Im Wald der Giganten – der Redwood Nationalpark

In Kalifornien wachsen die höchsten und ältesten Bäume der Welt – die Mammutbäume.
 
Die meisten Mammutbäume stehen in der kalifornischen Sierra Nevada oder an der Küste zwischen San Francisco und Seattle. Dort gibt es ausreichend Wasser und mildes Klima – ideale Verhältnisse, um so gewaltig in die Höhe zu schießen.

Auf unserem Roadtrip durch den Westen der USA haben wir zunächst die Giganten an der dunstigen Pazifikküste Nord-Kaliforniens besucht. Dort wachsen die sogenannten Küstenmammutbäume (Sequoia sempervirens). Diese sind nicht zu verwechseln mit den etwas niedrigeren, aber wesentlich stämmigeren Verwandten, den Riesenmammutbäumen (Sequoiadendron giganteum) an den Westhängen der Sierra Nevada (über die wir demnächst berichten).
 
 

Küstenmammutbäume – die stillen Riesen

Die Küstenmammutbäume, die „Dinos“ unter den Bäumen sind die höchsten lebenden Bäume der Welt. Sie können eine Höhe von 110 Metern erreichen, was ungefähr mit einem 25-stöckigen Hochhaus vergleichbar ist.
 
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Doch nicht nur die Höhe der „Stillen Riesen“ beeindruckt, sie können außerdem steinalt werden.
Die ältesten Mammutbäume sollen so alt sein wie die ägyptischen Pyramiden, also über 3000 Jahre. Eine genaue Zählung der Jahresringe ergibt allerdings „nur“ 1500 Jahre, aber selbst das ist schon äußerst erstaunlich.
Die Durchschnittsalter der heutigen Bäume liegt bei 700 bis 900 Jahren.

Wegen ihres roten Kernholzes werden die Überbleibsel aus der Urzeit auch „Redwoods“ genannt.
 
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„Vom Aussterben bedroht“

Zu Zeiten der Dinosaurier waren die mächtigen Küsten-Redwoods über ganz Amerika verbreitet.
Viel ist nicht mehr über von den riesigen Redwood-Wäldern. Heute wachsen sie nur noch in schmalen Streifen in wenigen Nationalparks.

Dabei hat der Baum selbst fast keine natürlichen Feinde. Aufgrund der dicken Rinde stellt selbst Feuer keine Gefahr für die Riesen dar.
 

Der Feind der Redwoods heißt „MENSCH“!

 
Jahrtausende bewohnten Ur-Amerikaner die Redwood-Wälder Kaliforniens. Nur zum Bau ihrer Unterstände und ihrer Kanus verwendeten sie das harte, witterungsbeständige Holz.
Anfang der 19. Jahrhunderts begann mit der Ankunft der Weißen ein ungeheurer Kahlschlag, der fast die gesamten Bestände vernichtete.
Die ersten Weißen, die sich im heutigen Parkgebiet aufhielten, waren Biberfelljäger. Sie kamen 1828 auf der Suche nach neuen Jagdgründen (die sie reichlich fanden und nutzten).
Der große Einwandererstrom setzte ein, nachdem in der Gegend Gold gefunden wurde. Das ganze Gebiet wurde umgeackert. Gleichzeitig begannen Holzfirmen mit dem systematischen Fällen der Redwood-Giganten. Die ansässigen Indianer wurden aus der Küstenregion ins gebirgige Hinterland verdrängt und als die Goldsucher auch dorthin vordrangen, in die Reservate abgeschoben. Die Goldsucher verließen nach einigen Jahren die, wie sich herausstellte, wenig ergiebige Gegend. Die Holzindustrie blieb und intensivierte ihre Tätigkeit.

Bereits 1852 hatten Waldschützer erstmals vor dem zerstörerischen Kahlschlag der unersetzlichen Redwood-Wälder gewarnt. Trotzdem waren bis 1968 fast 85 Prozent des Bestandes abgeholzt.
In dieser Zeit wurde beschlossen den Redwood Nationalpark einzurichten und ein Teil des Waldgeländes unter nationalen Schutz gestellt.

Heute schützt der Redwood Nationalpark die letzten Bestände des regenwaldähnlichen Nadelwaldes aus gigantischen, archaischen Bäumen.
 
 

Redwood Nationalpark

Der Redwood Nationalpark, ein Zusammenschluss aus drei State-Parks, sollte auf deinem Reiseplan keinesfalls fehlen, wenn du die mächtigen Mammutbäume live erleben möchtest.
 
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Ungefähr 500 Kilometer nördlich von San Francisco, nahe der Grenze zu Oregon, erstreckt sich das Parkgebiet über eine Länge von fast 100 Kilometern entlang des Highway 101, der hier üblichen Küstenroute, in Nord-Süd-Richtung.
 
 

Im Reich der roten Riesen

Wir beginnen unsere Tour im südlichen Teil des Nationalparks. Von Eureka kommend fahren wir über den Highway 101, den Pacific Highway, zum südlichen Eingang des Nationalparks.

Unser erster Stopp gilt dem Thomas H. Kuchel Visitor Center. Von den fünf Besucherzentren ist dieses das Größte: Es gibt einiges zu sehen und viel zu erfahren über die mächtigen Redwoods. Außerdem gibt es einen herrlichen Buchladen und Zugang zu einem Sandstrand. Das Wetter lädt jedoch nicht zum Strandbummel ein, es ist ziemlich kühl und vom Pazifik ziehen dichte Nebelschwaden an Land.
 
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Gut informiert wollen wir nun natürlich mehr von den Redwoods sehen und fahren Richtung Norden hinein in den „Wald der Giganten“.

Gleich am Anfang unserer Tour erwartet uns eines der Highlights: der Lady Bird Johnson Grove Trail, ein kurzer Wanderweg, der sich durch einen Wald aus Mammutbäumen schlängelt und zu dem Ort führt, an dem Lady Bird Johnson den Grundstein zur Gründung des Redwood-Nationalparks legte.

Es ist noch früh am Morgen und wir sind fast allein unterwegs. Die Stimmung kann man gar nicht beschreiben.
Der Morgennebel streicht an den großen Bäumen entlang und die Vergangenheit scheint durch den Wald zu schweben. Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den Nebel und erzeugen eine mystische Stimmung. Man kommt sich vor wie in einem urigen Märchenwald. Ein Wald mit endlos hohen Bäumen und einem Baumumfang, der einfach gigantisch ist.
 
Wir stehen tatsächlich unter den größten Lebewesen der Erde!
 
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Wir fragen uns immer wieder, wie es den Mammutbäumen gelingt, so hoch zu wachsen.
Die größte Herausforderung besteht darin, das Wasser in die Höhe zu transportieren. Wenn du in Physik ein wenig aufgepasst hast, hast du sicher schon einmal vom sogenannten Kapillareffekt gehört. Die Mammutbäume machen sich diesen zu nutzen: Die Bäume verdunsten Wasser durch die Spaltöffnung ihrer Nadeln, dadurch entsteht ein Unterdruck, der das Wasser nach oben saugt.
Außerdem herrscht an Kaliforniens Küste ein eigenes Klima. Auch an schönen Tagen wabert der Nebel über die küstennahen Gebiete, den der Westwind vom Pazifik herantreibt. Die Redwoods können aus dem Nebel Wasser aufnehmen. Sie sind „Nebeltrinker“.
 
Leider kann man die unglaubliche Höhe der Bäume kaum mit der Kamera einfangen. Aber glaub uns, selbst wenn du Dirk Nowitzki wärest, kämst du dir in diesem Schutzgebiet, in dem turmhohe Bäume wie Wolkenkratzer himmelwärts ragen, wie ein Zwerg vor.
 
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Nach dieser kurzen Wanderung geht unsere Fahrt auf dem Highway 101 weiter. Die Straße führt mitten durch die geheimnisvollen Redwood-Wälder hindurch. Die „Avenue of Giants“, wie der Highway auch heißt, ist eine finstere Allee. In den dichten Wäldern herrscht Dunkelheit, auch wenn die Sonne scheint.

Immer wieder zweigen Wanderwege ab, die tiefer in den Wald hinein führen.
Ein kurzer Weg führt zum Big Tree. Der Name ist treffend: 93 Meter hoch, 6,6 Meter dick, 20 Meter im Umfang und etwa 1.500 Jahre alt!
 
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Allerdings gibt es nur wenige echte „Must Sees“ entlang der Strecke. Es ist mehr das Gefühl, zwischen den riesigen Bäumen zu stehen und durch die Wälder zu laufen, welches das Flair des Gebietes ausmacht.

Abseits der offiziellen Wanderwege sind die Wälder im Redwood Nationalpark ziemlich undurchdringlich. Umgestürzte Bäume blieben hunderte Jahre liegen, ohne zu verrotten.
Auf den uralten Ästen haben sich Farnmatten gebildet – in hunderten Jahren gewachsene hängende Gärten.
 
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Um uns herum herrscht eine unglaubliche Stille. Wir sind umgeben von den riesigen Bäumen – Mutter Natur kann so wundervoll sein.

Wer, wie wir, zum ersten Mal in einem Hain aus Küstenmammutbäumen steht, senkt unwillkürlich die Stimme. Wir flüstern wie in einer Bibliothek.
Wenn man einen Eindruck haben möchte, wie hoch die Redwoods sind, sollte man die Augen schließen und in die Hände klatschen. Mit bloßem Auge ist die Entfernung zu den Kronen schwer zu schätzen, doch die Akustik der Urwälder lässt ahnen, aus welcher Höhe das Klatschgeräusch zurück geworfen wird. Ansonsten ist hier kein Geräusch zu hören.

Die Bäume wirken heroisch. Wenn es regnet, schneit, friert, suchen wir alle Deckung, nur die Bäume wiederstehen allem und das über tausende Jahre.
Die Redwoods sind nahezu unzerstörbar, immun gegen Schädlinge, trotzen Waldbränden und überleben Stürme. Und sie wachsen unbeeindruckt weiter. Die Giganten, die angeblich nur herumstehen, produzieren zehnmal mehr Holz im Jahr als ein kommerziell genutzter Wald. Dabei absorbieren sie riesige Mengen CO2. Die alten Wälder zählen zu den wichtigen Kohlenstoffsenkern unserer Erde.
 
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Als Besucher kann man leider nur einen Bruchteil des Schutzgebiets kennen lernen.

Schweren Herzens sagen wir am späten Nachmittag den Redwoods „Auf Wiedersehen“ und machen uns auf dem Rückweg.
Dafür wählen wir den, mehr oder weniger, parallel zum Highway 101 verlaufenden Newton B. Drury Scenic Parkway, der sich unbedingt lohnt.
Der Newton Parkway führt durch den Prairie Creek Redwoods State Park. In diesem Teil des Nationalparks sind die „Roosevelt-Hirsche“ zu Hause. Die Roosevelt-Hirsche, eine Unterart der Wapiti-Hirsche, zählen zu den wenigen großen Säugern des Parks.
Wir haben großes Glück und treffen auf einer Lichtung eine große Gruppe der scheuen Tiere, die sich hier zum Fototermin versammelt haben. Die Wapitis sind deutlich größer als unsere europäischen Rothirsche und bekannt für ihre lauten trompetenden Rufe.
 
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Unser Fazit

Mit seinen einzigartigen gigantischen Bäumen wird uns der Redwood Nationalpark in besonderer Erinnerung bleiben.
Das Gefühl der Ehrfurcht vor den gewaltigen roten Bäumen kann man kaum in Worte fassen.

Wir haben für den Besuch im Redwood Nationalpark leider nur einen Tag eingeplant. Wenn ich den Road Trip noch einmal planen dürfte, würde ich mindestens zwei Tage vorsehen.
 
 

Infobox:

Quelle: usareisetipps.com
  • Lage und Infos:
  • Der Redwood Nationalpark liegt ganz im Norden Kaliforniens.
    Der Besuch des, ein wenig abseits gelegenen Nationalparks, lässt sich gut mit einem „Abstecher“ Richtung Lassen Volcanic Park verbinden.
    Medford (Oregon) liegt 170 Kilometer nordöstlich, San Francisco (Kalifornien) 530 Kilometer südlich des Parks. Beide Städte verfügen über regelmäßige Flugverbindungen und Autovermietungen.
    Der nächste Flughafen Arcata-Eureka befindet sich in der Nähe von McKinleyville, ca. 50 Kilometer vom Park entfernt.
    Auf dem Highway 101, der durch den Nationalpark führt, verkehren mehrmals täglich öffentliche Busse in beide Richtungen.
    Der ca. 450 km² große Park wurde 1968 gegründet und besteht aus drei State-Parks.

  • Anfahrt:
    Man erreicht den Redwood National Park ganz einfach, indem man den Highway 101 entlang fährt, was zunächst ein wenig irritierend sein mag, denn im Grunde gibt es keinen echten Parkeingang und es werden auch keine Gebühren fällig.
    Der waldgesäumte Highway 101, der Redwood Highway, quert den Park in seiner gesamten Länge.
  • Vom Süden fährt man über Orick ein, von Norden über Crescent City.
    Kommst du aus Richtung Osten, folge dem Highway 199 nach Hiouchi.

  • Hotels, Motels & Campingplätze
    Wie üblich sind Wohnmobile und andere Camper bestens versorgt, denn im Nationalpark gibt es mehrere Campingplätze.
    Wenn du Annehmlichkeiten wie Duschen und Spültoiletten brauchst, dann solltest du dich an die Campingplätze in den State-Parks halten. Wenn dir aber Einsamkeit wichtiger ist als Komfort, dann findest du im Redwood National Park auch eine Handvoll Campingplätze für Rucksackreisende. Die meisten sind über Wanderwege von weniger als fünf Kilometern Länge erreichbar.
    Die Campingplätze haben saisonal geöffnet. Die Öffnungszeiten kannst du über die Nationalparkverwaltung erfragen.

    Wer mit dem Auto unterwegs ist, kommt sowohl in Crescent City am Nordrand als auch in Arcata, Eureka oder Fortuna am Südrand ganz gut unter – alles keine schönen Städte, die in erster Linie von der Holzindustrie leben bzw. lebten, aber viele bezahlbare Unterkünfte bieten.
    Wir haben im Super 8 in Fortuna übernachtet. Das ruhige Motel eignet sich perfekt für die Durchreise, es liegt direkt neben dem Highway 101.

  • Eintritt: Der Besuch des Redwood Nationalpark ist kostenlos.
  • Öffnungszeiten:
  • Der Park ist ganzjährig geöffnet.
    Bevor du losfährst, solltest du auf jeden Fall den Zustand der Straßen prüfen. Es kann durchaus sein, das Straßen geschlossen sind: im Sommer kann es Waldbrände geben, im Winter Schnee.

  • Wandern:
    Der Highway 101, gesäumt von unzähligen Redwoods, bietet einen Überblick durch die Windschutzscheibe. Willst du die Redwoods wirklich erleben, musst du zu Fuß gehen. Auf einer Gesamtlänge von ca. 200 Kilometern gibt es zahlreiche Wanderwege, die dir die Schönheit und Eigenart des Nationalparks näher bringen.
    Von fast allen Parkplätzen sind Wanderwege mit Meilenangaben ausgeschildert und in den Besucherzentren sind Infos, Wanderführer und Karten erhältlich.
    Mehr Informationen findest du hier.
  • Zugänglichkeit: für PKW problemlos, nicht alle Straßen sind für Wohnmobile zugänglich. (Auskunft erhältst du in den Besucherzentren.)
  • Reisezeit: Die besten Reisezeiten für den Besuch im Redwood Nationalpark sind Frühjahr und Herbst. Im Sommer kann es zu Staus und überfüllten Parkplätzen kommen, im Winter regnet es häufig.

 
 

Und sonst so?

  • Wenn dir, mit etwas Glück, die Roosevelt-Hirsche über den Weg laufen, halte unbedingt Abstand. Sie neigen zu aggressivem Verhalten.
  • Im Redwood National Park gibt es sowohl Schwarzbären als auch Pumas. Die Tiere sind normalerweise sehr scheu und man trifft sie selten an. Wir haben beim Fahren einen Schwarzbären am Waldrand entdeckt, welcher aber, als er unser Auto bemerkte, ganz schnell wieder verschwunden war.
    Solltest du dennoch einem Bär oder Puma begegnen, versuch das Tier zu vertreiben, in dem du viel Lärm machst. Heb die Arme und mach dich so groß wie möglich und geh langsam zurück. Laufe niemals vor einem Puma davon – er betrachtet dich sonst als Beute.
  • Lass keine Lebensmittel offen liegen! Verstau sie immer so, dass sie für Bären nicht erreichbar sind (z.B. im Auto).

 
 
Warst du schon einmal im Redwood Nationalpark und hast die riesigen Küsten-Mammutbäume besucht? Oder wäre dieser Park auch etwas für dich?
 
 
Noch mehr Reiseberichte aus dem Westen der USA findest du hier.
 
 

geschrieben von
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