Mit dem Mietwagen durch Marokko – alles was du dazu wissen musst

Mit dem Mietwagen durch Marokko? Auf jeden Fall!

Ist das nicht viel zu gefährlich allein mit einem Teenager? Nein! Marokko ist wie gemacht für einen Road Trip. Nur mit dem Auto genießt du hier maximale Flexibilität und das Gefühl der Freiheit.

Wir waren 10 Tage in Marokko unterwegs, davon 8 Tage mit dem Auto als Selbstfahrer. Dabei haben wir ca. 1.900 Kilometer zurückgelegt und es hat sehr viel Spaß gemacht Marokko auf eigene Faust zu entdecken.

Wenn du dir das Fahren nicht zutraust, aber trotzdem flexibel sein möchtest, kannst du dir auch ein Fahrzeug mit Fahrer mieten.

Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln kannst du Marokko erkunden. Dies lohnt sich wohl bei größeren Entfernungen. Die Hauptverbindungsstraßen sollen gut ausgebaut sein und in jeder größeren Ortschaft gibt es einen Busbahnhof. Viele sehenswerte Orte liegen aber abseits und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen.

Wir selbst haben es nicht ausprobiert, da dies für mich keine Optionen ist. Zum einen fahre ich gerne Auto und zum anderen möchte ich meine eigenes Reisetempo vorgeben, fahren wohin ich will, halten so oft und so lange ich will.

Worauf du bei einem Roadtrip als Selbstfahrer achten solltest, erfährst du hier:
 

Mietwagen buchen

In vielen Städten Marokkos gibt es lokale und internationale Autovermieter und das Ausleihen funktioniert ähnlich wie in Europa.

Am besten buchst du deinen Mietwagen schon vor Reiseantritt aus Deutschland.
Es gibt zwar viele marokkanische Autoverleiher, bei denen man mit Zeit, Französischkenntnissen und gutem Verhandlungsgeschick vor Ort etwas günstigere Preise erzielen kann. Ich spreche kein französisch und traue mir dies auch nicht zu, habe da so meine Bedenken zu den Leistungen und dem Zustand der Mietwagen und wähle lieber die sichere Variante.

Ich buche meine Mietwagen immer vor. Die beste deutsche Plattform ist aus meiner Sicht Billiger-Mietwagen.de.
Dort findest du weltweit preiswerte Angebote und kannst die Leistungen sehr gut vergleichen.
Besonders beim Versicherungsschutz solltest du nicht sparen. Ich empfehle dir Vollkasko ohne Selbstbeteiligung zu wählen. Ist die Selbstbeteiligung ausgeschlossen, musst du für Schäden nicht selbst aufkommen. Es kann ja immer mal passieren, dass der Mietwagen einen Steinschlag, einen Kratzer oder eine Beule abbekommt.

Unser Mietwagen war ein Renault Clio Classic, Diesel, 4-Türer mit Klimaanlage, der Vermieter war Budget. Für 8 Tage habe ich 224,00 Euro bezahlt, das sind 28 Euro/Tag.

Roadtrip Marokko

Beim Entgegennehmen des Mietwagens musst du eine Kaution hinterlegen, welches nur mit Kreditkarte möglich ist.
Meine Empfehlung: die Kreditkarte der DKB-Bank, mit welcher du sogar weltweit kostenfrei Geld abheben kannst.

Möchtest du ein ein Auto in Marokko leihen, musst du mindestens 21 Jahre alt sein — bei den meisten internationalen Verleihern sogar 25 Jahre — und über eine Fahrerlaubnis verfügen, die seit mindestens einem Jahr gültig ist.

Internationaler Führerschein

Außerhalb der EU ist es immer sinnvoll, sicherheitshalber den Internationalen Führerschein dabei zu haben. Dieser kann für 16,60 Euro bei der Führerscheinstelle des Straßenverkehrsamts beantragt werden. Er ist drei Jahre gültig, so dass du auch auf deinen nächsten Reisen noch etwas davon hast.
Autovermieter verlangen ihn in der Regel nicht, durch eine Polizeikontrolle kommt man auch noch ohne dieses Dokument, doch sollte es zu einem Unfall kommen, wird es problematisch.
 
Internationaler Führerschein_1 Außerhalb der EU solltest du immer einen internationalen Führerschein dabei haben!
 

Navigation

Durch Marokko bin ich mit der GPS Navigation App von Scout navigiert. Für einmalig 10,99 Euro kann man sich damit alle Karten der Welt herunterladen. Du kannst dir natürlich auch ein Auto mit Navigationsgerät mieten. Aber mein Smartphone habe ich eh immer dabei und so spare ich mir die zusätzlichen Mietkosten für das Navi.

Willst du die Smartphone-Navigation nutzen, vergiß die Halterung und das Ladekabel für’s Auto nicht.

Zur Sicherheit habe ich jedoch immer noch eine Reisekarte dabei.

Navigation Marokko Zur Sicherheit habe ich immer eine aktuelle Karte dabei.
 

Straßen und Beschilderung

Die meisten Straßen sind in einem guten Zustand, vor allem die Nationalstraßen – und erst recht die mautpflichtigen darunter.
Die Straßen sind deutlich ausgeschildert, sowohl mit arabischer als auch mit lateinischer Schrift und auch die Kilometerzahl ist immer dabei.

Straßenstein Marokko Straßenbeschilderung in Marokko
 
Die Qualität der Landstraßen hingegen ist wechselhaft. Viele sind wirklich gut, andere sind eine Katastrophe. Hier solltest du immer gut aufpassen, häufig sind sie von Schlaglöchern durchsetzt.

Ab und an wirst du auch auf Schotterwegen fahren müssen, abgelegene Ziele sind nicht anders zu erreichen. Dort kommst du dann nur mit 20 km/h voran.
Einige Straßen sind nur mit einem Allrad-Fahrzeug zu befahren. Diese sind gekennzeichnet. Mit einem normalen PKW brauchst du gar nicht erst versuchen, diese zu befahren. Wir haben es (trotzdem) versucht, mussten aber ganz schnell aufgeben und umkehren.

Einige Nebenstraßen und Pisten sind nicht breit genug für zwei Fahrzeuge. Hier kommt es darauf an, wer die besseren Nerven oder dass geeignetere Fahrzeug hat. Einer muss auf den unbefestigten ausgefransten Seitenstreifen ausweichen. Ich habe sehr gute Nerven und auch nur einen ganz normalen PKW – also sollen bitte die vielen Allrad-Fahrzeuge ausweichen! Hat aber nicht immer geklappt. 😀

Straßen Marokko Auch so können die Straßen in Marokko aussehen.
 

Entfernung ist nicht gleich Reisedauer!

Du kannst dir sicher vorstellen, dass es sehr schwierig ist die Reisezeit einzuschätzen. Da habe ich in meiner Planung sehr daneben gelegen. Viele der Straßen führen durch bergiges und kurvenreiches Gelände, sind einspurig, überholen ist schwierig und du kommst nur langsam vorwärts. Du solltest mit max. 60 km/h rechnen (eher weniger).

Im Hohen Atlas Im Hohen Atlas

Im Hohen Atlas Serpentienenstrecke durch die Dades Schlucht

Straßen im Hohen Atlas_1 Durch den Hohen Atlas
 

Verkehrsregeln und Polizei

Die Verkehrsregeln sind im Prinzip ähnlich wie in Deutschland und solange du dich an die Regeln hältst, solltest du keine Probleme haben.
Immer wieder wirst du Polizisten auf der Straße sehen. Vor allem auf den Zugangsstraßen zu den großen Städten.
Wenn du an einen Polizei-Kontrollpunkt kommst, fahr langsam heran und beachte die Handzeichen. Wir sind immer durchgewunken worden. Sollte man dich aber auffordern zu halten, solltest du dies auf jeden Fall tun.

Halte dich unbedingt an die Verkehrsregeln!
Eventuelle Verstöße, wie das Nicht-Angurten oder zu schnell fahren, werden sofort bestraft und die Strafen müssen vor Ort bar entrichtet werden.
 

Geschwindigkeit

In Marokko fährt man, wie auch in Deutschland, auf der rechten Straßenseite.
Innerhalb der Ortschaften darf man 60 km/h fahren, im Zentrum 40 km/h, auf der Landstraße 60 – 100 km/h und auf den wenigen Autobahnen/Nationalstraßen 120 km/h. Schneller wird es nie, reicht aber auch aus.

An diese Begrenzungen solltest du dich unbedingt halten, denn es gibt auffällig viele Kontrollen! Hier und da stehen ein paar stationäre Blitzer, aber vor allem gibt es mobile Radarkontrollen mit Laserpistolen. Auf manchen Strecken wird alle 20 bis 30 Kilometer kontrolliert, selbst im Gebirge und in sehr ländlichen Gegenden.
Mich hat es gleich am zweiten Tag erwischt. Ich wurde mit 40 km zu viel geblitzt, hat mich 70 Euro gekostet, Diskussion sinnlos.
 

Treibstoff

Das Benzin ist etwas billiger als in Deutschland, etwa einen Euro pro Liter.
Unser Mietwagen war ein Diesel-Fahrzeug und extrem sparsam im Verbrauch. Der Liter Diesel hat ca. 0,89 Euro gekostet.

In fast jeder mittelgroßen Stadt gibt es eine Tankstelle, aber geh lieber auf Nummer sicher und lass deinen Tank immer so voll wie möglich. In den Bergen oder in der Wüste ist das Tankstellen-Netz nicht so dicht.

An den Tankstellen wird immer von den Angestellten getankt. Du kannst angeben, ob du einen bestimmten Betrag tanken oder einen vollen Tank haben möchtest.
Es ist üblich, dem „Tanker“ ein kleines Trinkgeld zu geben. Bei größeren Tankstellen kann man oft mit Kreditkarten bezahlen, aber bei den meisten nur mit Bargeld, deshalb solltest du immer genug Bargeld dabei haben.
 

Verhalten im Verkehr

In Marokko ist man „im Verkehr“ weniger höflich als in Deutschland. Keiner hält für Fußgänger und der nachfolgende Verkehr rechnet auch nicht damit.
Vorfahrt wird genommen – nicht gewährt. Es gilt das „Recht des Stärkeren“ und du darfst auf keinen Fall zögerlich sein.

In den Städten kann der Verkehr sehr chaotisch sein. Keiner hält sich an die Fahrspuren. Alle fahren kreuz und quer durcheinander.
Achte ganz besonders auf die Mopeds, die sich zwischen den Autos durchschlängeln.
In den Medinas* musst du auch noch auf Fußgänger und Eselkarren achten. Hab immer einen Blick in die Spiegel!

Sobald du die Zentren verlässt, beruhigt sich der Verkehr.
Durchgangsstraßen führen immer quer durch Dörfer. Achte gut auf die Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde. Gegen Mittag gibt es viele Schulkinder, die von der Schule nach Hause gehen oder radeln, oft fahren 3 – 4 Räder neben einander. Deshalb ist es besser ruhig zu fahren.

*Medina: orientalische Altstadt
 

Tiere und Menschen auf den Straßen

Immer wieder überqueren Menschen ganz gemütlich die Straßen, auch auf den Nationalstraßen (Autobahnen) kann dir dies passieren.
Auch Tiere können deinen Weg kreuzen. Du solltest immer aufmerksam fahren.

Achtung Kamele Achtung Kamele!

Kamele Wüste Marokko Auch Kamele können deinen Weg kreuzen

Esel in Marokko Im Gebirge wirst du immer wieder Esel begegnen

Vermeide es im Dunkeln zu fahren. In ländlichen Gebieten gibt es oftmals keine Straßenbeleuchtung. Viele Leute sind auf den Straßen zu Fuß und mit Fahrrädern oder Mopeds unterwegs und fahren sehr gern ohne Licht.
 

Kreisverkehr

Beim Kreisverkehr musst du gut aufpassen.
Ich habe die Regeln der Kreisverkehre in 8 Tagen nicht verstanden. In Deutschland hat man im Kreisverkehr Vorfahrt, in Marokko ist das nicht immer der Fall. Ob man Vorfahrt hat oder nicht, sollte schon vor dem Einfahren in den Kreisverkehr mit Schildern angegeben sein. Mir hat sich das nicht erschlossen und so habe habe ich einfach auf die anderen Verkehrsteilnehmer geachtet und mich so durch die Kreisverkehre gemogelt.
 

Ampeln

Die Ampeln in Marokko benötigen eine genauere Erklärung. Klar, auch hier bedeutet Rot stoppen und Grün fahren, aber Gelb hat eine etwas andere Bedeutung als bei uns. Erstens blinkt es und du musst direkt stoppen. Ansonsten droht auch hier ein Strafzettel. Achte gut darauf.
 

Anhalter mitnehmen?

In Marokko ist ein eigenes Auto ein Luxus, den sich nur wenige leisten können. Per Anhalter fahren ist hier deswegen völlig normal. Du wirst immer wieder Menschen am Straßenrand sehen, die gerne mitfahren möchten.

Auch wenn ich manchmal kurz vor dem Bremsen war, ich habe keinen Anhalter mitgenommen und auch nicht angehalten.
Ein schlechtes Gefühl bleibt, denn viele Menschen sind in Marokko bettelarm, haben kein Auto und somit auch keine Möglichkeit um von A nach B zu kommen.

Es wird jedoch Touristen davon abgeraten, Anhalter mitzunehmen und aus Sicherheitsgründen habe ich mich dagegen entschieden. Besser kein Risiko eingehen.
 
 

Mein Fazit

Marokko ist ein unglaublich vielseitiges Land mit ganz unterschiedlichen Landschaftsformen.
Hier findest du neben den bekannten Königsstädten auch kleine romantische Bergdörfer und malerische Kleinstädte, weiße Sandstrände, schroffe Hochgebirge, grüne Täler und Oasen und die unendliche Weite der Wüste.

Die Menschen sind offen und freundlich.

Wir haben uns zu keiner Zeit unsicher gefühlt und auch keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Ich kann dir einen Road Trip durch Marokko nur wärmstens empfehlen.
 
 
Ich hoffe, ich konnte dir die Angst nehmen, in Marokko zu fahren.

Hast du weitere Tipps zum Autofahren in Marokko? Ab damit in die Kommentare.
 
 

geschrieben von
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