Grenzgänger im südlichen Afrika

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Du planst einen Roadtrip durch das südliche Afrika?
Du möchtest Namibia und Botswana auf eigene Faust bereisen? Vielleicht sogar mit einem Abstecher nach Simbabwe um die berühmten Victoriafälle mit eigenen Augen zu sehen?
Hast aber in verschiedenen Foren gehört, dass es schwierig sein kann, mit einem Mietwagen über die Grenzen zu fahren? Besonders von einem Grenzübergang nach Simbabwe wird zwingend abgeraten? Da ist von Abzocke, Zusatzgebühren und ewigen Wartezeiten die Rede?
(Fast) alles wahr, wie wir im Nachhinein feststellen mussten.

Grenzübertritte auf dem Landweg im südlichen Afrika mit einem vollgepackten Mietauto sind aufregende Abenteuer, fast so wie aufregend wie Tierbeobachtungen. 😃

Trotzdem würden wir jederzeit wieder mit dem eigenen Wagen über die Grenzen fahren.
So hatten wir immer unser gesamtes Hab und Gut dabei und waren vor allem flexibel und unabhängig.

Und mit ein wenig Planung und guter Vorbereitung sind auch Grenzübertritte gar nicht so schlimm.
 

Roadtrip Namibia – Botswana – Simbabwe

Im Sommer 2015 erfüllten wir uns einen Traum und wagten wir das Abenteuer Roadtrip durch das südliche Afrika. 4 Wochen waren wir auf eigene Faust mit einem Mietwagen unterwegs, sind 7.524 Kilometer gefahren, haben 20-mal die Unterkunft gewechselt und 4 Grenzen passiert.

Unsere Reise führte uns durch Namibia, über Botswana bis zu den Victoriafällen in Simbabwe und von dort über Botswana zurück nach Namibia.
Wie unsere Route im Detail aussah, erfährst du hier.
 
 

Grenzerfahrungen südliches Afrika

Solange du eine geführte Tour buchst oder nur von Land zu Land fliegst, brauchst du dir keine großen Gedanken zu machen. Hauptsache der Reisepass ist dabei.

Reist du auf eigene Faust mit einem Mietwagen sieht es etwas anders aus. Dann können Grenzübergänge schon mal zeit- und nervenraubend sein – müssen sie aber nicht. Bis auf einige unterschiedliche Gebühren ist das Prozedere eigentlich (fast) immer das Gleiche.
 
Planung ist alles!
Nein, Planung ist natürlich nicht alles und Spontanität ist super. Aber ein Road Trip auf eigene Faust durch Afrika braucht Vorbereitung. Neben Route und Unterkünften solltest du auch deine Grenzübertritte sorgfältig planen.
Wer genau weiß, welche Unterlagen, Dokumente und Papiere er benötigt, ist im Vorteil. Das Gleiche gilt für Gebühren und Steuern jeglicher Art. Besonders „Grenzübergangshelfer“ oder „Agenten“ (wie sie sich manchmal nennen) sind sehr kreativ im Erfinden von Zusatzgebühren und Dokumenten, die es nicht gibt.
 

Wir haben alle wichtigen Infos für das Passieren der Landesgrenzen zwischen Namibia, Botswana und Simbabwe für dich zusammengestellt.
 
Das Wichtigste zuerst: Du benötigst einen gültigen Reisepass, der bei Reiseantritt noch mindestens 6 Monate gültig ist. Außerdem muss er ausreichend freie Seiten für Stempel haben (Minimum 2 Seiten pro Land)!
 
Für die Einreise nach Namibia und Botswana ist für deutsche Staatsbürger kein Visum erforderlich. Bei der Einreise nach Namibia wird ein kostenfreies Touristenvisum von bis zu 90 Tagen erteilt.

Auch bei der Einreise nach Botswana wird ein kostenfreies Touristenvisum von 90 Tagen erteilt. Seit dem 1. Juni 2017 wird allerdings eine Besuchersteuer von derzeit 30 USD fällig, die vor der Einreise am Flughafen oder an der Grenzstation bezahlt werden muss.
Nach der Zahlung erhältst du einen Beleg, der zusammen mit dem Pass vom Grenzbeamten gestempelt wird. Der Zahlungsbeleg ist nur 30 Tage gültig, gilt allerdings auch für die mehrfache Einreise.
 
Bei der Einreise nach Simbabwe besteht für deutsche Staatsangehörige neben Pass- auch Visazwang. Ein 30 Tage gültiges Touristenvisum wird an den internationalen Flughäfen und an den Grenzübergängen erteilt und kostet 30 USD.
Planst du von Simbabwe einen Abstecher nach Sambia empfiehlt es sich ein sogenanntes UNIVISA zu erwerben. Dieses ist ebenfalls 30 Tage gültig und gegen eine Standardgebühr von 50 USD kannst du solange zwischen Simbabwe und Sambia hin und her reisen, wie du möchtest.
 
Achtung! Die Reisepässe müssen in einwandfreiem Zustand sein! Besonders bei der Einreise nach Simbabwe wird darauf geachtet, dass der Pass weder eingerissen, geknickt oder gar selbst „repariert“ wurde. Wir haben zwei völlig aufgelöste Schweizer getroffen, deren Reise am simbabwischen Grenzposten endete, da an einem Reisepass einige Seiten eingerissen waren.

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Da sich die Einreisebestimmungen immer wieder ändern, prüfst du diese am besten vor Reiseantritt auf den entsprechenden Seiten des Auswärtigen Amtes.
Für unterwegs gibt es diesen Service auch als App „Sicher reisen“.
 
Bitte erkundige dich vorher auch nach zwingenden Impfvorschriften zu den jeweiligen Ländern! Diese kannst du ebenfalls auf den Seiten des Auswärtigen Amtes prüfen. Meines Wissens gibt es zurzeit keine.
 
 

Grenzübertritt mit dem Mietwagen

Bevor du auf eigene Faust mit dem Mietwagen über die Grenze fährst, klär das mit dem Vermieter.
Grenzübertritte mit dem Mietwagen müssen beim Vermieter angekündigt werden, um im Vorfeld sicherzustellen, dass der Grenzübertritt vom Vermieter gestattet wird.

Nicht jeder Autoverleiher erlaubt grenzüberschreitende Fahrten oder verlangt eine Extragebühr dafür.

Ich habe unseren Mietwagen schon lange vor Reiseantritt aus Deutschland gebucht. Die beste Plattform dafür ist aus meiner Sicht Billiger-Mietwagen.de. Dort habe ich nicht nur Fahrzeugtypen, Preise und Versicherungsschutz verglichen, sondern auch Zusatzleistungen. Mit Europcar habe ich einen Anbieter gefunden, bei dem Grenzübertritte nach Botswana und Simbabwe erlaubt waren und nichts extra kosteten.
 

Internationaler Führerschein: Bei der Frage nach dem Führerschein kursieren unterschiedliche Informationen. Einigen Autovermietern reicht ein EU – Führerschein, andere verlangen den Internationalen.
Wenn du grenzüberschreitend (Simbabwe, Botswana usw.) unterwegs bist, ist der Internationale Führerschein zwingend erforderlich. Dieser ist nur in Verbindung mit dem Nationalen gültig. Deshalb musst du beide Dokumente mitführen.
Auch bei Fahrzeugkontrollen oder Unfällen ist ein Internationaler Führerschein von Vorteil.
 

Das allerwichtigste beim Grenzübertritt mit dem Mietwagen ist ein Genehmigungsschreiben der Autovermietungsfirma (letter of authority), welches bestätigt, dass der Wagen ins Ausland fahren darf. Dieses Schreiben wird an den Grenzen immer verlangt und muss für jedes Land separat erstellt werden.
Bei Europcar habe ich die entsprechenden Papiere schon bei der Buchung beantragt.

Sollten die Papiere bei der Übernahme des Mietwagens nicht fertig sein, besteh darauf auf diese zu warten!
Bei der Mietwagenübernahme am Flughafen Windhoek lag zwar unsere Genehmigung für den Grenzübertritt nach Botswana vor, für Simbabwe fehlte sie. Die nette Dame am Schalter versicherte uns, diese nach Erstellung sofort per Fax an unsere Unterkunft zu senden, so dass wir sie noch am selben Tag erhalten. Denkste! Erst nach 5 Tagen und mehrfachen nervigen Telefonaten erreichte uns das Papier.

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Solltest du den Mietwagen während der Reise (aus welchen Gründen auch immer tauschen) benötigst du neue Genehmigungen. Der letter of authority ist nicht nur einem bestimmten Land sondern auch einem bestimmten Fahrzeug mit Fahrgestellnummer zugeordnet.
Wir haben unseren vorab angemieteten PKW während der Reise gegen ein Allradfahrzeug (welches du von vornherein buchen solltest) getauscht und benötigten somit neue Papiere. Nach unseren Erfahrungen aus Windhoek ließen wir uns auf die Versicherung, uns die Papiere im Laufe des Tages nachzusenden, nicht wieder ein und bestanden auf einer sofortigen Ausstellung. Dies kostete zwar etwas Zeit, war es uns aber wert.


 

Praktische Tipps für den Grenzübergang:

  • Gib immer als gewünschten Zeitraum für das Visum den längst möglichen an!
    Den gibt es nicht immer automatisch. Verlängerungen im Land selbst sind eher kompliziert. Eine Panne oder ein ungeplanter Werkstattaufenthalt kann sehr stressig werden, denn eine – auch unbeabsichtigte – Überziehung der Aufenthaltsgenehmigung führt zur Verhängung drastischer (Haft-) Strafen.
  • Beachte die Grenzöffnungszeiten!
    Die meisten Grenzübergänge haben von 6.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Es gibt nur wenige Übergänge, die auch bis 22 Uhr geöffnet haben, daher nie zu spät an der Grenze anreisen und mögliche Wartezeiten einkalkulieren.

    Grenzöffnungszeiten (Stand Januar 2018):
    Namibia nach Botswana (von Süd nach Nordost)
    Buitepos / Mamuno: 08:00 – 22:00 Uhr (Hauptübergang von Nam nach Bot)
    Klein Dobe: 08:00 – 16:00 Uhr (aus dem Buschmannland kommend)
    Mohembo: 06:00 – 18:00 Uhr (aus dem Mahango Nationalpark kommend)
    Ngoma Bridge: 06:00 – 18:00 Uhr (Hauptübergang nach Kasane / Vic Falls)

    Botswana nach Simbabwe (von Nordost nach Süd)
    Kazungula: 06:00 – 18:00 Uhr (Hauptübergang nach Vic Falls)
    Pandamatenga: 08:00 – 16:00 Uhr (Hauptübergang nach Hwange)
    Plumtree / Ramokgwebane: 08:00 – 18:00 Uhr (zum Matobo Hills Nationalpark)

  • Plane immer genügend Zeit für Ein- und Ausreise ein! Mit ein bis zwei Stunden solltest du rechnen. Bei „schwierigen“ Grenzen, wie dem Grenzübergang Botswana – Simbabwe haben wir sogar 3-4 Stunden gebraucht. Geduld und Ausdauer ist hier gefragt.
  • Vermeide Grenzübergänge um die Mittagszeit, da die meisten Beamten mit Essen beschäftigt sind, was die Abläufe nicht gerade beschleunigt.
  • Lass dir helfen! Meist kennen die lokalen Grenzgänger die Abläufe und Örtlichkeiten sehr genau und wissen welche Tricks hilfreich sind, um bürokratische Schikanen zu umgehen. Freundlich fragen hilft, sich helfen lassen auch!

    Manchmal hilft auch Dummstellen, das aber nur als letztes Mittel.

  • An einigen Grenzen gibt es „Grenzübertrittshelfer“, die ihre Dienste anbieten – natürlich gegen Geld.
    Jeder sollte für sich entscheiden, ob er diese Hilfe in Anspruch nehmen möchte.
    Solltest du dich dafür entscheiden, dann verhandle im Vorfeld ganz genau die Leistung und kläre die Bezahlung. Und gib NIE, wirklich nie Originalpapiere wie z.B. den Reisepass aus der Hand.
  • Habe genug Bargeld dabei, wenn möglich mehrere Währungen!
     
    ALT="Grenzübergänge im südlichen Afrika"An allen Grenzen muss mindestens für das Auto eine Gebühr und an manchen Grenzen auch ein Visum bezahlt werden.
    Verlass dich auf keinen Fall darauf, dass an der Grenze Geldautomaten stehen (die dann auch noch funktionieren) oder Wechselbüros oder dass Kreditkarten angenommen werden!
    „Cash is king!“
    Bezahlen kannst du an allen Grenzen mit USD, Botswanischen Pula oder südafrikanischen Rand.
    Um vor Überraschungen, wie kurzfristigen Erhöhungen von Visa- oder Straßengebühren gefeit zu sein, solltest du immer etwas mehr Geld dabei haben als offiziell angegeben.
  • Sei freundlich und offen! Ein Lächeln verhilft gerne mal zu einer schnelleren Bearbeitung. Wer schreit, drängelt oder pöbelt hat verloren. Unfreundlichkeit bringt in Afrika ganz und gar nichts.
  • Hab immer einen Plan B in der Tasche! Wenn du an einem Grenzübergang Probleme hast, solltest du immer wissen, wo die nächste Alternative ist. Vielleicht gelten dort ja andere Regeln?
  • Frische Lebensmittel dürfen (wegen Seuchengefahr) nicht über die Grenzen transportiert werden.
    An manchen Grenzübergängen schaut ein Grenzbeamter/Veterinär in den Wagen, ob sich dort keine verbotenen Lebensmittel wie Eier, Milch, rohes Fleisch oder Obst befinden.
    Entweder du versteckst sie gut oder noch besser: du hast nichts dabei! Die Kontrollen fallen je nach Lust und Laune der Beamten sehr unterschiedlich aus. Von einem flüchtigen Blick ins Wageninnere bis zu „räumen sie doch bitte den Kofferraum aus“ haben wir alles erlebt. Wegen zwei (zum Glück gut) versteckten Äpfeln haben wir Blut und Wasser geschwitzt. Es lohnt nicht!
  • Und wie weltweit geltend, mach bitte keine Fotos von Grenzanlagen! Das wird nicht gerne gesehen.

 

Was kosten Grenzübergänge mit dem eigenen Fahrzeug?

Mit diesen Kosten musst Du rechnen (Stand Januar 2018):

Namibia:

250 NAD Cross Border Charge / Straßennutzungsgebühr

Ganz wichtig: Die Quittung für die Straßengebühr musst du gut aufbewahren, weil du sie bei Aus- und Wiedereinreise und auch bei Polizeikontrollen vorzeigen musst.
Bei Übernahme des Mietwagens in Namibia wird die Straßennutzungsgebühr in der Regel von der Mietwagenverleihfirma übernommen.

Sonstiges:
Visa kostenfrei

1 NAD (Namibischer Dollar) = ca. 0,07 Euro = ca. 0,08 USD
 

Botswana:

40 Pula Road Permit / Straßennutzungsgebühr
20 Pula Road Safety Levy Fee / Straßensicherheitsgebühr
50 Pula MV Insurance / Haftpflichtversicherung (für 3 Monate)

Die Straßennutzungsgebühr in Höhe von 40 Pula ist bei jedem Grenzübertritt nach Botswana zu bezahlen.
Die Road Safety Gebühr von 20 Pula ist für ein Kalenderjahr gültig. Beim Fahrzeugverleiher mit abliefern, dann profitiert vielleicht der Nachmieter.

An der Grenze von Namibia kommend kann neben Pula auch mit Namibischen Dollar, USD und Südafrikanischen Rand bezahlt werden.

Sonstiges:
Keine Visa-Gebühren
30 USD pro Person – Touristensteuer

1 Pula (BWP) = ca. 0,09 Euro = ca. 0,10 USD

In Summe kostet die Fahrt über die Grenze nach Botswana für ein Standard-Fahrzeug mit 2 Personen ca. 60 Euro.
 

Simbabwe:

15 USD Carbon Tax / CO2-Steuer
10 USD Road Access Fee / Straßennutzungsgebühr
30 USD Insurance / Zusatzversicherung für das Auto
50 USD Commercial Vehicle Guarantee (CVG) / Einfuhrgebühr für gemietete Fahrzeuge

Sonstiges:
30 USD Visa-Gebühren (Single Entry Visum). Ein Double-Entry Visum kostet 50 USD pro Person.

In Summe kostet die Fahrt über die Grenze nach Simbabwe für ein Standard-Fahrzeug mit 2 Personen ca. 140 Euro.

Achtung: In Simbabwe gilt der USD als gültiges Zahlungsmittel. Da der einheimische ZIMD zu großen Schwankungen unterliegt, wird er nur noch als Souvenir an Touristen verkauft. An der Grenze solltest du das Geld passend und in Bar haben. Akzeptiert werden auch botswanische Pula und südafrikanische Rand. So sparst du dir unnötigen Ärger und Diskussionen.

Wegen chronischem Treibstoffmangel in Simbabwe solltest du deinen Wagen in Botswana unbedingt noch einmal volltanken, um problemlos aus Simbabwe wieder heraus fahren zu können.
 
 

Wie läuft ein Grenzübergang in der Regel ab?

Ausreise:
Bevor du in das benachbarte Land einreisen kannst, musst du ordnungsgemäß ausreisen.
Halte an den Grenzgebäuden oder wenn vorhanden, den markierten Parkplätzen, des auszureisenden Landes. Alle Mitreisenden müssen aussteigen! Jeder muss ein Ausreiseformular ausfüllen und sich damit den Ausreisestempel im Pass abholen.
Auch der Mietwagen muss im Register der Grenzbeamten festgehalten werden, denn es reist auch aus.
Meist wird nach dem „letter of authority“ des Autoverleihers gefragt, welcher dokumentiert, dass das Fahrzeug die Grenze überqueren darf.

Erst danach kann die Fahrt ins neue Land beginnen.
 
Einreise:
In der Regel erhältst du am Einreiseschalter des neuen Landes einen “Gatepass”, der am Ende der Einreiseprozedur abgestempelt bei den Grenzbeamten wieder abgegeben wird.
Auch bei der Einreise müssen alle Reisenden das Auto verlassen und am Immigration-Schalter den Visumantrag (Visa Applicationform) ausfüllen. Damit erhältst du den Einreisestempel im Reisepass. Sollte das Visum kostenpflichtig sein, zahlst du hier auch die Gebühren in bar. (Kreditkarten werden selten akzeptiert.)
Der Fahrer des Autos muss sich jetzt noch um die Einreise des Fahrzeuges kümmern und ggf. Straßengebühren, Versicherung etc. bezahlen, dies variiert jedoch von Land zu Land.
Danach geht es zum Auto, am Schlagbaum muss der abgestempelte Gatepass abgegeben werden (nur so weiß der Beamte, dass alle Gebühren bezahlt wurden) und schon ist die Einreise in das neue Land erledigt.
 

Klingt einfach? Ist es meist auch! Gut, manchmal werden wichtige Schalter nicht gefunden, da eine präzise Beschilderung fehlt oder Gebäude versteckt liegen. Manchmal erschließen sich auch die Abläufe nicht. Da hilft nur eines: Geduld bewahren, lächeln und durchfragen!
 

Und wie überall gilt auch in Afrika: Keine Regel ohne Ausnahme! Unser Grenzübergang von Botswana nach Simbabwe lief ein wenig anders ab …

Erfahrungen mit dem Grenzübergang Botswana–Simbabwe – Ein Albtraum

Unsere vorausgeplante Route führte uns von Kasane in Botswana nach Victoria Falls in Simbabwe.

Am frühen Morgen sind wir Richtung Grenzübergang Kazungula aufgebrochen. Schon kurz nach 7.00 Uhr erreichten wir die Grenzstadion. Die Ausreise aus Botswana war einfach, ging super schnell und lief genau wie oben beschrieben. Ausreiseformulare ausfüllen, Stempel abholen, Auto und Fahrer registrieren lassen – fertig.

Wenig später kamen wir an der Warteschlange für die Einreise nach Simbabwe an. Wir hatten schon einiges über diesen Übergang gehört – aber mit so etwas hatten wir nicht gerechnet. Das kleine Abfertigungsgebäude samt Vorplatz quoll über vor Menschen, die drängelten, schupsten oder genervt schienen.
Wer wartete hier auf was? Ein System war nicht erkennbar und die Schalter im Inneren nicht gekennzeichnet.
Unsere ratlosen Gesichter sprachen wohl Bände, denn sofort bahnte sich ein „Agent“ den Weg zu uns und bot seine Hilfe an. Hilfe? Wir doch nicht! Bisher haben wir jeden Grenzübergang allein gemeistert. Dankend lehnten wir ab. Das wohlgefällige Lächeln des vermeintlichen Agenten ignorierten wir. Er verabschiedete sich mit den Worten „Ihr wisst ja, wo ihr mich findet, falls ihr doch Hilfe benötigt“.
Noch immer waren wir völlig ratlos und versuchten uns durchzufragen. Wie sich herausstellte, waren die meisten Wartenden jedoch Einheimische oder Tagesausflügler, die sich mit ihren Reisegruppen die Viktoriafälle ansehen wollten und alle nur auf ein Visum warteten. Wie man ein Auto nach Simbabwe einführt, konnte (oder wollte) uns keiner sagen.
Es half alles nichts, ohne die Hilfe eines Agenten würden wir wahrscheinlich immer noch auf unsere Einreisepapiere warten. 😅
Also Zähne zusammengebissen, ein nettes Lächeln aufgesetzt und nach einem Agenten umgeschaut.
Nach kurzen, aber harten Verhandlungen einigten wir uns auf eine Gesamtsumme von 200 USD (165 USD für sämtliche Papiere und 35 USD für den Agenten). An dieser Stelle sind Souveränität, Standhaftigkeit und ein wenig Dreistigkeit gefragt (Sorry, but we don`t have any more cash!).

Plötzlich ging alles ganz schnell. Unser Agent verschaffte uns nicht nur die nötige Zusatzversicherung für das Auto in Rekordzeit, sondern hat uns auch mit allen Formalitäten inclusive Visaerteilung geholfen.
Man kann sich über die deutsche Bürokratie beschweren – allerdings ist das nichts zu dem, was einen in Simbabwe, in Form auszufüllender Formulare, erwartet.
Mit den ausgefüllten Papieren wurden wir von Schalter zu Schalter manövriert.
Kein Anstellen! Keine Wartezeiten!
Wir fühlten uns nicht besonders gut unser Geld und unsere Hautfarbe als Vorteil einzusetzen. Vorallem die Einheimischen, die schon ewig in den Schlangen warteten, wurden von den uniformierten Grenzbeamten grob zurückgewiesen, um Platz für uns zu schaffen. Grenzbeamte und Agenten scheinen unter einer Decke zu stecken.

Nach ca. dreieinhalb Stunden hatten wir die Einreiseformalitäten endlich hinter uns.

ALT="Grenzübergänge im südlichen Afrika"Im Nachhinein würden wir die Dienste wohl wieder in Anspruch nehmen – die Formularvielfalt hat uns einfach erschlagen und die Reihenfolge des gesamten Prozederes ist uns bis heute nicht klar.
 
Ausreise Simbabwe
In der Hoffnung Zeit, Geld und Nerven zu sparen, haben wir uns für die Ausreise aus Simbabwe den etwas abgelegenen und sehr kleinen Grenzübergang Pandamatenga ausgewählt.
Allein das Erreichen des Überganges war ein weiteres Abenteuer. Dass er etwas einsam gelegen ist, hatte ich im Vorfeld gelesen, dass er mitten in der Pampa liegt, jedoch nicht erwartet. Zum Glück war die Anreise für unseren 4×4-Geländewagen kein Problem und auch nicht der Baum, der plötzlich quer über der Straße lag.

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Den Grenzübergang erreichten wir um die Mittagszeit. Kein Mensch, kein Auto waren zu sehen. Eine Wellblechhütte, deren Tür offen stand, ein Schlagbaum – aber kein Gesetzeshüter weit und breit. Auf unser Rufen reagierte niemand. Erst unser Hupen weckte wohl einen Beamten, der mit wirrem Haar plötzlich aus der Hütte geschlurft kam und ziemlich überrascht schien. Beim Ausfüllen der Ausreiseformulare merken wir auch warum – wir waren tatsächlich die ersten Grenzgänger an diesem Tag.
Bevor der Beamte den Schlagbaum öffnete, bereitete er uns noch auf Wartezeiten an der botswanischen Grenzhütte vor. Der Grenzbeamte sei gerade in der Mittagspause und wir sollten etwas Geduld haben. Also warteten wir. Etwas anderes blieb uns ja nicht übrig. Nach ca. einer halben Stunde kam ein fröhlicher (da wahrscheinlich satt) Beamter angeradelt. „Normalerweise verirrt sich hier kein Mensch um die Mittagszeit her“ erklärte er uns. Die Formalitäten waren schnell erledigt und wir endlich wieder auf botswanischen Boden.
 
Unser Tipp: Die Anreise zu den Victoriafällen mit dem eigenen Fahrzeug ist nur zu empfehlen, wenn du etwas mehr Zeit in Simbabwe verbringen möchtest. Vom botswanischen Kasane werden verschiedene Tagesausflüge mit Transfer angeboten. Diese reichen für einen Besuch der Victoriafälle bei Tag allemal aus und sollten deine erste Wahl sein, wenn du in Victoria Falls keine weiteren Aktivitäten geplant hast.

Allerdings gibt es in Victoria Falls noch viel mehr zu erleben, als die gigantischen Wasserfälle (welche auf jeden Fall einen Besuch lohnen). Vic Falls ist ein Paradies für Outdoor-Liebhaber und Langeweile ist dort ein Fremdwort. Die „Abenteuer-Hauptstadt“ bietet vom Bungee-Jumping über Wild-Wasser-Rafting, Brückenklettern und Kanutouren auch Hubschrauber-Flüge und Bootsfahrten auf dem Sambesi an. Es lohnt sich also etwas länger in Victoria Falls zu bleiben.
 
 

Unser Fazit:

Auch wenn die Grenzübertritte auf eigene Faust zum Teil ein kleines Abenteuer waren, wir würden immer wieder mit dem eigenen Wagen über die Grenzen fahren. So waren wir flexibel und unabhängig, konnten unsere Tage ganz eigenständig planen und mit Leben füllen. Belohnt wurden wir mit intensiven Tiererlebnissen, unendlich weiten Wüsten, grünen verwachsenen Nationalparks, tosenden blauen Wasserfällen, langen rauen Küstenabschnitten, strahlend roten Sonnenuntergängen, bunten einheimischen Dörfern und hatten nebenbei auch noch etwas zu erzählen. 😉


 
Lass dich auf gar keinen Fall von ängstlichen oder negativen Berichten im Netz verunsichern oder gar von einer Selbstfahrerreise auf eigene Faust abhalten. Wage das Abenteuer!
 
 
Warst du schon einmal mit einem Mietwagen grenzübergreifend im südlichen Afrika unterwegs? Was waren deine Erfahrungen? Erzähle uns davon in den Kommentaren!
 
 

geschrieben von
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1 Kommentar

  • Spannender und interessanter Artikel!
    Mit Afrika habe ich leider bisher noch gar keine Erfahrungen, aber Grenzübergänge sind wohl weltweit immer eine Spezies für sich.
    Am Grenzübergang von Melilla nach Nador (Spanien – Marokko) erlebte ich mal das selbe wie ihr. Die Marokkaner haben sehnsüchtig auf Ihr Visa gewartet und standen mit verzweifelten Gesichtern Schlange, wir hingegen durften einfach vorbei und waren in Windeseile durch.
    In der Salar de Uyuni haben sich die Beamten beim Grenzübergang Bolivien – Chile ein kleines Extra-Zubrot verdient. Wer nicht gezahlt hat, bekam zumindest erst einmal keinen Stempel.
    Und bei der Überquerung von Bolivien nach Paraguay musste ich mir mein Stempelchen erst ein paar Stunden nach meiner Einreise holen, weil zu meiner Ankunft das Mini-Büro noch geschlossen war.

    Die Moral davon (genau wie bei Euch): irgendwie kommt man immer über die Grenze, auch wenn es in der Tat auch immer ein Nährboden für Nepper und „Agenten“ ist.

    LG, Chris

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