Jenseits vom Ende der Welt – Isles of Scilly

Vor der Küste Cornwalls liegen die Isles of Scilly und bilden Großbritanniens westlichste Vorhut.
Wenn man hier ankommt, ist man über das Ende der Welt hinausgeraten – über „Land’s End“ an der Südwestspitze Cornwalls. Hier, das sind über fünfzig Inseln und neunzig Felsen, hingestreut im Atlantik an der Schwelle zum Ärmelkanal.
 
Der abgeschiedene Inselarchipel ist Cornwalls Antwort auf die Karibik.

Auf den vom Golfstrom verwöhnten Inseln scheint an durchschnittlich 2.000 Stunden im Jahr die Sonne. Palmen, angenehm warme Sommer und milde Winter, starke Sonneneinstrahlung, selbst durch dichten Nebel – all dies ist hier normal.
 
Und wie es sich für einen Ort jenseits der Welt gehört, herrschen dort ganz eigene Gesetze. Zu diesen gehört, dass die Scillys sich unsichtbar machen können. Zuweilen hüllen sie sich unvermittelt in dichten Nebel und verschwinden, wie von der See verschluckt. Mythisch angehauchte Menschen neigen dazu, sie für Avalon zu halten, den sagenhaften Ort aus der Sage um König Artus.
Avalon hin oder her, der Nebel ist tatsächlich fatal für die Schifffahrt. Die Scillys waren und sind ein notorischer Ort für Schiffskatastrophen – nirgends in der Welt sind mehr Schiffe zerschellt als an den spitzen Felsen, die bei Ebbe wie Sägeblätter aus den Wellen ragen und bei Flut als unsichtbare Gefahr auf Beute lauern.
 
Dabei sind die Isles of Scilly ein so friedlicher Ort, wenn man erst einmal dort angelangt ist.
Nur fünf der Inseln sind bewohnt, der Rest bleibt Seevögeln und Robben überlassen.
Im unverschämt klaren, aber auch unverschämt kalten Wasser tummeln sich Delphine und manchmal ziehen harmlose Riesenhaie ihre Bahnen.
 
Bis zu unserem Roadtrip durch Südengland und Cornwall hatten wir noch nie etwas von den Isles of Scilly gehört. Erst das nette Betreiberpaar unseres B&B empfahl uns den Trip auf die Scillys, wie sie von den Briten liebevoll genannt werden.

Die Scillys sind ein Geheimtipp, denn es ist bis heute ein kleines Abenteuer, die etwa 140 Inseln und Felsformationen vor der südwestlichsten Spitze Großbritanniens zu erreichen.
Sie liegen nur etwa 45 Kilometer von Land’s End entfernt. Eigentlich nah genug, um sie für einen Ausflug zu erreichen. Aber dennoch zu weit weg, um sie eben mal kurz anzusteuern.
 
Es gibt zwei Möglichkeiten die Scillys zu erreichen:
Jeden Morgen fährt die Scillonian III vom Hafen Penzance nach St. Mary’s – und am Abend wieder zurück. Die Überfahrt dauert ca. 2.45 Stunden.
Schneller geht es per Flugzeug – je nach Wetter starten die Kleinflugzeuge vom Flughafen bei Land’s End mehrmals täglich zu ihrem kurzen, 15 – 20-minütigen, Flug.

Wir entscheiden uns für die Anreise im Flugzeug und wählen das Schiff für den Rückweg.
 
 

Eine Reise in eine andere Welt

Schon morgens 7.30 Uhr stellen wir unser Auto am Hafen von Penzance ab und fahren mit dem Shuttle-Bus zum knapp 20 Minuten entfernten Flughafen von Land’s End.

Die Abflughalle ist nicht größer als eine mittlere Schulturnhalle und schon das Einchecken ist ein Erlebnis. Jeder Passagier darf maximal 10 Kilogramm Gepäck aufgeben und wird mit britischer Höflichkeit gebeten, selbst auf die Gepäckwaage zu steigen. Die Flugzeuge sind klein und die Zuladung begrenzt.
 
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Die Sitzplätze werden nach nach dem Gewicht der Passagiere verteilt und auch das Verstauen des Gepäcks läuft nach einem ausgeklügelten System.
Mit zehn Personen ist unser Flug ausgebucht.

Während wir unsere Plätze besetzen, gibt der Pilot die aktuelle Wetterprognose durch. „Wir erwarten einen ruhigen Flug“ verkündet er mit einem Lächeln.
Denn je nach Wetter kann der kurze Flug durchaus zu einem großen Abenteuer werden. Bei Nebel und schlechter Sicht, können die Maschinen nicht abheben – und so ist das Erreichen der Inseln bis heute eine spannende Sache geblieben.

Beim Starten der Motoren beginnt das ganze Flugzeug heftig zu vibrieren. Ein bisschen mulmig ist uns schon, aber schon wenige Minuten später sind wir in der Luft.

Die Aussicht ist ein Traum!
Durch das kleine Fenster des Flugzeuges wirkt die Küste Cornwalls wie von Märchenhand gezeichnet.

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Wir überfliegen die schroffen Klippen und nehmen Kurs aufs offene Meer. Schon bald tauchen in der Ferne die Isles of Scilly auf und wir können unser Ziel, die Insel St. Mary’s, von oben betrachten.
Schon der erste Blick macht Lust auf mehr: eine zerklüftete Küstenlandschaft und sanft schaukelnde Boote im Hafen. Unsere Vorfreude steigt und wir können es kaum erwarten, endlich festen Boden unter den Füßen zu haben und die Insel zu erkunden.

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Auch wenn zwischen dem cornischen Festland und den Scillys nur 15 Flugminuten liegen – bei unserer Ankunft auf St. Mary’s fühlen wir uns in eine andere Welt versetzt.
Kaum haben wir das kleine Flughafengebäude verlassen, vergessen wir beinah, dass wir in Großbritannien sind.

Es ist das typische Insel-Feeling, das sich praktisch sofort einstellt. Alles geht gefühlt einen Gang langsamer als auf dem Festland (dabei kann man das Leben in Cornwall durchaus schon als recht entschleunigt bezeichnen). 😀

Auf den Scillys gibt es von vielem ein bisschen mehr: mehr Sonne, mehr Ruhe und ganz viel unberührte Natur. Menschen gibt es dafür umso weniger.
Die nur 2.000 Einwohner verteilen sich über die 5 bewohnten Inseln, wobei St. Mary’s mit ihren 1.800 Einwohnern, die noch am dichtest besiedelte Insel ist.
 
 

Lohnt ein Besuch der Isles of Scilly?

Wer die Scillys besucht, sollte eine ausgesprochene Vorliebe für die Natur mitbringen.
Dies war der eigentliche Grund für uns die Inseln zu besuchen.
Auch wenn man während des Fluges schon tolle Ausblicke zu sehen bekommt, ist es fast ein Schande nicht wenigstens eine kleine Wanderung zu unternehmen.
Da wir mit der ersten Maschine gelandet sind, ist es noch nicht einmal 9.00 Uhr als wir St. Mary‘s betreten. Somit haben wir ausreichend Zeit die Insel zu erkunden. Zunächst wandern wir zur südlich ins Meer ragenden Penninis-Halbinsel. Wir werden mit einer Reihe prachtvoller Felsformationen belohnt, die so illustre Namen wie Mönchskutte, Zahnfelsen oder Kessel und Pfanne tragen. Manche sehen aus, als hätten hier Riesen mit Steinen gespielt und Türmchen gebaut.
Überhaupt sind die Natur und die Aussicht einfach atemberaubend.

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Ca. 4 Stunden (mit ausgedehnten Pausen) sind wir unterwegs und uns bleibt noch ausreichend Zeit Hugh Down und das Castle zu entdecken.

Hugh Down ist der größte Ort der Inselgruppe und die Inselhauptstadt. Doch der Name beweist vor allem den Sinn der Engländer für Humor.
Im kleinen Stadtzentrum reihen sich einige Läden, Cafés und Restaurants aneinander, die meisten haben Ende März jedoch noch geschlossen.
Die Straßen sind von hübschen Steincottages gesäumt.

Wir steigen hinauf zum alten Garnisonsfestung. Von dort oben hat man einen guten Ausblick auf den Hafen von St. Mary’s und kann weit über das Meer bis zu den Nachbarinseln schauen.

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Wir bummeln weiter zum Hauptstrand. Nur wenige Spaziergänger und ein paar Muschelsucher sind unterwegs.

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Hier am Strand finden wir auch endlich ein geöffnetes Café. Inzwischen sind wir ziemlich hungrig. Bei Cidre und einer Käseplatte genießen wir die Sonne und lassen den Tag ausklingen.
 
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Dann heißt es auch schon Abschied nehmen, wir bummeln zum Hafen, wo bereits geschäftiges Treiben rund um die Scillonian III herrscht.
Die Zeit auf den Isles of Scilly verging viel zu schnell und wir vermissen das Inselleben schon, bevor wir die Insel überhaupt verlassen.

Pünktlich um 16.45 Uhr legen wir ab und schaukeln mit maximal 15 Knoten durch die sehr ruhige See zurück nach Penzance.

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Unser Fazit:

Die Scilly Inseln sind eigentlich zu schade für einen Tagesausflug. Scillys das sind: Unberührte Natur, Ruhe und Abgeschiedenheit, kilometerlange, weiße Sandstrände, azurfarbenes Meer und ein Klima, das die Heiterkeit in der Seele zu fördern scheint.
 
 
Welches ist deine Lieblingsinsel? Erzähl uns davon in den Kommentaren!
 
 
Dieser Artikel entstand im Rahmen der Blogparade Trauminseln und Inselträume. Schau doch mal rein, vielleicht ist deine Trauminsel ja auch dabei.
 
 
Noch mehr Berichte aus Südengland findest du hier.
 
 

geschrieben von
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5 Kommentare

  • die Landschaft und der Hafen sehen ja echt schön aus, was kostet denn die Überfahrt mit dem Boot?
    ich war im Oktober ja auch in Südengland, aber für die Scilly’s hatten wir nicht genug Zeit, da ging es nur bis Lands End, aber wenn ich nochmal in der Gegend bin würde ich schon gerne hin
    liebe Grüße

    • Hallo Melli,
      die Überfahrt ist nicht ganz billig. Wir haben für 2 Personen für die einfache Fahrt 106 Pfund bezahlt. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Scillys sind wirklich etwas ganz besonderes.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Liebe Frauke, liebe Jojo,
    so viel Natur, Ruhe und Abgeschiedenheit – das klingt für mich absolut wie ein echter Inseltraum. Bin richtig neugierige auf die Scillies geworden. Danke, dass ihr diese tollen Inseln zur Blogparade beisteuert!
    Liebe Grüße
    Gela

    • Liebe Gela,
      die Scillys sind wirklich ein kleiner Inseltraum.
      Jetzt sind wir sehr gespannt auf die weiteren Beiträge deiner Blogparade. Von Inseln kann man doch nie genug bekommen … 🙂
      Liebe Grüße
      Frauke & Jojo

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