Wenn die Wildnis ruft – eine Husky Tour in Lappland

Im Hundeschlitten durch den Schnee gleiten? Wer träumt nicht davon?

In den magischen Wäldern im Norden von Finnland, in der Wildnis Lapplands, haben wir uns diesen Traum erfüllt und sind mit einem Huskyschlitten durch die verschneite Landschaft gefahren.
 
Und schon vorab: Es ist ein unglaublich schönes Gefühl auf einem Hundeschlitten durch das unendliche Weiß zu gleiten.
Nur das Hecheln der Huskys und das Knirschen des Schnees unter den Schlittenkufen sind zu hören – der perfekte Soundtrack für dieses Abenteuer.

Aber der Reihe nach:

Für eine Woche haben wir uns ein kleines Mökki (ein typisch finnisches Ferienhaus aus Holz) im Wintersportzentrum Ruka gemietet.
 
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Ruka liegt im finnischen Lappland, direkt am Polarkreis, in einem Gebiet, in dem an 200 Tagen im Jahr Winter herrscht.

Eigentlich sind wir zum Skifahren hier. Finnisch Lappland ist zwar nicht die klassische Wintersportgegend, aber die Finnen sind passionierte Skifahrer. In wohl keinem anderen Land in Europa gibt es bessere Bedingungen für Alpinski und Skilanglauf. Die Saison beginnt meist Mitte Oktober und dauert bis zur Schneeschmelze, also Anfang Juni. Und das Beste: Warteschlangen an Liften kennt man hier nicht.

Allerdings kann es in den Wintermonaten auch schon mal richtig kalt werden. Und wenn ich richtig kalt schreibe, dann meine ich das auch. Wir hatten bei unserem Besuch in Ruka in den Nächten Rekordtemperaturen von – 45 Grad. Glaub mit, das ist verdammt kalt!
Zu kalt zum Skifahren! Wir sind keine Warmduscher, aber wenn die Temperatur deutlich in den zweistelligen Minusbereich sinkt ist Schluss mit lustig am Skihang!
Ab – 25 Grad gefrieren spätestens beim zweiten Atemzug die Nasenhärchen, Zehen und Finger werden langsam taub und die eiskalte Luft sticht auf der Haut wie tausend Nadelstiche.

Ein Alternativprogramm muss her!

Lappland ist ein Synonym für unberührte Wildnis und grandiose Natur. Hier kommt garantiert keine Langeweile auf. Hier muss keiner stundenlang vorm Ofen hocken.
Der Winter am Polarkreis bietet neben der Schönheit der Natur auch ein buntes Programm an weiteren Aktivitäten.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Husky Tour?
 
 

Dem Ruf der Wildnis folgen

Wir erinnern uns an die alten Jack London Verfilmungen und sehen Wolfsblut im „Ruf der Wildnis“ durch den Schnee stapfen. Mit diesen Bildern im Kopf machen wir uns auf den Weg zum Hundeschlittenzentrum Erä-Susi in Rukatunturi.

Hier werden wir von Juha, einem der Schlittenhundeführer, empfangen. Wir haben nichts vorgebucht, was aber kein Problem ist. Juha hat Zeit und wenn wir Lust haben, kann er mit uns auf Tour gehen. Was für eine Frage – klar haben wir Lust!

Überall sind Huskys zu sehen. Im Winter leben auf der Erä-Susi Farm bis zu 200 Tiere.
Einige von ihnen sind Alaska Huskys, andere Sibirische Huskys oder Kreuzungen.
 
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Juha erklärt uns, dass sich Huskys hervorragend als Schlittenhunde eignen. Sie haben von Natur aus den Wunsch zu arbeiten bzw. in diesem Fall Schlitten zu ziehen. Die Huskys stammen vom Wolf ab, trotzdem sind sie Menschen gegenüber sehr zutraulich.
Sobald wir uns den Tieren nähern, bellen die Huskys freudig. Sie kennen das Ritual und wissen, dass es nun bald losgeht.

Wir dürfen den Zwinger betreten und uns mit den Tieren bekannt machen. Vorsichtig nähern wir uns. Die Hunde streifen um unsere Beine, jaulen und geben uns zu verstehen, dass sie eigentlich gern losrennen würden. Johanna ist begeistert und schließt sofort Freundschaft mit den Kraftpaketen.
 
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Die Grundbegriffe des Hundeschlitten-Führens

Bevor es richtig losgeht, bekomme ich jedoch noch eine große Portion Theorie. „Ich erkläre dir jetzt die Grundbegriffe des Mushing“ sagt Juha.
Musher ist der Fachausdruck für den Menschen, der ein Hundeschlittengespann lenkt, in diesem Fall „ich“.

Der Musher steht auf dem Schlitten und lenkt sein Gespann durch Kommandos, die vom Leithund umgesetzt werden müssen.
Ich muss mich mit dem Hundeschlitten, Leinen und Geschirr vertraut machen. Als Musher sollte ich in etwa wissen, wie das Zuggeschirr aufgebaut ist und funktioniert.

Dann sind da noch die Paragrafen. Paragraf eins treibt mir bereits den Schweiß auf die wollbemützte Stirn.
„Lass nie, niemals deinen Schlitten los!“ schärft mir Juha ein. „Immer den Schlitten festhalten, egal was passiert, ansonsten hauen die Hunde samt Schlitten ab.“
Ich mache mir also einen Knoten ins Taschentuch „Immer, unter allen Umständen, beide Hände am Handgriff!“
Ich fange an zu schwitzen, trotz der Kälte.

Weiter geht’s: Kufen, Bremse, Anker, Matte!
Ein Schlitten lenkt sich wie ein Fahrrad oder Motorrad über Schwerpunktverlagerung. Eigentlich ganz einfach: Links in die Kurve, Gewicht auf die linke Kufe. Rechts in die Kurve, Gewicht auf die rechte Kufe. Ich mache ein paar ungelenke Trockenübungen, was mit den dicken Klamotten gar nicht so einfach ist.

„Die Bremse kickst du mit einem Bein runter auf den Trail und trittst drauf, schon bremst du.“ Die Bremse sieht ein wenig aus wie eine gefährliche Wildtierfalle – aus Eisen, gebogen und mit zwei großen Dornen versehen, die sich in den Schnee bohren.
Mir ist völlig unklar, wie ich das in voller Fahrt bewerkstelligen soll.

Mir schwirrt der Kopf von all den Informationen und Instruktionen. Johanna sieht mich mit fragendem Blick an „Mama, hast du dir auch alles gemerkt?“

Wie war das noch mal? Auf den zwei schmalen Kufen stehen und das Gleichgewicht halten, zum Lenken Gewicht verlagern. Wenn es bergab geht unbedingt bremsen, der Schlitten darf schließlich nicht schneller sein als die Hunde. Beim Bergauffahren den Hunden helfen, indem man den Schlitten mit anschiebt.
 
Dann ist es soweit. Ich erhalte noch einen letzten Hinweis. Juha warnt: „Jetzt werde ich die Hunde einspannen und dann bricht die Hölle los. Es wird ein Wahnsinnslärm und die Hunde sind kaum zu halten. Wir setzen dich aber mit dem Schneeanker fest, so dass du dich ganz entspannt auf den Start konzentrieren kannst.“

Juha hat recht: Die sechs Huskys, die paarweise an einer langen Leine angespannt sind, springen jaulend und kläffend in ihrem Geschirr hin und her. Während Johanna sich in den Schlitten setzt und sich tief in die wärmenden Rentierfelle kuschelt, steige ich hinten auf die Kufen. Die Hunde jaulen sich die Seele aus dem Leib, sie wollen laufen!
Motiviert bis in die Ohrenspitzen können sie das Kommando zum Aufbruch kaum erwarten. Sie ziehen an der Leine und möchten am liebsten sofort losstürmen.
Was für eine Hundepower! Nur die zusätzlichen Eisenkrallen, die tief in den Schnee eingerammt sind, können den Schlitten noch halten.

So wie das Adrenalin bei den Hunden gerade in die Höhe schießt, steigt es auch bei mir.

Dann geht alles so schnell, dass ich gar nicht merke, wie mir geschieht. Die Eisenkrallen werden gelöst, ich versuche den Schlitten mit der Bremse zu halten. Wohl etwas zu zaghaft. Der Schlitten macht einen Vorwärtsruck und schießt explosionsartig nach vorne. Viel zu schnell, um auch nur an ein Kommando zu denken. Macht nichts – die Hunde machen dies nicht zum ersten Mal. Sie folgen einfach Juha und seinem Schlitten. Wir preschen in die weite Winterlandschaft hinein.
 
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In den ersten Minuten kämpfe ich noch ein wenig mit der Technik und kalten Händen.
Während ich mich mit den Gewichtsverlagerungen in den Kurven bei hoher Geschwindigkeit zurecht finden muss, hängt ein Nebel aus gefrorenem Atem hinter den dahin stobenden Hunden in der Luft. Die Hunde sind verrückt danach den Schlitten zu ziehen, sie können bis zu 40 Stundenkilometer schnell werden.
Beinahe lautlos fliegen wir durch tief verschneite Waldgebiete, durch baumlose Ebenen und über zugefrorene Flüsse.
 
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Nur das Hecheln der Huskys und die gelegentlichen Zurufe Juhas durchdringen die Stille. Abenteuer pur! Bereits nach kurzer Zeit bekomme ich ein Gespür für den Schlitten und unsere treuen Begleiter.

Von dem anfänglichen mulmigen Gefühl ist nichts mehr zu spüren.

Die Pfoten der Huskys wirbeln Schnee hoch. Der Schnee fliegt uns um die Ohren und Schneekristalle leuchten im Gegenlicht. Mir weht der kalte Wind ins Gesicht, lässt meine Augen tränen, lässt mich aber auch strahlen. Jojo hat sich noch tiefer in die schützenden Rentierfelle gekuschelt. Nur ab an hört man von ihr einen Jauchzer der Begeisterung.

Wir gleiten durch die unberührte, einsame Schneelandschaft.
Nur wir, der knirschende Schnee, die hechelnden Hunde und der Geist der Wildnis.
Das ist ganz großes Kino!
 
Wir verlassen den schützenden Wald und der Wind wird spürbar kälter und stärker. Die Kälte hüllt mich immer mehr ein, der Fahrtwind fährt mir so eiskalt ins Gesicht, das es vor Kälte bereits schmerzt. Langsam spüre ich auch meine Finger nicht mehr. Ich träume von heißem Tee.

Als hätte Juha meine Wünsche erhört, stoppen wir an einem Holzunterstand und machen eine Rast. Die Schlitten werden festgebunden und die Hunde dürfen sich ein wenig ausruhen.

Mitten in der Wildnis entfacht Yuha mit ein paar Holzscheiten in wenigen Augenblicken ein Feuer und schon bald knistern die Flammen. Wir sitzen auf den Rentierfellen aus dem Schlitten und strecken die Hände dem wärmenden Lagerfeuer entgegen.

Juha hat alles für Tee dabei: einen Kessel, Teebeutel und Tassen. Aber woher bekommen wir Wasser? Juha lacht über meine Frage und drückt Johanna den Topf in die Hand. Sie soll Schnee einfüllen, den wir auf dem Feuer schmelzen.
 

 
Schon bald umschließen unsere eiskalten Finger die heißen Teegläser. Herrlich! Das Feuer knistert und Juha erzählt uns von Huskys, von Rentieren, erzählt über das Urvolk der Samen und darüber wie das Leben heute in Lappland noch ist. Wir hören gespannt zu. Sogar Johanna ist still. 😀

Wir genießen das gemütliche Beisammensitzen. Trotzdem müssen wir irgendwann den Rückweg antreten. Die Hunde bekommen die Aufbruchsstimmung sofort mit und sind kaum zu halten.

Wir ziehen eine letzte Schleife und treten den Rückweg an.

Viel zu schnell ist die Fahrt vorbei.

Zurück auf der Farm, werden als erstes die Hunde versorgt und wir dürfen sie nochmal knuddeln.
 

 
Ich spüre Oberschenkel und Knie sowie eine, bis dahin nicht gekannte, Handmuskulatur. 😀
 
Fast 4 Stunden sind wir unterwegs gewesen und die Zeit verging wie im Flug. Viel zu schnell für uns, denn es macht wahnsinnig Spaß mit dem Hundeschlitten unterwegs zu sein!

Yuha fragt, wie es uns gefallen hat – Johannas Strahlen und mein breites Grinsen sagen alles.
 
 

Unser Fazit:

Die Tour mit den Huskys war ein Erlebnis, das wir niemals vergessen werden.
Mit einem Hundeschlittengespann durch die unberührte Natur zu fahren, zählt wohl zu den absoluten Highlights, die man als Naturliebhaber und Abenteurer erleben kann.
Bei einer Schlittentour kann man die atemberaubende Weite, die raue Wildnis und die unberührte Natur Finnlands von ihrer schönsten Seite kennenlernen.
 
 
Kannst du dir vorstellen mit einem Schlitten und Hunden durch den Schnee Lapplands zu ziehen?
Wäre so eine Husky Tour etwas für dich? Oder hast du schon mal eine Schlittenhunde Tour erlebt?
 
 

geschrieben von
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2 Kommentare

  • Ja, ja und leider nein, liebe Frauke 🙂
    Was für ein toller Bericht! Ich träume schon sehr lange von einer Schlittentour mit Huskies, am liebsten noch mit einer Runde Polarlichter schauen.
    Dennoch hätte ich einen ganz schönen Respekt davor, den Schlitten selbst führen zu müssen. Das hast du ja ganz prima gemeistert.
    Lappland ist ja recht groß. Würdest du eher die finnische oder schwedische Seite für Touren empfehlen? Hast du da weitere Tipps? Oder ist es eigentlich egal, wo man eine Tour macht? Gibt es auch lizensierte/ nachhaltige Touren?
    LG Sonja

    • Liebe Sonja,
      das Führen des Schlittens ist gar nicht so schwer. Nach der gründlichen Einweisung wusste ich nicht, wo mir der Kopf steht und ich hätte am liebsten einen Rückzieher gemacht. Aber einmal auf dem Schlitten – und alle Ängste waren weggeblasen. Die Hunde machen das nicht zum ersten Mal und sie wissen ganz genau, was zu tun ist. 🙂
      Eine Empfehlung ob finnisch oder schwedisch Lappland kann ich nicht geben. Ich kenne nur den finnischen Teil und den kann ich wirklich empfehlen. Ich bin mir aber sicher, dass sich auch auch der schwedische Teil perfekt für eine Husky-Tour eignet.
      Unsere Tour ist schon ein wenig her. Vor sechs Jahren war Nachhaltigkeit im Tourismus noch wenig präsent. Aber gerade Finnland hat in den letzten Jahren sehr viel getan. Mit ihrer wertvollsten Naturressource, dem Wald, gehen den Finnen behutsamer um, als je zuvor. Deshalb werden sicher heute auch nachhaltige Touren angeboten.
      Liebe Grüße
      Frauke

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