Wandern in Israel – Zum Sonnenaufgang ans Tote Meer

Ein Fels in der Wüste: mächtig, drohend, unübersehbar.
450 Meter über dem Toten Meer thront auf einem Tafelberg die Felsenfestung Masada.
 
 

Israels Heldenepos

Jeder Jude kennt die Geschichte um Masada, der Festung, die Herodes im 1. Jahrhundert v. Chr. errichten ließ. Einst kämpften hier rund 950 Juden verzweifelt gegen die römischen Besatzer – erfolglos. Um nicht in die Hände der Römer zu fallen, begingen die Patrioten kollektiven Selbstmord.
Die Festung gilt heute als Symbol für den jüdischen Widerstand und Verteidigungswillen.

Im Jahr 2001 wurde die Bergfestung in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Israels. Aber allein wegen der traumhaften Aussicht lohnt der Besuch.
Besonders am frühen Morgen, wenn die Sonne über dem Toten Meer aufgeht und alles in ein rot goldenes Licht getaucht wird, hat die Festung etwas Magisches.
 
 

Sonnenaufgang über dem Toten Meer

Um den Sonnenaufgang über dem Toten Meer zu erleben, müssen wir sehr früh aufstehen.
Bereits morgens um 3.30 Uhr wartet das Taxi vor unserer Unterkunft, dem Abraham Hostel in Jerusalem.

Wir haben lange überlegt, ob wir uns einer geführten Tour anschließen sollen, uns aber dagegen entschieden. Das Abraham Hostel bietet eine Sunrise Tour zur Festung Masada an. Diese startet um 3.00 Uhr und wird mit einem Besuch im En Gedi Nature Reserve und einem Abstecher ans Tote Meer kombiniert. Hört sich nach einem vollem Programm und einem anstrengenden Tag an.
Ein Besuch im En Gedi Nature Reserve gehört zwar ebenfalls zu unseren Reiseplänen, wir möchten es jedoch etwas ruhiger angehen und unser eigenes Tempo vorgeben. Das En Gedi Natur Reserve soll ein Wanderparadies sein. Deshalb planen wir dafür einen eigenen Tag ein. Auch der Abstecher ans Tote Meer, der zu einem Besuch in Israel ja fast zwingend dazu gehört, soll ein Tagesausflug werden.

Also haben wir unsere Touren selbst organisiert. Ist zwar etwas teurer, dafür haben wir keinen Zeitdruck.
Alle notwendigen Informationen haben wir im Abraham Hostel erhalten, die Jungs haben uns wirklich toll unterstützt und mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Die Felsfestung Masada kann man von Jerusalem ganz leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.
Da der Überlandbus aber erst ab 7 Uhr morgens fährt, müssen wir auf ein Taxi ausweichen.
Masada ist ca. 100 Kilometer von Jerusalem entfernt und die Fahrt kostet 350 Israelische Schekel (ca. 85 €). Dank der Jungs vom Hostel, die das Taxi für uns organisiert, einen Festpreis ausgehandelt und sogar noch zwei Mitfahrer gefunden haben, zahlen wir nur ein Drittel.

Gemeinsam mit Tom und Mason, zwei Backpackern aus den USA, steigen wir also mitten in der Nacht ins Taxi. Nach ca. 1,5 Stunden erreichen den Eingang zur Festung Masada.
Die Felsenfeste muss zu Fuß erklommen werden. Zu dieser frühen Stunde fährt noch keine Seilbahn.
Gemeinsam mit Tom und Mason sowie einigen anderen Wanderern warten wir am Fuße des Berges vor einem Drehkreuz. Pünktlich 5 Uhr öffnet sich das Tor und wir können den legendären „Schlangenpfad“ betreten. Im Dunkel der Nacht kraxeln wir den kurvigen ‚Snake Path‘ hinauf.
Die 400 Höhenmeter haben es in sich. Zunächst geht es auf Geröllwegen immer bergauf, in der Dämmerung ist der Untergrund schwer zu erkennen.
Trotzdem laufen wir zügig, der Sonnenaufgang ist für 6.05 Uhr angekündigt. Wir gehen viel zu schnell. Zu wenig Schlaf, kein Frühstück und die extrem bromhaltige Luft machen mir zu schaffen. Schon auf halbem Weg bekomme ich Schnappatmung und muss eine Pause einlegen. Doch nicht zu lange: Ein Blick auf die Uhr zeigt, wir müssen uns sputen. Ich aktiviere meine letzten Kräfte – weiter geht es. Der Weg wird nicht leichter. Nun folgen viele Treppen, die sich in Schlangenlinien den Berg hinaufwinden. Sie enden auf einem Betonplateau, das zum Betrieb der Seilbahn gehört. Während Jojo die Treppen hinauf flitzt, schnaufe ich wie eine Dampflokomotive. 😀
Nun ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel, eine letzte kurze Treppe führt hinauf auf den Tafelberg.

Oben angekommen setzen wir uns auf die 2.000 Jahre alten Ruinen und genießen den Moment, in dem die Sonne über die Bergspitzen klettert.
Der aufgehende große rote Sonnenball zaubert ein intensives Farbenspiel vor unglaublicher Kulisse und hüllt alles um uns herum in ein warmes Licht. Unbeschreiblich!
Die einmalige Fernsicht ermöglicht dazu einen spektakulären Blick über das Tote Meer hinüber zu den Bergen Jordaniens.

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Neben dem Sonnenaufgang hat das Frühaufstehen auch den Vorteil, vor den täglich hunderten Besuchern auf dem Berg zu sein.

Nun wird nämlich die Festungsanlage erkundet.
Noch herrscht gähnende Leere in Masada und wir können nach Herzenslust in den Ruinen herumstreifen. Dabei genießen wir die Aussichten auf die unwirkliche und lebensfeindliche Landschaft, die uns umgibt: rote Felsen und Steinwüste soweit das Auge reicht.

Die Festungsanlagen bzw. das, was von ihnen übrig ist, liegen zwischen dem Südwest-Ufer des Toten Meeres und der Judäischen Wüste und sind Teil vom National Park Masada.

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Wir wandern in dieser surrealen Landschaft des Berges umher und merken kaum, wie die Zeit vergeht.
Was jedoch auffällt – die weiträumige Festungsanalage füllt sich langsam. Die Seilbahn fährt inzwischen und immer mehr Touristen finden den Weg nach oben.

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Wir haben genug gesehen und machen uns an den Abstieg. Eine gute Entscheidung, inzwischen steht die Sonne nämlich hoch am Himmel und das Thermometer klettert bereits über 30 Grad.

Zurück nach Jerusalem geht es mit dem Bus. Wir haben Glück, der Bus kommt fast pünktlich, so dass wir nicht lange in der prallen Sonne warten müssen.
 
 

Unser Fazit:

Der Sonnenaufgang über dem Toten Meer in Masada ist wunderschön. Dafür würden wir jederzeit wieder das frühe Klingeln des Weckers in Kauf nehmen. Das atemberaubende Naturschauspiel hat uns 1000-fach dafür belohnt!
 
 

Infobox:

Anreise nach Masada planen:
  • Die Felsfestung Masada erreichst du von Jerusalem leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Willst du jedoch zum Sonnenaufgang nach Masada, musst du eine geführte Tour buchen oder mit dem Taxi anreisen. Busse fahren erst ab 7.00 Uhr.
  • Abraham Tours bietet eine „Masada Sunrise“ Tour an. Von anderen Reisenden haben wir gehört, dass die Tour durchaus lohnend ist. Wir haben über diesen Anbieter eine andere Tour gebucht und können ihn ebenfalls empfehlen.

 

So kommst du mit dem Bus von Jerusalem nach Masada:
  • Zwei Buslinien der Firma Egged fahren nach Masada, die 444 und die 486.
  • Der erste 444-Überlandbus fährt um 7 Uhr morgens an der Central Bus Station in Jerusalem und von da an jede halbe bis ganze Stunde. Den genauen Fahrplan findest du auf der Website von Egged.
  • Bustickets bekommst du im Egged-Ticket-Office (in Jerusalem in der Central Bus Station), direkt beim Fahrer oder du buchst vorher online.
  • Achtung: Am Sabbat, also von Freitag bis Samstagnachmittag, und an Feiertagen fahren die Busse nicht!
  • Die einfache Fahrt von Jerusalem nach Masada dauert etwa eineinhalb Stunden und kostet 37,50 ILS (ca. 9,25 €).
  • Aussteigen musst du in Masada Center (nicht Kibbuz).

 

Infos zum Nachwandern:
  • Zur Festung führen 3 Wege: der viel begangene Schlangenpfad, der Westpfad über die antike Römerrampe oder die bequeme Auffahrt mit der Seilbahn.ALT="Masada"
  • Für den Aufstieg zu Fuß über den Schlangenpfad solltest du etwa eine Stunde einplanen.
  • Öffnungszeiten:
    April-September: 8.00-17.00 Uhr
    Oktober-März: 8.00-16.00 Uhr
    Schließung freitags und vor Feiertagen eine Stunde früher!
  • Für Wanderer wird der Park täglich eine Stunde vor Sonnenaufgang geöffnet.
  • Seilbahn:
    Samstag-Donnerstag: 8.00-16.00 Uhr
    Freitag und Feiertage: 8.00-14.00 Uhr
    letzter Einlass eine Stunde vor Schließung
  • Noch mehr Infos und die aktuellen Eintrittspreise findest du hier.

 

Und sonst so?

  • Für den Aufstieg ist festes Schuhwerk zwingend notwendig.
  • Nimm ausreichend Verpflegung und vor allem Wasser mit!
  • Unbedingt gut eincremen oder Kopfbedeckung aufsetzen!

 
 
Wäre diese Tour auch etwas für dich? Würdest du für den Sonnenaufgang über dem Toten Meer so früh aufstehen?
Wo hast du den schönsten Sonnenaufgang erlebt?
 
 
Noch mehr Reiseberichte aus Israel findest du hier.
 
 

geschrieben von
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