Taxifahren in Marrakesch – ein teures Nicht-Vergnügen

Taxi in Marrakesch
Taxi in Marrakesch

Dies ist die Geschichte einer abenteuerlichen Taxifahrt, eine Geschichte über Sprachgenies und Helfer, die niemand braucht. Aber lies selbst!
 
An einem sonnigen Samstagmorgen landeten wir am Flughafen Marrakesch in Marokko.
Marrakesch hat nur einen kleinen Flughafen, ganz schnell hatten wir die Einreiseformalitäten erledigt und machten uns auf die Suche nach einem Taxi, das uns zu unserer Unterkunft, einem kleinen Riad mitten in der Medina, bringen sollte.

Der Inhaber hatte uns, freundlicherweise, vorab angeboten, ein Taxi für uns zu organisieren. Dies sollte 15 Euro kosten. Ich habe abgelehnt. Einerseits wollte ich mich zeitlich nicht festlegen, denn was ist, wenn das Flugzeug Verspätung hat? Und wie viel Zeit brauchen wir für die Einreise? Andererseits muss ich auch ehrlich zugeben, dass mir die 15 Euro zu teuer erschienen. In meinem Reiseführer und in einigen Reiseblogs hatte ich etwas von 6 bis 10 Euro gelesen.

Also sind wir direkt zum ausgeschilderten Taxistand und da standen die Autos auch schon in einer langen Reihe. Der Fahrer des ersten Wagens sprang uns prompt entgegen. Meine Frage, was die Fahrt denn kosten würde, ignorierte er. Tat einfach so, als hätte er sie nicht gehört.
Im Vorfeld hatten Johanna und ich uns abgestimmt, nicht ins Taxi zu steigen, bevor uns ein Preis genannt wird. Das Spielchen kennen wir bereits aus anderen Ländern. Also fragte ich ein zweites Mal, wieder auf Englisch. Er hob fragend die Hände und wollte damit wohl ausdrücken, dass er kein Englisch versteht. Während ich noch versuchte ihm eine Antwort zu entlocken, kam noch ein zweiter Mann hinzu und unsere Taschen wurden einfach ins Auto geladen. Als ich protestieren wollte, klappte der Mann den Kofferraum ganz schnell zu und forderte uns auf endlich einzusteigen. Was tun? Es blieb uns ja nichts anderes übrig. Mit einem unguten Gefühl im Bauch stiegen wir ein.

Während der Fahrt fand der Fahrer, „Gott sei Dank“ 🙂 , seine Englisch-Kenntnisse wieder und fing an zu plaudern. Sein Bruder habe einen Teppichladen, dort könnten wir noch schnell vorbeifahren – nur zum Gucken. „Nein, danke!“ Aber wir brauchen ganz sicher einen Guide, sein Cousin kennt sich wunderbar in der Stadt aus. „Nein, danke!“

Die Fahrt dauerte keine 10 Minuten, der Flughafen liegt auch nur ca. 6 Kilometer vom Zentrum entfernt. Am Ziel angekommen, verschlug es mir die Sprache. 35 Euro lautete die Ansage! Ich hatte kurzzeitig Schnappatmung. Verhandeln war sinnlos, plötzlich war dem Fahrer wieder sein gesamter englischer Wortschatz abhandengekommen.
Also zahlen! Da wir aber gerade erst angekommen waren und am Flughafen das erste Geld gezogen hatten, hatte ich nicht einmal entsprechende Scheine, sondern nur 400 Dirham (40 Euro). Wie zu erwarten, hatte unser Fahrer auch kein Wechselgeld. Aber 400 Dirham – that’s ok!

Aber es ging noch weiter!

Wir stiegen aus und der Übergang zum nächsten Helfer war nahtlos. Dieser wollte uns den Weg zu unserem Riad zeigen. Ich zückte meinen Stadtplan und gab ihm zu verstehen, dass ich den Weg alleine finden würde. Wir liefen los, er ließ sich aber nicht abschütteln und lief einfach neben uns her. Er folgte uns bis zum Riad, klopfte dort ganz dreist an die Tür und streckte mir die geöffnete Hand entgegen. Ich war sprachlos! Ich hatte noch immer kein marokkanisches Kleingeld, nur 100 Dirham-Scheine (10 Euro) und das erschien mir dann doch zu viel. Genervt gab ich ihm 50 Cent, das letzte Kleingeld aus Deutschland. Zu wenig, er wurde böse. In diesem Moment öffnete sich die Tür zu unserem Riad, er schimpfte weiter und wollte eintreten. Ich versuchte die Situation zu erklären und endlich bekamen wir Hilfe – zum Glück. Wir wurden eingelassen und „unserem“ Pseudo-Guide wurde einfach die Tür vor der Nase zugeschlagen.
 
 
Du kannst dir sicher vorstellen, wie wir uns in diesem Moment gefühlt haben. Aber schnell war der Ärger vergessen. In unserem Riad wurden wir sehr herzlich mit einer Tasse Minztee empfangen.
 
„Marhaba“ – Herzlich willkommen!
 
 
Die Fahrt zurück zum Flughafen haben wir vom Riad organisieren lassen. Für 15 Euro wurden uns sogar die Taschen zum Taxistand und vom Taxi ins Flughafengebäude getragen. Ein Trinkgeld lehnte der Fahrer mit der Antwort, es sei bereits alles bezahlt, ab. Es geht also auch anders!
 
 
Hast du schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht? Bist du im Ausland schon mal richtig übers Ohr gehauen worden? Oder hast du Tipps, wie man so etwas verhindern kann? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!
 
 
Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade Marrakesch – Reisetipps aus 1001 Nacht teil. Dort findest du noch ganz viele andere Tipps und Informationen zur roten Stadt in Marokko.
 
 

geschrieben von
More from Frauke Lilius

Weihnachtszeit in Brügge – eine Stadt im Lichterglanz

„Markt und Straßen steh‘n verlassen, still erleuchtet jedes Haus.“   Wenn du...
Weiterlesen

10 Kommentare

  • Hallo,
    ich hoffe Ihr hattet eine schöne Zeit in Marrakech und anderen Orten in Marokko.
    Ich nutze nie das Taxi in die Stadt – direkt hinter dem Taxi Stand ist eine Busstation – BUS Nr 19. Die Fahrt kostet 3 EURO. Hin-und zurück 5 EUR 😉

    viele Grüße, Kerstin

    • Hallo Kerstin,
      Marokko hat uns super gefallen, ein ganz wundervolles Land.
      Danke für den Tipp mit dem Bus, da hab ich mich vorher nicht schlau gemacht 🙁 Leider! Ist ja wirklich eine sehr günstige Alternative und zeitlich macht das sicher auch nicht viel aus.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Hallo Frauke,

    ein toller Beitrag zum Thema Taxi fahren in Marrakesch. Da erlebt man ja schon so einiges in den gelben Autos 😉 Ich bin schon auf nächstes Jahr gespannt wenn ich wieder vor Ort bin, was mich dann wieder erwarten wird.

    Durch die Blogparade „Marrakesch – Reisetipps und Geschichten aus 1001 Nacht“ bin ich übrigens auf deinen Artikel aufmerksam geworden..

    Mein Artikel ist hier zu finden:
    https://www.butenas-holzbauten.de/magazin/unsere-naturnahen-reisetipps-marrakesch/

    LG
    Laura

    • Hallo Laura,
      oh ja, in den „gelben Autos“ kann man so einiges erleben und das überall in der Welt 🙂
      Hab deinen Artikel über Marrakesch gelesen und kann nur zustimmen – einmal im Leben sollte man Marrakesch erlebt haben.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Liebe Frauke,
    oje, wie gut, dass ihr dennoch Gefallen an Marrakesch gefunden habt!
    So wie euch ging es vielen Reisenden, die ich unterwegs getroffen habe. Dazu muss ich sagen: Auch wenn ich nie gedacht haette, dass es wirklich so einen extremen Unterschied macht… meine Franzoesisch- (generell) und Spanischkenntnisse (im Norden) haben extrem weitergeholfen, um nicht jedes Mal uebers Ohr gehauen zu werden 😉
    Schoene Gruesse aus Lissabon,
    Caro

    • Liebe Caro,
      Marrakesch war toll und von so „kleinen“ Pannen lassen wir uns nicht abschrecken 🙂 Das würde uns auch kein zweites Mal passieren, war einfach der Unwissenheitsbonus, den wir gezahlt haben.
      Viele Grüße ins, hoffentlich, sonnige Lissabon
      sendet Frauke

  • Hallo
    Habe gerade erschrocken deinen Bericht gelesen. Mit zwei Freunden waren ich gerade 4 Tage in Marrakesch, wir sind täglich mehrfach Taxi gefahren. Vom Fluhafen zum Hotel haben wir statt geforderter 150 Dirham 80 DH verhandelt und dachten zunächst noch, das wäre gut. Den Rest des Urlaubs haben wir vom Hotel zu unserem Anlaufpunkt „Djemaa el fna“ in der Medina für ca. 3,2km immer 30dh gezahlt, das sind etwa 2,80 €. Leider zählt die Frau in der muslimischen Kultur nicht sehr viel und ihr wart sicher klar als Touristen zu erkennen. Man sollte den Reisenden nach Marrakesch klar machen, die Preise IMMER vorher abzuklären und bei den kleinsten Unstimmigkeiten, sofort mit der Polizei zu drohen, dann geben die schnell bei. Ohne Tourismus geht in der Stadt nichts, das wissen die sehr genau….

    • Hallo Henning,
      ein zweites Mal wird uns dies sicher nicht passieren. Aus unseren Fehlern haben wir gelernt. Aber in dem Moment waren wir total überrumpelt, es ging auch alles so schnell.
      Viele Grüße
      Frauke & Jojo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.