2.909 m) zurück zur Bergstation (2.156 m)

Auf jeden Aufstieg folgt auch ein Abstieg.

Schweren Herzens machen wir uns auf den Rückweg. Eigentlich bevorzugen wir ja Rundtouren, doch in diesem Fall gibt es nur eine Option: wir müssen auf demselben Weg zurück, wie wir gekommen sind. Das heißt, noch einmal alle Kräfte mobilisieren und den Abstieg meistern. Wir müssen uns ein wenig beeilen, die letzte Seilbahn Richtung Tal fährt 16.30 Uhr. Ohne größere Pause klettern wir hinab und erreichen nach ca. 2 1/4 Stunden die Bergstation und fahren zurück ins Tal.
 
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Wanderung zum Nishi Hotaka-dake – Infos & Tipps

Die Wanderung zum Nishi Hotaka-dake ist wirklich ein Juwel, das wir in Japan so nicht erwartet hätten.
Eine wunderschöne, aber auch anspruchsvolle Tour. Viele Stellen erfordern neben Trittsicherheit auch Schwindelfreiheit und ein wenig Klettererfahrung. Wenn du dies mitbringst, wirst du mit herrlichen Ausblicken auf die japanische Alpenlandschaft belohnt.

Wanderschuhe sind zwingend notwendig.
 
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Da es auf der gesamten Strecke nur eine Hütte gibt, nimm ausreichend Verpflegung und vor allem Wasser mit.
Das Wetter in den japanischen Alpen kann sehr schnell umschlagen, eine Regenjacke solltest du auf jeden Fall dabei haben.
 
 
Infos zum Nachwandern:
Dauer: ca. 4:00 Stunden im Aufstieg sowie 2:15 Stunden im Abstieg (+ 1 Stunde Pause in der Hütte)
Anstieg: 753 Höhenmeter
Abstieg: 753 Höhenmeter
Startpunkt: Talstation Shin-Hotaka Seilbahn
Endpunkt: Talstation Shin-Hotaka Seilbahn

Die Seilbahn fährt von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr.

Erwachsene: Einzelticket 1500 Yen, Hin- und Rückfahrt 2800 Yen
Kinder: Einzelticket 700 Yen, Hin- und Rückfahrt 1400 Yen
 
Anfahrt:
Wer mit dem Auto anreist, folgt der Beschilderung Richtung Shin-Hotaka-Ropeway.
An der Talstation gibt es zwei große Parkplätze, wo man das Auto gegen eine Gebühr von 600 Yen abstellen kann.
 
 
Und wie gefallen dir die japanischen Alpen?
Wäre diese Wanderung auch etwas für dich? Oder hast du noch weitere Wandertipps für die japanischen Alpen? Dann ab damit in die Kommentare.
 
 
Noch mehr Reiseberichte aus Japan findest du hier.
 
 

geschrieben von
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5 Kommentare

  • Hallo Ihr Lieben,
    ziemlich cool, Eure Wandertour! Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass Japan so bergig und alpin ist 🙂
    Wünsch Euch noch ganz viel Spaß!
    Liebe Grüße,
    Marion

    • Hallo Marion,
      ehrlich gesagt, war uns das vorher auch nicht bewußt, wie bergig Japan tatsächlich ist. Und wir reden nicht von kleinen Erhebungen 🙂
      Die Japaner lieben das Wandern und verbringen jede freie Minute am Berg. Uns hat die Hitze schon sehr zu schaffen gemacht, aber es war eine tolle Erfahrung.
      In dieser Woche steht für uns noch eine besondere Herausforderung an – wir wollen den Mt. Fuji bezwingen.
      Liebe Grüße
      Frauke & Jojo

  • Hey ihr beiden!
    Super schöne Tour, die ihr euch da ausgesucht habt. Die Berge habe ich tatsächlich während meiner Japan Reise nicht geschafft, umso schöner, dieses Erlebnis jetzt mit eurem Bericht und den großartigen Fotos nachzuholen:)
    Liebe Grüße
    Nicole von CicoBerlin

    • Die japanischen Alpen sind wirklich etwas besonderes. Leider hatten wir in den ersten Tagen ziemlich Pech mit dem Wetter, so dass einige Wanderungen ausgefallen sind.
      Aber einen Berg haben wir noch vor uns. Bevor es nach Hause geht, wollen wir noch den Mt. Fuji besteigen.
      Liebe Grüße
      Frauke & Jojo

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