Auf den Schuhen der Eskimos – Schneeschuhwandern im Sauerland

Winterzeit ist Wanderzeit!
Aber ein Marsch durch die weiße Pracht unterscheidet sich grundlegend von Touren im Sommer und stellt andere Anforderungen. Bei Schnee und Eis ist das Vorankommen etwas beschwerlicher.

Leichter als „nur auf Schuhen“ kommt man beim Winterwandern auf Schneeschuhen voran. Die Untersätze ermöglichen es dir, auch Wege zu nehmen, auf denen du ohne sie knietief im Schnee versinken würdest.

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Winterwandern auf großen Fuß

Schneeschuhwandern ist jene Fortbewegungsart, die du wahrscheinlich aus den Romanen von Jack London kennst. Die Trapper in Nordamerika wanderten mit großen Tellern an den Füßen in den weißen Weiten der Prärie.
Aber Menschen bewegen sich seit Tausenden von Jahren auf Schneeschuhen fort. Das früheste Zeugnis stammt aus dem Altai Gebirge in Zentralasien. Auf einem Plateau in 4.000 Meter Höhe wurden Höhlenmalereien entdeckt, die auf eine Zeit vor etwa 10.000 Jahren datiert werden und erste Schneeschuhgeher zeigen. Kein Wunder, die lustig anzuschauenden Dinger haben eine Menge Vorteile, auch heute noch.

Aber was ist das Besondere am Wandern mit Schneeschuhen? Wie fühlt sich das an und was gibt es zu beachten? Wir haben uns das mal näher angeschaut…
Wie richtige Schuhe sehen sie nicht aus. Eher wie kleine, breite Ski. Wie gemacht, um herrlich lautlos über den Schnee zu gleiten und dabei die Winterlandschaft zu genießen.

Und warum interessieren sich so viele Menschen dafür?
Entschleunigung heißt das Zauberwort. Denn es geht es nur langsam vorwärts. Schritt für Schritt. Während man so vor sich hin stapft, schweifen die Gedanken umher. Und leise ist es. Ohne Hüttengaudi und alkoholisierte Gruppen, die den Hügel hinunter rasen.

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Spuren hinterlassen: Schneeschuhwandern im Sauerland

Im Januar haben wir dem „König der Sauerländer Berge“, dem Kahlen Asten, unsere Aufwartung gemacht. Nordrhein Westfalens zweithöchster Berg ist im Winter ein El Dorado für Skiläufer. Besonders unsere Nachbarn aus den Niederlanden zieht es an Winter-Wochenenden gern Richtung Sauerland. Die Skipisten sind dann schon einmal in „Oranje“ eingefärbt und die Schlangen an den Liften gefühlt „kilometerlang“. Für uns bisher ein Grund einen großen Bogen um das Sauerland zu machen.
Aber da wir von frischer Luft und weißer Landschaft nicht genug bekommen können, die geliebten Alpen für einen Wochenendausflug zu weit weg sind und das Sauerland nun einmal vor der Haustür liegt, haben wir uns nach Alternativen zum Skifahren umgesehen. Um den Winter zu genießen braucht man ja nicht unbedingt auf Brettern unterwegs zu sein. Warum nicht einmal etwas Neues ausprobieren?
 
 

Das erste Mal Schneeschuhwandern

Laut Internet ist Schneeschuhwandern die wohl einfachste Wintersportart. Jeder kann Schneeschuhwandern! Es bedarf keiner Vorkenntnisse! Schneeschuhwandern ist (fast) so einfach wie Spazierengehen.
Hört sich easy an, trotzdem entscheiden wir uns beim ersten Mal für eine geführte Tour. Ein wenig Theorie und ein paar Hinweise und Tipps können nicht von Nachteil sein.

Die Skischule Neuastenberg in Winterberg bietet nicht nur das entsprechende Schneeschuh-Equipment an, sondern an den Wochenenden auch geführte Schneeschuh-Touren für Einsteiger.
Wir entscheiden uns für die Winterberg Panoramatour, die in ca. 3 Stunden hinauf auf den Kahlen Asten führt.

Treffpunkt ist die Skischule Neuastenberg in Winterberg. Im dazugehörigen Skiverleih überreicht uns der nette Mitarbeiter je zwei paar von den komischen Dingern und Teleskopstöcke. Die Schneeschuhe sind leicht und schmal. Wir passen sie an unsere Schuhe an, schnallen sie fest und dann geht es auch schon ins Gelände. „Draufstellen und losmarschieren!“ Das Einzige, worauf man achten muss ist, ein bisschen breitbeinig zu gehen, damit man nicht über die eigenen Füße fällt. Okay, das kriegen wir hin. Vorsichtig probieren wir die ersten Schritte auf Schneeschuhen. Es ist viel einfacher als erwartet.

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Nach den ersten Metern auf einem flachen Weg (wir waren der Meinung man könne mit den Latschen nur im Tiefschnee laufen), staunen wir nicht schlecht, man kann wirklich richtig gehen damit! Beflügelt vom ersten Erfolg stapfen wir den Weg entlang Richtung Hang. Dort gibt es dann doch noch eine richtige Einweisung.

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Wie geht es sich mit Schneeschuhen?

Es gibt vier bekannte Schrittarten für das Schneeschuhlaufen:
Im ebenen Gelände, sanft bergab oder bergauf unterscheidet sich das Gehen mit Schneeschuhen kaum von dem im Wohnzimmer. Beim Diagonalschritt werden die Schritte gleichmäßig und parallel gesetzt.
Im steilen Gelände läuft man im Entengang und setzt die Füße V-förmig. Im Tiefschnee nutzt man den Storchengang und hebt die Füße immer schön an oder man slidet, was sich am besten mit „schlürfen“ beschreiben lässt. Du hebst deine Füße nur minimal vom Boden ab und gleitest quasi durch den Schnee.
Was sich in der Theorie etwas kompliziert anhören mag, ist in der Praxis jedoch ganz einfach. „Wer gehen kann, kann auch Schneeschuhgehen“. Instinktiv macht man nämlich vieles richtig und ganz automatisch passen wir unsere Schritte dem Gelände an.
 
 

Bezaubernde Bergwelt im Schnee

Jetzt geht es endlich richtig los! Dabei teilt sich unsere Gruppe. Während der eine Teil den „einfachen“ Weg wählt und auf sanften Wegen, ohne große Steigungen, Richtung Gipfel marschiert, mag es der andere Teil der Gruppe etwas anspruchsvoller.
Frag nicht, für welche Gruppe wir uns entschieden haben! 😀 Der hoch motivierte Teenager mag es natürlich sportlich. Also wählen wir den „Aufstieg mit Umwegen“, abseits der normalen Wege.
Zunächst stapfen wir eine lange Strecke bergab und egal wie tief der Schnee ist, wir kommen durch. Ganz schnell gewöhnen wir uns an die großen Platten unter den Füßen.
Das Bergabgehen ist ziemlich einfach. Aber jeden Meter, den wir nach unten stapfen, müssen wir im Anschluss auch wieder nach oben steigen.


 
 

Knarsch, knarsch, knarsch

Nur das Knirschen des Schnees, das Rascheln fallender Baumlawinen, das Klappern der Schuhe – sonst rundum Stille. Vor uns ein weiter Teppich glitzernder Kristalle, um uns die weichen Pölsterchen der verschneiten Hügel, hinter uns die eigenen Spuren im Schnee.

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Es hat etwas Meditatives. Ab und zu bleiben wir stehen und genießen die Aussicht. Wir kommen uns vor wie bei der Erstbesteigung irgend eines Berges. Nichts gegen Wandern, aber Schneeschuhwandern ist definitiv mehr Abenteuer. Der Erste zu sein und seine Spuren im Schnee zu hinterlassen, das hat was.

Natürlich sollte man sich auskennen in dem Gebiet, wo man wandert oder mit einem Guide unterwegs sein. Es gibt für Schneeschuhtouren keine Wegweiser oder Beschilderung. Genau die Tatsache birgt auch einige Risiken.
Aber fern ab von geräumten Wegen erschließen die Schneeschuhe ganz neue Routen zum Wandern durch unberührte Landschaft.

Wir wandern knapp anderthalb Stunden querfeldein und ich komme so langsam an meine Grenzen. Vielleicht hätte ich mich doch Gruppe 1 anschließen sollen. Während Jojo wie eine Gazelle durch den Schnee hüpft, schnaufe ich wie eine Lokomotive. Das Stapfen im Tiefschnee ist extrem anstrengend und inzwischen bin ich die Letzte der Gruppe. Ich nutze die Spuren der anderen, was es ein wenig leichter macht.

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Endlich erreichen wir den Gipfel und in der Ferne sehen wir den Astenturm – unser Ziel. Die letzten Meter fallen mir echt schwer. Ich kann es kaum erwarten, mich etwas auszuruhen.

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Alt="Schneeschuhwandern im Sauerland"Bei schönsten Sonnenschein ist alle Anstrengung vergessen. Wir genießen, von einem der Tische im Außenbereich, die Aussicht über das Rothaargebirge und eine mitgebrachte Brotzeit.
 

Hier oben auf dem Gipfel des Kahlen Astens merkt man auch die Beliebtheit des Berges: Viele Spaziergänger und plattgetretene Wege.

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Gut gestärkt und mit neuer Energie nehmen wir den Rückweg in Angriff. Unterwegs üben wir noch einige Techniken im Abwärtsgehen (inklusive aufrappeln aus dem Tiefschnee 😀) und gut eine Stunde später stehen wir wieder am Startpunkt. Wir (besonders ich) sind ziemlich platt, aber überglücklich.

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Es war eine rundum schöne Tour. Die ca. acht Kilometer lange Strecke war perfekt für den ersten Schneeschuh-Wanderversuch.

Die nächste Anschaffung werden wohl eigene Schneeschuhe sein. Das Schneeschuhwandern konnte uns auf Anhieb überzeugen. Sicher wird es unserem Lieblingswintersport, dem Skifahren, nicht den Rang ablaufen. Aber es ist eine tolle Alternative. Und das Beste: Schneeschuhwandern kann man (fast) überall dort, wo Schnee liegt.

Die Ausrüstung zum Schneeschuhwandern ist unkompliziert. Du brauchst Schneeschuhe und zwei Wanderstöcke mit etwas größeren Tellern. Die meisten Schneeschuhe passen auf herkömmliche Wanderschuhe. Mit der richtigen Ausrüstung, die du auch mieten kannst, hast du den Schnee unter und nicht in den Schuhen. Du brauchst nur warme Kleidung und festes Schuhwerk.
 
 

Unser Fazit:

Wenn du es noch nicht ausprobiert hast, dann versuch es! Nur mit Schneeschuhen hast du die Möglichkeit, unbeschwert durch hohen, unberührten Pulverschnee zu wandern, ohne darin zu versinken.
Es ist einfach etwas Besonderes, abseits der Wege durch den Schnee zu stapfen.

Eine Warnung sei jedoch vorangestellt: Einmal die Schuhe angeschnallt und du kommst nicht mehr los davon! Das Gebot „Geh, wohin der Schnee dich trägt!“ macht nämlich ganz schnell süchtig!
 
 

Für diejenigen, die neugierig geworden sind auf diese Tour:
  • Ort: Skischule Neuastenberg, Postwiese, Winterberg
  • Kurszeit: Samstag und Sonntag ab 13:00 Uhr
  • Preis: € 35,- inkl. Schneeschuh
  • Viele weitere Informationen und Beschreibungen zu den Touren findest du auf Schneeschuh Sauerland.

 
 
Warst du schon einmal auf Schneeschuhen unterwegs? Oder würdest du es gern einmal probieren?
 
 

geschrieben von
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