Am Okavango: Kitschige Sonnenuntergänge, Flusspferde vor der Tür und ein Paradies

Willst du wissen, wo das Paradies liegt?

Wir haben es gefunden!

Das Okavango-Delta im Zentrum des südlichen Afrika – eines der letzten Tierparadiese der Erde!
 
Aber der Reihe nach …
Der Weg dorthin war lang, spannend, aufregend und abenteuerlich.
Das Okavango Delta war das letzte Ziel auf unserer 4-wöchigen Reise durch das südliche Afrika.

Bevor es jedoch hinein ins Delta ging, sind wir dem Okavango schon viele Kilometer gefolgt.

Der Okavango ist ein zirka 1.700 Kilometer langer Fluss im südlichen Afrika.
Er entspringt im Hochland von Angola und fließt in Richtung Süden. Auf einer Länge von 400 Kilometern markiert der träge dahinziehende Strom dann die Grenze zwischen Namibia und Angola, dabei durchquert er den langgestreckten, schmalen Caprivi Zipfel. Von dort fließt er jedoch nicht zum Ozean, sondern in das abflusslose, wüstenhafte Landesinnere von Botswana.

Doch bevor er in der roten Kalahari versickert, macht er eine beispiellose Karriere als das größte und tierreichste Feuchtgebiet Afrikas – das Okavango-Delta.

Mit einer einmaligen Naturkulisse aus Trocken- und Feuchtgebieten, Papyrus gesäumten Wasserstraßen und kleinen Seen aus Wasserlilien ist es ein wahres Naturparadies und zugleich der Lebensraum für unzählige Tiere.
 
Caprivistrip
 
 

Am Caprivi Zipfel, der „feuchten Nase“ Namibias

Die erste Begegnung mit dem Okavango hatten wir in Rundu, dem Tor zum Caprivi Streifen.

Welche Überraschung! Nach 3 Wochen Fahrt durch staubige, trockene Landschaften ein für Namibia ungewohnter Anblick: fruchtbares, grünes Land. Selbst die Luft verändert sich, nicht mehr trocken und warm, sondern tropisch und schwül.

Hier, ganz oben im Norden, in diesem Wurmfortsatz, den man Caprivi Zipfel nennt (oder offiziell neuerdings Zambesi), ist es immer grün.
Hier gibt es Wasser. Wasser!
 

Am Okavango-1
Das erste „Grün“ nach 3 Wochen Staub – am Caprivi Zipfel in Namibia!

Okavango-Delta
Blick auf den Okavango

 
Ein Bad im Fluss wäre jetzt genau richtig!

Aber besser nicht: Der Okavango ist die Heimat von Krokodilen und Flusspferden!
 

Flußpferd-1_Okavango-Delta
Flußpferde im Okavango

Flußpferd-7_Okavango-Delta
Baden verboten!

 
Die Krokodile sind hier so aggressiv, dass sich Mensch und Tier kaum ans Ufer trauen. Bis zu 6 Meter lang werden die urzeitlichen Reptilien, die bewegungslos im Gras liegen, um dann blitzschnell zuzupacken.

Krokodil-3_Okavango
Krokodil am Okavango

Krokodil_Okavango
Ein Bad im Fluß ist hier nicht zu empfehlen!

 
Nach all den trockenen Rivieren Namibias ist der Okavango-Fluss ein Erlebnis für sich!

Besonders am Abend mit rotglühender Sonnenscheibe. Kein Kitsch – obwohl es so wirkt…
 

Sonnenuntergang-4_Okavango
Sonnenuntergang am Okavango

Sonnenuntergang-1_Okavango
Jeden Abend ein Postkartenmotiv!

 
 

Wo sich die Flusspferde Gute Nacht sagen

Am westlichen Ufer des Okavango findet man ein kleines „Juwel“ – die Ndhovu Safari Lodge. Eine wunderschöne Unterkunft, in außergewöhnlicher Lage, mit wenigen Zelten im afrikanischen Safaristil.

Abenteuerlustige können im „Rivertent“, dem schwimmenden Zelt direkt auf dem Fluss übernachten.
Ratet mal, wo wir übernachtet haben!
 

Schwimmendes Zelt-2_Okavango
Das schwimmende Zelt der Ndhovu Lodge

 
Ein Wahnsinns-Erlebnis! Hier am Fluss kommst du der Natur ganz nah.

Wir beziehen unser Zelt und erfahren so ganz nebenbei,  wer unsere Nachbarn sind. Ganz in der Nähe wohnt eine große Flußpferdfamilie. Sehr gern tauchen sie neben dem Zelt auf und gehen dort an Land. Die Spuren am Ufer zeigen es. Aber im Zelt sind wir sicher!

Oh – sehr beruhigend, diese Aussage!!! Johanna wird blass um die Nase. Noch haben wir die Möglichkeit in ein festes Zelt um Ufer umzuziehen. Aber: wir bleiben!
 

Zelt auf dem Okavango
Wir beziehen unser Zelt.

 
Während die rote Abendsonne alles in orangegoldenes Licht taucht, verschwimmen langsam die Konturen der Umgebung.
 
Sonnenuntergang_Okavango
Wir genießen den traumhaften Sonnenuntergang!

 
Dann wird es dunkel, ganz schnell, nur Sterne beleuchten den Fluss. Es wird auch kühler, deutlich kühler. Und schon ziehen die ersten Nebelschwaden auf. Die Feuchtigkeit dringt ins Zelt, wir kuscheln uns ganz tief in die Betten. Noch ist es still, ganz still. Nur das sanfte Plätschern des Flusses ist zu hören.

Du meinst du wärst allein? Weit gefehlt!
Denn plötzlich durchbricht ein Trompeten die Stille und gleich noch einmal. Wir versuchen im Dunkeln etwas zu erkennen. Keine Chance! Aber die Geräusche verraten uns, am anderen Flussufer zieht eine Herde Elefanten vorbei.

Dann wieder Ruhe, wir schlafen ein.

Gegen Mitternacht werden wir geweckt, in der Nachbarschaft beginnt eine „Pool-Party“.
Nur wenige Meter von unserem Zelt entfernt wird der Fluss ein wenig breiter und tiefer. Hier ist der Treffpunkt der Flusspferde, der Hippo-Pool. Flusspferde sind sehr gesellig und halten sich gern in einem sogenannten „Pool“ auf. Hier haben alle Familienmitglieder und auch der dicke Leitbulle ausreichend Platz.

Wusstest du, dass Flusspferde, nach der Malaria-Mücke, die gefährlichsten Tiere Afrikas sind?
Man mag es kaum vermuten, doch das Flusspferd sorgt jährlich für mehr Todesopfer, als andere „gefährliche“ Tiere.  Dies liegt vor allem an dem unberechenbaren Verhalten. Wenn sich Flußpferde bedroht fühlen, attackieren sie sogar Boote und Menschen.

Die ganze Nacht hören wir sie schnaufen und prusten.

Ein komisches Gefühl – unheimlich, ein wenig beängstigend, aber auch wahnsinnig aufregend.

Am Morgen fragen wir uns, ob wir das Ganze vielleicht nur geträumt haben.
Ein Traum? NEIN! Ein Blick aus unserem Zeltfenster zeigt, die ganze große Hippo-Familie tummelt sich noch immer im Pool.
 

Flußpferd-3_Okavango-Delta
Familie „Hippo“im Pool

 
Diese Nacht war eines der ganz besonderen Highlights unserer Reise.
 
 

Mit dem Mokoro ins Okavango Delta

Auf Tuchfühlung mit dem Okavango Delta gehen?
Natürlich wollten wir uns auch dieses Abenteuer nicht entgehen lassen und haben uns für eine Tour mit dem Mokoro entschieden.

Mokoros sind die traditionellen ca. 4 Meter langen Einbaum-Boote, die die Bewohner im Okavango-Delta nutzen, um sich über die Wasserflächen fortzubewegen. Früher wurden die Boote aus dem Stamm des Leberwurst-Baumes (ja, er heißt wirklich so: wegen der Form der Früchte, die an große Leberwürste erinnern) gefertigt. Heute werden die Boote zum Schutz der Bäume meist aus Kunststoff gefertigt.
 

Mokoro_Okavango Delta
Anlegestelle der Mokoros

Im Okavango Delta-4
Ein Mokoro ist auch heute noch das Fortbewegungsmittel im Delta.

 
In einem Mokoro ist Platz für 2 Personen. Wer vorn sitzt, hat den besseren Blick, muss aber auch all die kleinen Tierchen, wie Spinnen oder Insekten, die im Schilf sitzen, abfangen. Somit war es schnell klar, wer in unserem Boot vorn sitzt.
 
Spinne-1_okavango delta
Wer vorn im Boot sitzt, sollte keine Angst vor Spinnen haben!

Im Okavango Delta-8
Hinten sitzen ist besser!

Frosch_Okavango Delta
Mit dem Boot kommst du der Natur ganz nah!

 
„Kapitän“ auf unserem Boot ist Steve, der Poler, der hinter uns steht und das Boot mit einem langen Stab aus Holz, dem Ngashi, durch Staken durch die schmalen Wasserläufe manövriert. Viel wichtiger noch: er sorgt dafür, dass wir nicht in den Okavango plumpsen. Denn so ein Einbaum ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit und im Fluss wimmelt es nur so von Krokodilen und Flusspferden. Wir vertrauen Steve, lehnen uns zurück und genießen es, lautlos durch das Wasser zu gleiten.

Die Perspektive ist ungewöhnlich, immer in Augenhöhe mit den Spitzen der Gräser, die aus dem Wasser ragen. Wir schippern durch ein Labyrinth aus Wasserwegen.
 

Im Okavango Delta-6
Ungewöhnliche Perspektive – immer auf Augenhöhe mit den Papyrusgräsern!

 
Diese Farben! Das kräftige Grün der Papyrusfelder, das Blau des Wassers, dazwischen wunderschöne weiße Wasserlilien, die wie kleine Diamanten funkeln.
 
Im Okavango Delta-3
Grün und Blau!

Seerose_Okavango Delta
Ein kleiner Diamant!

 
Immer wieder hören wir die Flusspferde in der Nähe grunzen, machen jedoch mit dem kleinen Boot einen großen Bogen um sie. So groß, dass sie uns nicht angegriffen haben, jedoch immer noch nah genug, dass der Leitbulle uns mit seinem offenem Maul drohte.
Und die Hauer sind schon sehr beachtlich!
 
Flußpferd-5_Okavango-Delta
Diesen Zähnen möchte man nicht zu nahe kommen!

Flußpferd-2_Okavango-Delta
Auge in Auge mit dem Flußpferd!

 
Zeit hat hier keine Bedeutung. Irgendwann lichtet sich das Schilf und vor uns liegt eine kleine Insel, die wir ansteuern.

Wir legen an und nun geht es zu Fuß weiter. Bei einer Safari zu Fuß ist vieles anders als bei einer „normalen“ Safari, die ja meist mit einem Auto stattfindet.

Es gibt keinen Schutz!

Ein Auto stellt für die meisten Tiere in den afrikanischen Nationalparks keine Gefahr dar, sie sind an Autos gewöhnt. Autos kann man auch nicht essen.
Anders ist dies bei Menschen, die zu Fuß unterwegs sind. Auch wenn wir nicht in das klassische Beuteschema passen, wissen die Tiere jedoch, dass von Menschen meist Gefahr ausgeht und reagieren entsprechend.
 

Im Okavango Delta-7
Unterwegs im Delta!

 
Auf unserer Tour sehen wir Gnus und Zebras, denen wir ziemlich nah kommen können. Es gibt hier aber auch Elefanten, Büffel und Leoparden, wie die Spuren im Sand zeigen. Im Okavango Delta finden sich eigentlich alle Tiere des südlichen Afrikas, das Binnendelta ist eines der tierreichsten Gebiete in Afrika.

Auch der Rückweg führt durch die kleinen Wasserarme und Kanäle. Noch einmal können wir die Ruhe und die unglaublichen Farben genießen.
 

Im Okavango Delta-1
Im Okavango Delta!

 
 
Ein für immer unvergessliches Erlebnis!

Und ein wunderbarer Abschluss einer traumhaften Reise!
 
 

Einen Mokoro-Ausflug buchen – unsere Tipps:

Der beste Zugangsort für das Delta ist Maun in Botswana.
Maun ist auch der günstigste Ort, um sich einer mobilen Safari ins Delta anzuschließen.
Wer ohne vorherige Reservierung anreist, verschwendet jedoch Zeit. Am besten bei einem der vielen Anbieter eine Tour vorbuchen.
Ein sehr angenehmer Aspekt bei der Buchung einer Mokoro-Tour ist, die Preise sind durch die Okavango Community Trust festgelegt und alle Safari-Anbieter müssen sich daran halten.

Die beste Reisezeit für einen Besuch im Delta ist von Juli bis September, wenn der Wasserstand hoch ist und keine Niederschläge fallen.

Beachte jedoch, zu dieser Zeit ist im südlichen Afrika Winter und nachts kann es sehr kalt werden. Unbedingt warme Kleidung für die Nacht einpacken.

Für die Wanderungen ist gutes Schuhwerk wichtig!

Ausreichend Wasser mitnehmen!

Sonnen- und Insektenschutz nicht vergessen!
 
 
Warst du schon einmal im Okavango Delta unterwegs? Was war dein ganz besonderes Erlebnis? Oder steht das Okavango Delta vielleicht auf deiner Bucket List? Ich freue mich über deinen Kommentar!
 
 
Diesen Beitrag haben wir im Zusammenhang mit der Aktion „Stadt, Land, Fluss“ geschrieben, zu der Sabine von ferngeweht aufgerufen hat. 26 Buchstaben verteilt auf 26 Blogger – jeder durfte sich einen Buchstaben auswählen. Wir haben uns für das „O“ – wie Okavango entschieden.
 
 

geschrieben von
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