Es brodelt in Kalifornien – der Lassen Volcanic National Park

Im Norden Kaliforniens befindet sich eines der bestgehüteten Geheimnisse dieses US-Bundesstaates – eine mehr als 4.000 Hektar große, rauchende, brodelnde, nach Schwefel riechende, baumlose Mondlandschaft, umgeben von einem kühlen, grünen Nadelwald – der Lassen Volcanic National Park.
 
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Brodelnde Erde im „anderen“ Kalifornien

Wer den Westen der USA bereist, stürzt sich meistens auf die großen und bekannten Nationalparks wie Yosemite, Death Valley, Grand Canyon, Bryce Canyon und wie sie alle heißen. Nicht auf der Hauptroute der meisten Touristen, aber (vielleicht gerade deshalb) sehenswert, ist der Norden Kaliforniens. Selbst für viele Kalifornier ist dieser Landstrich ein Buch mit sieben Siegeln.
Hier präsentiert sich Kalifornien völlig anders als im Süden: Geothermische Quellen und Seen, Schlammlöcher und Fumarolen formen eine bizarre Szenerie.
 
 

Der Ring of Fire

Der Lassen Volcanic Nationalpark liegt in der „Shasta Cascade“, der vulkanischen Bergkette, die sich von der Sierra Nevada bis nach Kanada erstreckt. Die Vulkane des Kaskadengebirges reihen sich parallel zur Küstenlinie und bilden einen Teil des pazifischen Vulkangürtels, des „Ring of Fire“.
 
Der Park liegt rund um den 3.187 Meter hohen Lassen Peak, den südlichsten Vulkan des Gebirges.

Der letzte Ausbruch des oft fälschlich als Mount Lassen bezeichneten Vulkans liegt zwar mehrere Jahrzehnte zurück, doch gelegentlich aufsteigender Rauch deutet an, dass er unterhalb der Oberfläche immer noch brodelt.
Zwischen 1914 und 1921 sorgte der Lassen Peak für viel Aufsehens, er spuckte rund 300 Mal. Der spektakulärste Ausbruch ereignete sich 1915. Bei der denkwürdigen Explosion spuckte er eine 11 Kilometer hohe Aschewolke in den Himmel, die das umliegende Land unter Asche und Schlamm begrub. Die Ausmaße sind auch 100 Jahre danach immer noch sichtbar.
 
 

Ein Berg voller Feuer und Wasser

Die Lassen Area war einst Heimat von vier indianischen Gruppen: Atsugewi, Yana, Yahi und Maidu. Noch heute leben ihre Nachfahren in dieser Gegend. In ihren Legenden erzählen sie, dass der Berg voller Feuer und Wasser sei und er sich eines Tages selbst zerreißen werde.

Tatsächlich ist der Lassen Volcanic Park so etwas wie eine kleinere Variante vom berühmten Yellowstone National Park.

Die Verschiebung der Kontinentalplatten vor 600.000 Jahren formte hier einen ziemlich spektakulären Schauplatz.
Die Jahrhunderte langen Vulkanausbrüche haben eine Landschaft von seltsamen Reiz entstehen lassen. Überall sind die Spuren vergangener und teils noch anhaltender geothermischer Aktivität zu sehen.
Dass die Gegend noch immer ziemlich vulkanisch aktiv ist, zeigen die Gasausstöße, heißen Quellen und brodelnde Wasser- und Schlammtümpel.
 
 

Lassen Volcanic Nationalpark – ein kleines Naturparadies

Für den Besuch des Lassen Volcanic solltest du dir mindestens einen halben Tag Zeit nehmen.

Sicher kann man den Park auf seiner Durchgangsstraße auch im „Vorbeifahren“ erkunden, doch die Höhepunkte liegen „unbequem“ abseits der Straßen. Um sie zu erreichen sind, mit wenigen Ausnahmen, mehr als nur kurze Spaziergänge notwendig.

Ausgangspunkt unserer Tour ist Redding, von dort sind es ca. 80 Kilometer bis zum Parkeingang am Manzanita Lake.
 
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Wir folgen der etwa 50 Kilometer langen, 2.000 Meter hoch gelegenen Lassen Peak Road, die dem Highway 89 entspricht, und den Park in Nord-Süd-Richtung durchquert.

Die Parkstraße ist reich an bestens platzierten Aussichtspunkten, von denen aus immer wieder der scheinbar schneebedeckte Lassen Peak zu sehen ist.
 
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Zwischen Geröll und grünen Tälern

Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die Landschaft ist einzigartig: vegetationslose Geröllhalden und mondartige Lava-Landschaften stehen im krassen Kontrast zu grünen Wäldern mit Seen und von Bächen durchflossenen Wiesen.
 
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Die Straße führt zunächst durch die Chaos Crags. Diese Felsen sind junge Pfropfenvulkane, an deren Fuß sich ein spärlich bewachsenes Lavaschuttfeld ausbreitet, das wegen großer Erdrutschgefahr nicht betreten werden darf.
 
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Der Hot Rock ist ein großer Lavabrocken, der beim Ausbruch von 1915 vom Schlammfluss, der sich aus den schmelzenden Gletschern gebildet hatte, hierher verfrachtet wurde.
 
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Die Devastated Area, die Hauptverwüstungszone von 1915, ist überdeckt mit Lavaschutt, wird aber allmählich von der Natur zurück erobert.
 
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Immer wieder stoppen wir, lassen das Auto stehen und gehen zu Fuß.

Der höchste (mit dem Auto erreichbare) Punkt liegt auf ca. 2.600 Metern Meereshöhe und auch im Sommer kann es hier recht frisch sein. Bei unserem Besuch im Juli 2013 lagen in der Nähe von Lake Helen noch Schneefelder vom Vorjahr!
 
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Immer der Nase nach

Wanderer kommen im Lassen Volcanic NP voll auf ihre Kosten. Es stehen ca. 250 km gut ausgebaute Trails zur Verfügung, über die man auch in die entlegensten Teile des Parks gelangen kann.

Über den Lassen Peak Trail kann man in einer ca. 4- 5 stündigen Wanderung den höchsten Berg erklimmen. Jojo ist leider nicht ganz fit (sie hat sich eine dicke Erkältung eingefangen) und so entscheiden wir uns gegen den anstrengenden Aufstieg.
 
Doch ganz ohne eine Wanderung, wenn auch nur eine kurze, wollen wir den Park nicht verlassen. So machen wir uns auf den knapp 5 km langen Weg zur Bumpass Hell.
Vor allem der zweite Teil des Namens Bumpass Hell, „Hölle“, ist durchaus treffend gewählt. Hier erlebst du Geologie in Aktion – 6½ Hektar kochender Quellen und Schlammtöpfe, zischender Dampfspalten und dröhnender Fumarolen.
Der frühe Pionier Kendall Vanhook Bumpass hatte das Pech, in den 1860er Jahren als erster über diese hydrothermalen Phänomene – buchstäblich – zu stolpern: Er trat dabei in eine kochende Pfütze und verbrannte sich ein Bein, dass ihm anschließend amputiert werden musste.

Den Besuchern von heute kann das nicht mehr passieren.
Ein relativ leichter und gut ausgeschilderter Weg führt zu diesem Ort hydrothermaler Aktivität.
 
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Deine Nase wird dich wissen lassen, wenn du dich Bumpass Hell näherst. Der Geruch fauler Eier, der von den natürlich austretenden Schwefelgasen stammt, ist ebenso penetrant wie die Geräuschkulisse, die von den rülpsenden Schlammtöpfen und blubbernden Sprudeln erzeugt wird.

Der Brettersteg von Bumpass Hell ermöglicht es dir, im Unterschied zum armen Herrn Bumpass, ungefährdet zwischen diesen Gebilden hindurchzulaufen.
 
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Wanderung zum Bumpass Hell
  • Startpunkt: Parkplatz am Emerald Lake
  • Länge: ca. 5 km
  • Steigung: 91 Meter
  • Zeit: ca. 2 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: leicht

Diese Wanderung ist vor allem gegen Abend sehr zu empfehlen, da dann das Licht die umliegenden Berge in ein orangerotes Licht taucht und die sowieso schon schönen Aussichten noch intensiviert.
 
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Hotels, Motels & Campingplätze

Wie so oft bei National Parks sind auch im Lassen Volcanic NP die Camper in Hinblick auf Übernachtungen klar im Vorteil, befinden sich doch zahlreiche gute Campingplätze im Park, meist in unmittelbarer Nähe zu den schönen Seen.

Wer wie wir, mit dem Mietwagen unterwegs ist und nach einem Hotel oder Motel sucht, kommt am besten in Redding oder Red Bluff unter. Redding hat eine sehr gute Infrastruktur und eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten.
 
Wir haben uns für eine Nacht in der Travelodge Redding einquartiert und können diese auch empfehlen. Alle Zimmer sind mit Klimaanlage, kostenlosen WLAN, Kabel-TV, Mikrowelle, Kühlschrank und Kaffeemaschine ausgestattet. Zur Anlage gehören außerdem ein Außenpool sowie ein Innen-Whirlpool und eine Wäscherei. Kostenfrei Parkplätze stehen ausreichend zur Verfügung.
Frühstück wird in der Lodge nicht angeboten. Stattdessen erhalten wir einen Breakfastvoucher und sind mal eben, halt typisch amerikanisch, über den Freeway zum Lumberjack gefahren. Ab 6.00 Uhr kann man dort sehr lecker frühstücken. Ein Pott Kaffee, Eier, Speck und Toast – der perfekte Start in den Tag.
 
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Infobox

  • Lage und Infos:
    Der Lassen Volcanic Nationalpark liegt im Norden des Bundesstaates Kalifornien.
    Das 429 km² große Gebiet um den Lassen Peak wurde 1916 zum Nationalpark erklärt.
    Die Großstädte San Francisco und Sacramento (beide Kalifornien) liegen 415 bzw. 280 Kilometer südlich des Parks.
    Die nächstgelegenen Flughäfen, mit planmäßigen Flugverbindungen und Autovermietungen, befinden sich in Redding (80 Kilometer westlich) und in Chico (124 Kilometer südlich)des Parks.
  • Anfahrt:
    Es gibt zwei Einfahrten in den Park, die letzten Endes aber beide auf die gleiche Straße, den Highway 89 führen. Die Lassen Peak Road (Highway 89) erschließt den Park auf ca. 50 Kilometern von Nord nach Süd.
    Achtung: Von Ende Oktober bis Ende Mai ist die Straße meist wegen winterlicher Straßenverhältnisse gesperrt.
    Die einfachste und meistens schnellste Zufahrt führt von Redding aus über die Straße 44 in den Park hinein.
  •  

    Lassen Volcanic National Park
    Lassen Volcanic National Park / Quelle: www.usareisetipps.com

     

  • Eintritt: 10$ pro Fahrzeug / 5$ pro Person
  • Öffnungszeiten: der Park ist ganzjährig geöffnet
  • National Park Pass: gültig
  • Wandern: 250 km gut ausgebaute Trails in verschiedenen Schwierigkeitsstufen
  • Eine Übersicht aller möglichen Wanderungen findest du hier.
    Sehr gute Informationen und Kartenmaterial erhältst du im Visitor Center am Manzanita Lake.

  • Zugänglichkeit: für PKW und RVs problemlos
  • Saison: Hauptbesucherzeit ist Juni bis September
  • Homepage des Lassen Volcanic Nationalpark
  • Mangels Infrastruktur solltest du unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen.
  • Je nach Wetter ist Sonnenschutz empfehlenswert.

 
 
Warst du schon einmal im Lassen Volcanic Nationalpark? Oder hast du Fragen oder Anmerkungen? Dann ab damit in die Kommentare!
 
 

geschrieben von
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10 Kommentare

  • Hallo Frauke,
    Vielen Dank für den Artikel. Auf meiner ersten USA Reise 2000 war ich auch dort. Es war Mitte Juni und es lag noch ziemlich viel Schnee. Trotzdem sind wir den Berg hochgestiegen, was ziemlich anstrengend war und mit Nebel auf der Spitze belohnt wurde. Daher habe ich vom Rest des Parks nicht viel gesehen und finde ich deine Bilder umso interessanter.
    Liben Gruß
    Ina

    • Hallo Ina,
      die Wanderung zum Gipfel (mit wenig Schnee und ganz ohne Nebel) mussten wir leider ausfallen lassen. Dafür haben wir aber viel Zeit für den Rest gehabt. Wart ihr auch ziemlich allein unterwegs?
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Liebe Frauke!
    Der Park kommt auf jeden Fall auf die Liste für meine nächste USA-Reise. Das klingt einfach supertoll und sieht auch so aus! Du hast mir richtig Lust darauf gemacht. Danke für den schönen Bericht!
    Liebe Grüße
    Gela

    • Hallo Gela,
      den Lassen Volcanic können wir wirklich empfehlen. Ist auch für Kinder besonders spannend, an jeder Ecke gluckst, dampft oder blubbert es 🙂
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Ach wie toll, der Lassen Volcanic steht auch schon auf unserer Liste, zum einen weil wir bereits große Yellowstone-Fans sind, zum anderen eben gerade, weil er weniger besucht ist. Euer Beitrag und die Fotos haben das nun nochmal verstärkt, danke dafür! 🙂

    • Den Vergleich zum Yellowstone können wir nicht ziehen (der steht auf unserer Liste :-)), aber der Lassen Volcanic lohnt auf jeden Fall.
      Da wir von den Schulferien abhängig sind, waren wir im Juli, also in der Hauptsaison, dort und waren tatsächlich weitestgehend ganz allein unterwegs.
      Liebe Grüße
      Frauke & Jojo

  • Vielen Dank für den tollen und informativen Blogbeitrag! Der Lassen Volcanic National Park ist für unsere nächste USA Rundreise schon fest eingeplant. Jetzt freue ich mich noch einmal mehr darauf! Und überhaupt habt Ihr da einen megagenialen Blog!

  • Der Park ist wirklich traumhaft schön! Der Tipp, in Reddimg zu übernachten ist super! Wir wollten unbedingt näher ran und übernachteten in Mineral (Lassen mineral lodge) – eine fürchterliche Absteige! Das hat uns den schönen Park etwas vermiest 🙁

    • Da hatten wir ja wirklich Glück. Wir wollten gern in der Lassen mineral lodge unterkommen, leider war kein Zimmer frei. Damals haben wir uns geärgert, im Nachhinein bin ich froh.
      Liebe Grüße
      Frauke

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