Praktische Tipps für Marokko – Was ist erlaubt und was solltest du besser lassen?

Andere Länder – andere Sitten!

 
Marokko ist kein einfaches Reiseland!
 
Aber lass dich auf gar keinen Fall  von den ersten Eindrücken stressen. Sobald du die klimatisierte Flughafenhalle verlassen hast, befindest du dich in einer anderen Welt. Kulturschock vorprogrammiert!

Hier gelten andere Regeln und schnell kannst du dich überfordert und fremd fühlen. Da sind zum einen die Hitze, der Staub, die vielen neuen Geräusche und Gerüche und zum anderen die Menschen – Taxifahrer, die dich schon bei der Ankunft bestürmen, falsche Fremdenführer, Kinderhorden, die dir hinterherlaufen, die Händler, die unbedingt ihre Waren verkaufen wollen und und und …
 
Aber Marokko ist viel mehr als diese erste Kulisse. Wenn du bereit bist, das Land wirklich kennenzulernen und dich auf die Menschen einzulassen, wirst du eine unvergessliche Reise erleben. Befrei dich von Klischees und Vorurteilen und sei offen für Neues.

Auf dem Place Djeema el Fna in Marrakesch-1 Auf dem Place Djeema el Fna in Marrakesch
 
 
Um dir den Einstieg ein wenig zu erleichtern, möchte ich dir hier einige Tipps zum Verhalten in Marokko geben:

Was ist erlaubt und was solltest du besser lassen? – Meine persönlichen Erfahrungen:
 

Reisen allein mit Kind

Es ist kein Problem allein als Frau mit einem Kind nach Marokko zu reisen. Die Marokkaner sind sehr kinderlieb, Kinder sind überall willkommen und werden freudig begrüßt und umsorgt.

Gleichzeitig genießt du als Mutter eine ganz besondere Stellung in der islamischen Welt, dir wird viel Respekt und Achtung entgegen gebracht. Über Anmache und dumme Sprüche musst du dir keine Gedanken machen.

Hab nur für alle Fälle immer einen Ehemann parat, denn für das Reisen ohne männliche Begleitung fehlt das Verständnis. Ich habe immer eine kleine „Geschichte“ im Kopf, warum mein Ehemann uns nicht begleiten kann. Meist ist er beruflich verhindert 🙂

 
ABER:
Von einem Besuch der großen Städte, wie zum Beispiel Marrakesch oder Fes, mit einem Kleinkind würde ich dir abraten. Das könnte  eine echte Herausforderung werden.
Einen Buggy brauchst du dorthin gar nicht erst mitzunehmen, damit ist in den überfüllten Gassen mit Kopfsteinpflaster und hohen Bordsteinen eh kein Durchkommen.
Für kleine Kinder muss es auch beängstigend sein, sich durch das dichte Menschengewirr zu bewegen. Selbst wir mussten immer wieder schnell zur Seite springen, um den rasenden Mopeds oder Eselskarren auszuweichen.
Für größere Kinder wird es jedoch ein riesiges Abenteuer sein.

In den Straßen von Marrakesch Eselgespanne haben immer Vorfahrt!

Strassenleben Marokko Getümmel in den Straßen von Marrakesch
 

Begrüßung

Die Begrüßung ist in muslimischen Ländern fast schon ein Ritual.

Wer wen wie begrüßt, hängt jedoch stark davon ab, in welcher Beziehung die Menschen zueinander stehen.

In der Öffentlichkeit grüßen sich Frauen und Männer sehr zurückhaltend und meiden möglichst jede Berührung. Fremde werden jedoch mit Händedruck begrüßt und es wird kein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht. Als ausländischer Frau wird dir, wie einem Mann, die Hand zur Begrüßung gereicht.

Achte einmal darauf: Nach dem Händedruck führen viele Araber ihre rechte Hand zum Herzen. Dies ist ein Zeichen von Herzlichkeit. Diese Geste kannst du gern erwidern.
 

Trinkgeld

In Cafés und Restaurants sind Trinkgelder üblicherweise nicht in der Rechnung enthalten. Sie machen jedoch einen wesentlichen Bestandteil des Gehaltes aus. Bei gutem Service, der nicht selbstverständlich ist, sollst du ein angemessenes Trinkgeld geben.

Halte auch immer etwas Kleingeld griffbereit. Für fast jede Dienstleistung, und sei es nur eine einfache Auskunft, wird (in den Touristenzentren) ein Trinkgeld erwartet.
Auch für ein Foto vom Wasserträger oder den Schlangenbeschwörern musst du zahlen. Versuch gar nicht erst, das zu ignorieren! Wir haben mehrfach gesehen, wie böse die Menschen darauf reagieren und darauf bestehen, die Bilder zu löschen.
Das klingt vielleicht nach Abzocke, aber bedenke: Viele leben davon.

Schlangenbeschwörer am Place Djeema el Fna in Marrakesch Schlangenbeschwörer am Place Djeema el Fna in Marrakesch
 

Handeln und NEIN sagen lernen

Ansonsten kann ich dir nur raten jede Leistung im Vorfeld zu verhandeln. Das mag seltsam klingen, aber wir haben am ersten Tag Lehrgeld zahlen müssen. Wie es uns bei unserer ersten Taxifahrt in Marokko ergangen ist, erfährst du hier.

Außer für Lebensmittel muss in Marokko für fast alles gehandelt werden.
Das Feilschen (Handeln) hat eine lange Tradition und gehört zum Leben und der Kultur einfach dazu.
Fang mit dem Handeln aber erst an, wenn du wirklich Interesse hast. Wenn du nicht interessiert bist, sag „Nein, danke!“. Meist wird dies zwar vom Händler nicht sofort akzeptiert, aber ein bestimmtes und selbstbewusstes Auftreten hilft dir dann weiter.
 

Handeln – aber wie?

Gerade in den Souks* wirst du kaum ausgezeichnete Ware finden.
Interessierst du dich für etwas, musst du den ersten Schritt machen und nach dem Preis fragen. Meist wird dir aber schon beim Anschauen ein Preis genannt. Stoppen und Schauen heißt für den Händler, du hast Interesse.

Auf gar keinen Fall solltest du den ersten Preis akzeptieren.
Diese Summe ist nur der Ansatzpunkt für das Verhandlungsgespräch, kein Endpreis. Es sei denn, du möchtest den Touri-Preis zahlen. Der Händler wird sich überschwänglich bei dir bedanken und sich über die große Gewinnspanne freuen.
 
Also trau dich und fang an zu handeln! Tritt selbstbewusst auf, zeig ein wenig Fingerspitzengefühl, viel Humor und vor allem: rede ganz viel, dabei ist es egal ob man dich versteht. Beobachte einmal Araber beim Feilschen, da wird ohne Ende palavert.

Am besten ist es, wenn du gleich zu Beginn einen niedrigen Preis nennst. Etwa ein Viertel des vom Verkäufer genannten Preises ist dabei ein guter Richtwert. Dann habt ihr beide genügend Spielraum euch in der Mitte zu treffen.
Keine Sorge, auch wenn der Verkäufer um seine Existenz und die der Familie jammert – das gehört zum Spiel dazu. Manchmal lohnt es auch, sich abzuwenden und weiterzugehen. Der Händler wird dir einen neuen Preis nachrufen und vielleicht sogar nachlaufen. Dann solltest du aber auch kaufen.

Wir haben in den Souks* von Marrakesch und Fes mit Handeln bis zu einem Drittel des erstgenannten Preises erreicht. Und mit jeder Verhandlung wirst du sicherer. Du wirst sehen, es macht Spaß und dich auch ein wenig stolz.

*Souks: Markt oder Marktgassen einer Stadt

Beim Teppichhändler Teppichhändler in Fes

2015-04-05 10.49.51 Preisschilder suchst du hier vergeblich
 

Vorsicht vor faux guides

In den Städten wurde uns immer wieder eine „kostenlose“ Führung angeboten. Vorsicht!

Diese faux guides (falsche Führer) bitten jedoch am Ende meist um ein Honorar. Wenn du also die Einladung für eine “kostenlose Stadtführung” annimmst, sei dir bewusst, dass du am Schluss um Geld gebeten wirst.

Und auch hier gilt: Handle das Honorar vor Beginn der Tour aus, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Oder besser, engagiere einen offiziellen Führer. Beim ersten Besuch einer Medina* ist ein Führer sehr hilfreich. In deiner Unterkunft hilft man dir sicher weiter.

Wir haben uns in Fes für einen Guide entschieden und können dies nur empfehlen. Der Guide wurde uns über unser Riad vermittelt, er konnte sogar Deutsch. Für 6 Stunden haben wir 400 DH (40 Euro bezahlt), der Preis wurde vorab vereinbart.

*Medina: orientalische Altstadt
 

Bettelnde Kinder

Im ganzen Land wirst du immer wieder auf Bettler treffen. Dabei gibt es wirklich Bedürftige und „Touristenbettler“.

Wir wurden ganz oft von bettelnden Kindern umlagert. Auch wenn es dir schwer fällt und die Kleinen oft so süß sind, solltest du Bettelkindern nichts geben! Viele werden von ihren Eltern dazu angehalten. Wenn Kinder durch bloßes Handaufhalten ein Vielfaches von dem verdienen, was Erwachsene an einem harten Arbeitstag bekommen, ist der Konflikt vorprogrammiert. Anstatt zur Schule werden die Kinder zum Schnorren geschickt.

Deshalb: kein Geld oder Geschenke ohne Grund austeilen. Für kleine Dienstleistungen (Auto bewachen, Scheiben putzen, Weg zeigen) kann du gern einen angemessenen Obolus geben.

Kinder in Marokko Immer wieder laufen Kindergruppen hinter dir her!
 

Einladungen

Einer Einladung auf einen Thé à la Menthe, den süßen grünen Tee mit frischen Minzblättern, kannst du in Marokko kaum entkommen.

Du solltest jedoch ein wenig Gespür dafür haben, ob echte Gastfreundschaft oder nur Geschäftssinn hinter einer Einladung steckt.
In den touristischen Hochburgen kann ein gesundes Misstrauen nicht schaden. Solltest du trotzdem in ein Verkaufsgespräch verwickelt werden, gilt hier auch wieder: ein selbstbewusstes NEIN hilft.
Außerhalb der Touristenzentren kannst du das Angebot gerne annehmen. Hier wirst du meist herzlich und ohne kommerzielle Hintergedanken empfangen.
Wir wurden zweimal spontan von einer Berberfamilie zum Tee eingeladen und sehr gastfreundlich aufgenommen.

Wichtig ist hier zu wissen: die Schuhe vor dem Eingang ausziehen und niemals dem Gegenüber die Fußsohlen entgegen strecken. Gegessen wird nur mit der rechten Hand, die linke gilt als unrein.

Minztee Eine Einladung zum Minztee solltest du unbedingt annehmen!
 

Der Gang zum „Stillen Örtchen“

In Marokko findest du, wie in den meisten orientalischen Ländern, ebenerdige Hocktoiletten. Abgesehen von der ungewohnten Haltung, ist dies hygienisch schon vorteilhaft, denn du kommst nicht in direkten Kontakt mit dem „Thron“.

Meist findest du hier kein Toilettenpapier, da die Einheimischen zur Reinigung ihre linke Hand und viel Wasser nehmen.

Zur Sicherheit solltest du immer einen Vorrat an Papiertüchern dabei haben.

Auch wenn viele Toiletten keine Wasserspülung haben, hier steht dann ein Plastikbehältnis zum Spülen bereit, Händewaschen ist kein Problem. Da sich Muslime vor und nach jeder Mahlzeit die Hände waschen, findest du Waschbecken nicht nur auf jeder Toilette sondern auch gut zugänglich in fast allen Restaurants.
 
 
Welche Erfahrungen hast du in islamischen Ländern gemacht? Oder hast du noch weitere Tipps für Marokko? Dann ab damit in die Kommentare!
 
 

geschrieben von
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5 Kommentare

  • Hola ihr beiden,

    ich habe mit Begeisterung von eurer Reise in Marokko gelesen. Ich bin zufällig auf eure Website gestoßen, da ich mich auf 2 Wochen Marokko im August vorbereiten möchte. Der Bericht hat mir Marokko nochmal ein Stück schmackhafter gemacht und ich bin sehr gespannt auf die arabische Welt dort.

    Liebe Grüße
    Nadine

    • Hallo Nadine,
      Marokko ist ein wundervolles Land und wird dir ganz sicher gefallen.
      Wenn du noch Fragen hast, melde dich gern.
      Wir wünschen dir eine tolle Zeit in Marokko!
      Liebe Grüße
      Frauke und Jojo

  • Danke für die Tipps, gute Vorbereitung ist alles!

    Für uns geht´s wahrscheinlich im nächsten Jahr nach Marokko, auch eure Tipps für einen Roadtrip haben uns weitergeholfen und auf jeden Fall die Angst genommen!

    Noch viel Spaß beim bloggen und weiter so!

    • Ich freu mich, wenn euch die Tipps ein wenig helfen konnten. Marokko ist ein tolles Land und es wird euch bestimmt gefallen.
      Wenn ihr noch Fragen habt, meldet euch gern.

      Viele Grüße
      Frauke

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