Hola de Tijuana – Mexiko ist gar nicht weit

 
Mexiko ist ja gar nicht weit.

Bei unserem Besuch im US-amerikanischen San Diego können wir uns dem Reiz des nahen Mexikos nicht entziehen und machen uns auf zu einem Ausflug auf die andere Seite der Grenze.

Unser Ziel: Tijuana, die mexikanische Grenzstadt, die nur 24 km südlich von San Diego liegt.
 
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Grundsätzlich wird immer wieder davor gewarnt, hier nach Mexiko einzureisen. Aber gegen mal „auf der anderen Seite gucken“ und außerhalb der USA Mittag zu essen, ist doch nichts einzuwenden.
 
Tijuana gilt nicht als Mexikos Aushängeschild, eher als Zentrum für Drogenkartelle, Prostitution und Spielhöllen.
Die Stadt hat in den letzten Jahren immer wieder negative Schlagzeilen gemacht. 2009 und 2010 hat die USA sogar Reisewarnungen für Tijuana ausgesprochen und der Tourismus war stark rückläufig.

Heutzutage ist man sehr bemüht diesen bösen Ruf aufzugeben.
Die Lage hat sich etwas gebessert, aber trotzdem muss die Stadt mit einem Image leben, das über Drogen, Prostitution und Gewalt nicht hinausgeht und das ihr womöglich für immer bleiben wird.
 
Immerhin trauen sich die Gringos wieder nach Tijuana. Vor allem amerikanische Collegestudenten pilgern scharenweise hierher für den billigen Alkohol, die Stripclubs und die sagenumwobenen Donkey Shows.
Gringo ist übrigens die Bezeichnung der Mexikaner für „Bleichgesicht“. 😀

Schon in den zwanziger Jahren, zu Zeiten der Prohibition in den USA, fuhren viele reiche Amerikaner in den Nachbarstaat Mexiko, um sich dem Alkohol und anderen Sünden hinzugeben. Tijuana kann also eigentlich kaum etwas dafür, dass es so ist, wie es ist.
 
 

Grenzerfahrung

Mit dem Auto fährt man von San Diego gerade mal 20 Minuten bis zum kleinen Grenzort San Ysidro.

Die Grenze besteht aus einem sehr unfreundlich aussehenden dicken Zaun. Dahinter erkennt man ein Stück totes Land und noch einen Zaun, was ein wenig an den Todesstreifen an der DDR-Grenze erinnert.

Wir stellen das Auto auf einem der großen bewachten Parkplätze in Grenznähe ab. Für den Grenzübertritt mit dem Mietwagen benötigen wir eine Zusatzversicherung. Zwar bieten einige Büros diesseits der Grenze ihre Dienste an, aber für einen Kurzaufenthalt lohnt sich der Aufwand nicht.
Außerdem werden Fahrzeuge bei der Einreise retour in Richtung USA sehr streng kontrolliert, wodurch es zu langen Staus und Wartezeiten kommt.
 
Die Einreise nach Mexiko ist extrem unspektakulär – ab durch die Drehtür und drüben ist man. Passkontrollen oder ähnliches gibt es nicht.
 
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Nach Tijuana zum Arzt

Am Grenzübergang treffen wir eine nette Dame und kommen ins Gespräch. Sie erzählt uns, dass sie regelmäßig nach Tijuana fährt, um sich die Zähne machen zu lassen und rezeptfrei Medikamente zu kaufen.
Tijuana ist ein Paradies für alle, denen die amerikanische Gesundheitsversorgung nicht reicht und die kostengünstig einen Arzt besuchen wollen.

Eine riesige Apotheke, ausgeleuchtet wie ein Casino, ist auch das Erste, was Besucher auf der der mexikanischen Seite der Brücke empfängt.
Daneben reiht sich eine Dental-Klinik an die andere.
 
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Viva Tijuana

Das mexikanische Leben und Treiben beginnt nur wenige Meter hinter der Grenzstation in der unvermeidlichen Shoppingzone „Viva Tijuana“. Hier warten auch unzählige Taxen darauf Besucher ins Stadtinnere zu bringen.
Da es bis zum Zentrum aber nur 1,5 Kilometer sind, machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Downtown.

Über eine Brücke über den Tijuana River nähern wir uns dem Zentrum.
 
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Der Grenzübertritt ist sofort ein gewaltiger Kulturschock – hier prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite die schmucke Westküstenstadt mit den breiten Straßen, langen Sandstränden und dem Geruch nach Meer – auf der anderen Seite das chaotische, laute, bunte und teils zugemüllte Tijuana. Es riecht nach gebratenem Mais oder frittierten Churros, gemischt mit den nicht ganz so strengen Abgasregelungen.

Erschreckend ist die Armut, die deutlich sichtbar ist.
 
Alle 2 Minuten werden wir angesprochen, ob wir nicht Medikamente, Schmuck, Souvenirs oder andere Dinge kaufen wollen. NEIN, wollen wir nicht! Während wir am Vormittag noch lächelnd ablehnen, sind wir (vor allem ich) am Nachmittag mehr als genervt. Auf Dauer ist das „Angequatsche“ nämlich sehr anstrengend.
 
Nach ca. zehn Minuten Fußmarsch landen wir mitten im Zentrum, auf der Avenida Revolución („La Revo“). So haben wir uns Mexiko nicht vorgestellt. Wir wähnen uns nicht in Mexiko, sondern eher auf der Reeperbahn. Hier gibt es vor allem dreierlei: Alkohol, Drogen und Sex – am liebsten gegen US-Dollar.
 
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Der Lärm auf ist ohrenbetäubend. Spielhöllen, Stripbars, Discos, Burgerketten und Apotheken reihen sich wie eine Perlenkette aneinander. Aus den bunt verkleideten Häusern erschallt Discomusik. Vor den Eingängen stehen Männer und locken die Passanten mit lauten Rufen: „Come in, have a look! oder „Cheap Viagra! Stock up now!“
 
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Dazwischen preisen die Händler ihre Waren an, lautstark und aufdringlich.
Zu aufdringlich! Ein freundliches „NEIN“ wird nicht akzeptiert. Im Gegenteil, dann wird auch mal gezogen, betatscht oder der Weg versperrt. Während Jojo sich köstlich amüsiert und das chaotische und aufdringliche Treiben gelassen betrachtet, steigt mein Unmut immer mehr.
Es ist, als ob ein Rudel durstiger Moskitos auf uns gewartet hat. Wir haben keine ruhige Minute und alle wollen nur unser Bestes: Unsere $$$$.
 
Man hätte es vorhersehen können. Das Durchschnittsmonatsgehalt liegt laut unserem Reiseführer bei 80 US-Dollar. Da ist jeder Tourist im Vergleich enorm reich und wird als wandelnde Geldquelle angesehen.
 
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Wir verlassen das chaotische und bunte Zentrum und verziehen uns in die Seitengassen. Hier ist es zwar ruhig, aber auch verlassen. Viele Läden sind geschlossen, die Straßen sind leer. Vom Charme „Tia Juanas – Tante Juanas“, wie die Stadt auch genannt wird, kann man nur wenig erahnen. Hier sieht Tijuana eher traurig aus.
 

Auf Träumen gewachsen

Der Großteil der Bewohner Tijuanas ist an diesem Ort gestrandet, getrieben vom unsteten Leben und dem amerikanischen Traum, der vermeintlich auf der anderen Seite des Grenzzauns wartet. Tijuana ist die Stadt der geplatzten Seifenblasen. Geschichten davon findet man überall. Sie sind geradezu mit diesem Ort verwoben.
 
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Nach nur 2 Stunden in der Stadt halte ich es nicht mehr aus. Ich möchte nur noch weg.

Jojo versucht mich aufzumuntern und erinnert mich, dass wir doch mexikanisch essen wollten.
Also spazieren wir zurück ins Zentrum und halten Ausschau nach einem Restaurant. Das ist nicht schwer, auch hierfür wird überall geworben. Einem der Menschenfänger haben wir dann ein Erfolgserlebnis beschert und uns in ein kleines Restaurant locken lassen. Überraschenderweise ist es hier ganz nett.
Der Wirt merkt wohl meine Gereiztheit, er fragt nicht nur, was wir essen wollen, sondern auch welche Musik uns gefällt. Als dann plötzlich Fleetwood Mac aus den Lausprechern erklingt, ist mein Unmut fast verfolgen.
Das Essen ist sehr gut, es gibt leckere Tacos und Burritos und auch das eiskalte, mexikanische Bier schmeckt!
 
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Man könnte fast Gefallen an dem mexikanischen Ambiente finden.

Lange dauert die Freude jedoch nicht an. Wir haben noch nicht aufgegessen, da wird unser Tisch von Händlern, Bettlern und Musikern umlagert und alle halten die Hände auf.
 
Viel früher als geplant, machen wir uns auf den Rückweg nach San Diego.
Ich bin einfach nur „abgefuckt“ (sorry, aber mir fällt kein passendes deutsches Wort ein) und möchte sofort zurück in die Staaten.

Eine rasante Taxifahrt später sind wir zurück an der Grenze.
 
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Unsere Hoffnung, dass wir mit dem amerikanischen Visum auch wie Amerikaner behandelt werden und nicht warten müssen, wird sofort zerschlagen. Wir dürfen uns in die gefühlt einen Kilometer lange Schlange einreihen. Nach ca. 1 Stunde Wartezeit sind wir dann endlich dran. Eine Drehtür als Grenzübergang, wie auf dem Hinweg, bleibt eine Traumvorstellung. Wieder heißt es Geduld bewahren. Passkontrolle, Fragen der Zöllner und die Überprüfung der Einreisepapiere stehen nun auf dem Programm. Nach anderthalb Stunden sind wir dann endlich abgefertigt und dürfen amerikanischen Boden betreten.
 
 

Unser Fazit:

Mexiko hat sicher schönere Seiten.
Tijuana steht definitiv nicht auf unserer „wir-müssen-unbedingt-wieder-kommen-Liste“.
 
 

Infobox:

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  • Wie kommt man nach Tijuana?
    Mit dem Auto benötigst du von San Diego gerade mal 20 Minuten bis zum kleinen Grenzort San Ysidro. Dort findest du mehrere bewachte Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum Grenzübergang.
    Achtung: Beachte unbedingt die Schilder auf der Interstate Nr. 5 und folge rechtzeitig dem Schild „Turn right to US“, sonst stehst du vor der Abfertigung (wenden ist nicht möglich).
  • Auch mit der Straßenbahn kannst du vom Stadtzentrum San Diegos direkt zum Grenzübergang fahren. Die Bahn fährt täglich von 5 Uhr bis Mitternacht alle 15 Minuten nach San Ysidro.
  • Der Grenzübergang San Ysidro, der ca. 10 Minuten zu Fuß vom Zentrum von Tijuana entfernt liegt, hat 24 Stunden am Tag geöffnet.
  • Die kurzfristige Einreise nach Mexico (weniger als 72 Stunden) ist unkompliziert. Du benötigst lediglich deinen Pass, der meist weder auf amerikanischer noch auf mexikanischer Seite kontrolliert wird. Bei der Rückkehr möchten die amerikanischen Grenzbeamten aber immer den Pass sehen und kontrollieren sehr genau und gründlich.
  • Vor Ort werden US Dollar überall akzeptiert.
  • Mehr Informationen findest du hier.

 
 
Warst du schon einmal in Tijuana? Wie hat es dir gefallen?
Oder hast du schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzähl uns davon in den Kommentaren!
 
 

geschrieben von
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14 Kommentare

  • Hallo ihr zwei,

    das hört sich nach Chaos, zu laut, zu bunt, schrill und nervig an. Sicherlich war es eine Erfahrung 🙂 Gut, dass man vorher oft nicht weiß wie es wirklich ist, sonst würde man so manchen Ort / Land nicht besuchen wollen. Trotzdem fand ich es faszinierend das zu lesen. Aber hinfahren wollte ich auch nicht !!

    LG
    Iris

    • Hallo Iris,
      wenn wir gewußt hätten, was uns erwartet – dann wäre dieser kleine Abstecher nie erfolgt. Aber nun sind wir um eine Erfahrung reicher 🙂
      Liebe Grüße
      Frauke & Jojo

  • Hallo Frauke und Johanna,

    ich war 1999 länger in San Diego und wir sind mit der U-Bahn bis an die Grenze gefahren. Allerdings waren wir dort Abends zum „Party machen“ und es war recht witzig. Es ist halt schon ein paar Jährchen her.
    Vielen Dank für euren schönen Artikel und das Essen sah lecker aus.
    Ich wünsche euch noch eine weitere tolle Reise 🙂

    Viele Grüße
    Jens

    • Hallo Jens,
      das Essen war tatsächlich das Beste an diesem Ausflug. 🙂 Aber, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man in Tijuana wirklich gut „Party machen“ kann, auch heute noch.
      Liebe Grüße
      Frauke

    • Die Trennung wird durch die Mauer besonders deutlich. Für mich hatte das Ganze etwas Erschreckendes – ich bin in der DDR aufgewachsen und das Thema „Mauer“ kenne ich aus eigener Erfahrung.
      Viele Grüße
      Frauke

  • Hallo Frauke und Johanna,

    schön bunt ist es ja ;D. Ich kann gut nachvollziehen, dass das ständige Angequatsche ziemlich auf die Nerven geht. Wir hatten eine ganz andere erste Begegnung als wir von Kuba nach Cancun flogen. Auf einmal wurden wir nämlich viel weniger angequasselt und sogar die Taxifahrer haben uns den Weg zur Bushaltestelle erklärt (anstatt uns zu erzählen, dass heute kein Bus mehr kommt/die Haltestelle abgebrannt ist oder das Taxi fahren eh viel günstiger wäre 😀 ).

    Liebe Grüße aus Panama
    Marie

    • Hallo Marie,
      schön zu hören, dass es auch anders geht. 🙂 Mexiko hat eindeutig eine zweite Chance verdient.
      Normalerweise kann ich mit dem Angequatsche recht gut umgehen, aber dort fand ich es extrem aufdringlich.

      Viele Grüße nach Panama!

  • Liebe Frauke,

    vielen Dank für diesen tollen und sehr hilfreichen Artikel! Denn auch mich hätte die Neugier wohl im Trump Amerika nächstes Jahr über die Grenze getrieben und ich bin heilfroh, dass ich deinen Artikel gelesen habe. Ich hatte es geahnt, aber dass es so krass ist, war mir nicht bewusst. Mexiko gern. Aber Tijuana, so traurig es ist, lassen wir dann wohl eher aus. Auch wenn die Kids natürlich eine Menge zu erzählen haben bzw hätten.

    liebe Grüße,
    Heike

    • Liebe Heike,
      du konntest es sicher heraus lesen, aber ich würde Tijuana nicht empfehlen. Für die Kids ist es sicher ein Spaß, meine Tochter hat sich auch köstlich amüsiert, aber die Zeit kann man besser nutzen. San Diego und Umgebung hat so viel zu bieten und überhaupt ist der Westen der USA so vielseitig und beeindruckend, dass man den Abstecher nach Mexiko nicht braucht.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Oh je, das klingt ja wirklich nach Abgewöhnen, Frauke… ich wollte letztes Jahr auch diesen Ausflug nach Tijuana machen, aber meine Frau und der Rest der „Reisegesellschaft“ war nicht zu motivieren… war vielleicht ganz gut so, wenn ich deine Zeilen hier lese. Obwohl ich glaube, dass die Kids ihren Spaß gehabt hätten… teilweise zumindest. Und du hast Recht, es gibt so viel Schönes in der Gegend um San Diego und ganz allgemein im Südwesten der USA zu sehen, so dass man sich Mexiko lieber woanders anschaut…
    Ich war Ende der 90er für eine Woche in Mexiko, und auch damals ist mir die Armut extrem aufgefallen. Leider ist das ja nicht wirklich besser geworden…

    Auch wenn es nicht schön war, ist dies ein sehr hilfreicher Artikel!
    LG aus dem hohen Norden
    Hartmut

    • Hallo Hartmut,
      manchmal sollte man auf die Frauen hören 🙂 In diesem Fall hatte deine Frau eindeutig das richtige Näschen!
      Für meine Tochter war der Ausflug ein großer Spaß, ich war nach diesem Tag extrem negativ gegenüber „Mexiko“ eingestellt. Ganz sicher zu Unrecht, denn Mexiko hat bestimmt viele interessante und spannende Ecken.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Sehr schöner Bericht! Hab mich auch schon länger gefragt, wie so ein Trip nach Tijuana wirklich ist. Jetzt bin ich sicher, daß ich bisher nichts verpasst habe 😉

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