Es stinkt in Kusatsu Onsen!

Nachdem wir die ersten Tage unserer Japan-Reise im quirligen Tokio verbracht haben, zieht es uns zunächst in den ruhigen Norden.

Kaum liegt Tokio hinter uns, verändert sich die Landschaft schlagartig. Die grüne Ebene weicht den Bergen und empfängt uns mit Regen und dichtem Nebel.
 
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Die raue Landschaft bildet eine schöne Kulisse für die blubbernden heißen Quellen, die es hier gibt.
Hinter jeder Kurve scheint eine Mineralquelle aus dem Boden zu sprudeln. Überall dampft es.

Was liegt da näher, als diese Quellen mal genauer anzusehen.
Zudem gibt es bei schlechtem Wetter doch nichts schöneres, als in einer heißen Quelle, einem Onsen, zu entspannen.

An Möglichkeiten mangelt es in der Gegend weiß Gott nicht. Die Region ist ein Star im Onsen-Paradies Japan. Einer der beliebtesten Orte und landesweit bekannt ist Kusatsu Onsen.

Den Grund für den Ruhm findest du in der umliegenden Bergwelt: Kusatsu Onsen liegt auf 1.156 Meter Höhe in einem Talkessel am Hang des Vulkanes Shirane-san, der übrigens noch ziemlich aktiv ist und in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit imposanten Ausbrüchen für Schlagzeilen gesorgt hat.

Eine derart geologisch aktive Zone bringt jedoch auch angenehme Nebeneffekte mit sich: heiße Quellen. Kusatsu gehört zu den drei berühmtesten Onsen-Resorts in Japan. Und das zu Recht!

In Kusatsu gibt es etwa 100 heiße Quellen mit einem Gesamtwasserausstoß von etwa 34.000 Liter pro Minute.
 
Wir nähern uns Kusatsu auf einer kurvenreichen Straße und schrauben uns langsam immer höher. Von der Umgebung sehen wir nicht viel, zu tief hängen die Wolken.

Wir parken das Auto in der Nähe des Zentrums. Beim Aussteigen weht uns ein fauliger Geruch um die Nase. Pfui! Was ist das? Es ist kaum auszuhalten. Trotzdem wollen wir die kleine Stadt erkunden.

Einen Stadtplan brauchen wir nicht – wir gehen einfach der Nase nach 😀 und erreichen schon bald die Hauptattraktion von Kusatsu: das Heißwasserfeld.
 
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Während in den meisten Orten die heißen Quellen mehr oder weniger tief im Untergrund brodeln, kann man in Kusatsu protzen: Mitten in der Stadt sprudelt das dampfende Wasser nur so aus dem Boden. Pro Minute quellen hier 4.000 Liter milchig-blaues Wasser aus der Erde. Das streng riechende Wasser enthält ziemlich viel Schwefelsäure und der Geruch durchdringt wirklich den ganzen Ort. Aber langsam gewöhnen wir uns daran.

Das heiße Wasser wird über ein Geflecht aus Holzbecken und offenen Kanälen in die umliegenden Bäder verteilt.

Das Ganze nennt sich Yubatake. Der Name Yubatake bedeutet treffenderweise auch Heißwasserfeld.
Heißwasserfelder gibt es durchaus auch anderswo, aber nicht so groß und zentral wie in Kusatsu.

Das heiße Wasser aus den Quellen wird nicht nur zum Baden genutzt, damit werden auch Schulen, öffentliche Einrichtungen und sogar private Haushalte beheizt.
 
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In den hölzernen Becken werden außerdem die Yunohana, die „Heisswasserblumen“ angebaut. Diese Kristalle sind Mineralablagerungen, die getrocknet und in Pulverform als Badezusatz verkauft werden – ein „Onsen zum Mitnehmen“. 😉
 
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Wir umkreisen das „duftende Feld“ und entdecken ein Fußbad, das wir natürlich sofort ausprobieren. Das Wasser ist brühend heiß, so heiß, dass die Beine rot anlaufen und sich Schweißperlen auf der Stirn bilden! Nur ganz langsam, Zentimeter um Zentimeter, tauchen wir die Füße ein.
Eine Gruppe Japaner nähert sich und amüsiert sich köstlich, als sie unsere schmerzverzerrten Gesichter sehen. Ihnen scheint das heiße Wasser nichts auszumachen, forsch schwingen sie ihre Beine ins Becken.
Uns ist das Wasser zu heiß und wir bummeln weiter.
 
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In Kusatsu dreht sich wirklich alles um das Yubatake, es ist die erste Adresse am Platz und alle wichtigen Straßen beginnen bzw. enden dort. Hier verläuft auch die wichtigste Flaniermeile der Stadt. Die Straße ist sehr klein, seltsamerweise nicht für den Verkehr gesperrt und wird hauptsächlich von Souvenirläden und Restaurants dominiert.
 
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Rund um das Yubatake findet man viele typische Onsen-Herbergen, deren Bäder fast alle öffentlich zugänglich sind.
Die Auswahl fällt nicht leicht, wir entscheiden uns für einen Besuch im Goza Bathhouse. Im Inneren erwarten uns zwei Badehäuser, die aus verschiedenen Quellen gespeist werden. Dies ist auch für Kusatsu einzigartig.
 
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Vom Ruheraum in der oberen Etage des zweistöckigen hölzernen Gebäudes haben wir eine tolle Sicht auf das Yubatake und können zusehen, wie bei anbrechender Dunkelheit langsam die Lichter angehen.
Das Yubatake ist nämlich auch am Abend durchaus ansehenswert, dann werden das dampfende Feld und die umliegenden Häuser bunt angestrahlt.
 
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Tiefenentspannt und bestimmt 5 Jahre jünger aussehend, dem Wasser wird nämlich eine heilende Wirkung nachgesagt, bummeln wir zurück zum Auto.
 
 

Infobox:

Rings um das Zentrum befinden sich einige kleine Parkplätze. Achte unbedingt darauf, dass du keinen Parkplatz der zahlreichen Hotels blockierst. Das gibt Ärger. Schau lieber zweimal, ob die Parkfläche zu einem Hotel gehört oder öffentlich ist.
 
Das Goza Bathhouse kannst du gar nicht verfehlen. Es liegt direkt am Yubatake.
Der Eintritt beträgt 600 Yen.
Geöffnet ist täglich von 7.00 bis 21.00 Uhr.

Wenn du die vielen Onsen in Ruhe genießen möchtest, solltest du am besten im Ort übernachten.

Vor dem Besuch auf jeden Fall die Onsen-Regeln durchlesen!
 
 
Noch mehr Reiseberichte aus Japan findest du hier.
 
 

geschrieben von
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4 Kommentare

  • Die Atmosphäre auf euren Bildern wirkt fast weihnachtlich – dabei wart ihr doch im Sommer dort?! Wenn es eh 30°C hat, wird das dann mit dem ganzen heißen Dampf in der Luft nicht unerträglich warm?

    (Ich plane gerade unsere Route für den nächsten Sommer und würde mir Kusatsu gern anschauen, aber wenn es dann noch heißer als sowieso schon ist, zeigen mir die Kids einen Vogel 😉 )

    LG
    Jenny

    • Hallo Jenny,
      in den 4 Wochen unserer Reise gab es nur zwei Extreme – entweder Regen (und davon hatten wir jede Menge) oder zu heiß.
      In Kusatsu hatten wir Regen, es war nicht zu warm (Jojo hat sich sogar die Jacke übergezogen). Wir waren auch erst am Abend dort, deshalb wirken die Bilder so weihnachtlich.
      Die aufsteigenden Dämpfe haben nicht gestört. Ich weiß allerdings nicht, wie es tagsüber und bei Sonnenschein dort ist.
      Andererseits liegt Kusatsu auch ziemlich hoch. Über 1.000 Meter sollte es doch auch bei schönem Wetter auszuhalten sein.

      Für euch geht es im Sommer wieder nach Japan?

      Liebe Grüße
      Frauke

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