Schmeckt wie Himmel und stinkt wie Hölle

An dieser Frucht scheiden sich die Geister.
Die einen lieben sie, die anderen hassen sie! Die einen können gar nicht genug bekommen und die anderen schlägt sie in die Flucht.

Ahnst du schon welche Frucht gemeint ist? Die Durian!

Was, noch nie gehört? Doch bestimmt! In Deutschland ist die Durian wohl besser als Stinkfrucht bekannt. Und der Name ist Programm!
 
Aber wie soll man die Durian nur beschreiben? Ich versuche es einmal:

Einfach gesagt ist Durian eine Frucht, eine große, dornige Frucht. Aber sie ist nicht einfach eine weitere exotische und teure Frucht aus Südostasien. Nein!
Wegen des markanten Geruchs wird sie von europäischen Nasen gefürchtet und als „Stinkfrucht“ oder „Kotzfrucht“ bezeichnet. In Südostasien gilt sie jedoch als „König der Früchte“.
 
 

Durian – die Riesenkastanie

Durian gehört zu den größten und exotischsten Früchten der Welt und der Name der Frucht stammt vom malaysischen Wort duri für Dorn ab. Die malaysische Namensgebung ist sehr zutreffend, sieht eine Durian doch aus wie eine riesige Kastanie oder ein Football, allerdings mit großen und scharfen Stacheln.
 
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Durianbäume können über 30 m hoch und 150 Jahre alt werden.
Sobald die Früchte reif sind, fallen sie vom Baum, wobei die Stacheln wie eine Art Stoßdämpfer wirken. Durian-Früchte wiegen zwischen zwei und sechs Kilogramm. Man sollte also besser nicht unter einem Durianbaum stehen, wenn Erntezeit ist.
Geerntet wird übrigens immer zu zweit. Eine Person klettert auf den Baum und schneidet die Frucht ab, die zweite steht unten und fängt sie auf. Um die Dornenfrucht zu fangen, kommt ein Leinentuch zum Einsatz.
 
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Im Inneren der Frucht befinden sich 5 Kammern mit weichen Fruchtfleisch. Um daran zu kommen, wird zunächst die dicke, harte Schale durchtrennt. In jeder Kammer findet man kastaniengroße Kerne, die von einem rahmigen, essbaren Mantel umhüllt sind. Gegessen wird ausschließlich das gelbe Fruchtfleisch!
 
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Durian, die Stinkfrucht

Was den Einheimischen ein seliges Lächeln auf die Gesichter zaubert, lässt die meisten Touristen angeekelt die Nase rümpfen. Die Früchte verbreiten einen unangenehmen, süßlich fauligen Geruch. Der Gestank erinnert uns an Limburger Käse, der zu lange in der Sonne lag, gepaart mit alten Socken, vergorenem Fruchtsaft und einer gammeligen Kopfnote.
Das die Frucht müffelt, geben sogar ihre Fans zu. Aber Geruch hin oder her, es gibt keine beliebtere Frucht in ganz Südostasien. Und die Dinge schmecken ja nicht immer, wie sie riechen (siehe Käse).

In Südostasien zählt die Durian wegen ihres Geschmacks zu den größten Genussmitteln, egal ob frisch, getrocknet, als Marmelade, im Kuchen oder als Eiscreme.
 
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Solange die Frucht geschlossen bleibt, ist der Geruch auch noch (einigermaßen) erträglich. Eine geöffnete Frucht reicht jedoch schon aus, um aus 100 Metern Entfernung Brechreiz auszulösen.
 
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In vielen Hotels wurde die Durian deswegen durch Hausverbote verbannt. Dort dürfen sie weder verkauft noch von Touristen mit auf die Zimmer genommen werden.
Setzt sich der Geruch nämlich erst einmal fest, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Deshalb ist es in Hotels üblich, bei Verstoß gegen das Durian-Verbot, das Zimmer für eine weitere Woche bezahlen zu müssen.

Auch viele Taxifahrer weigern sich Durians zu transportieren, denn der Duft in den Polstern lässt sich ebenfalls tagelang nicht weglüften.
In Flugzeugen und in der Singapurer U-Bahn sind die Früchte aus dem gleichen Grund verboten.

Überall findet man Schilder, die den Genuss der Durian, teilweise sogar unter Androhung von Strafe, an bestimmten Orten verbieten.
 
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Und wie schmeckt nun eigentlich Durian?

Entweder man mag Durian oder nicht.

Kaum einer kann jedoch genau beschreiben, wie sie wirklich schmeckt.

Nur wer sie zumindest einmal probiert hat, kann über den „König der Früchte“ mitreden. Denn nur wer sie einmal gegessen hat, weiß mehr über ihren Geschmack und wird ihr Verehrer oder Gegner.
 
Für uns war schon vor der Reise nach Südostasien klar, dass wir die Durian auf jeden Fall probieren werden.

Gezielt auf die Suche haben wir uns nicht gemacht. Aber schon am ersten Tag unserer 4-wöchigen Reise durch Singapur und Malaysia machen wir die Bekanntschaft mit dem „Stinker“. Leider auch nicht das letzte Mal. 😀

Wir sind unterwegs in den belebten Fußgängergassen von Chinatown in Singapur, als uns plötzlich ein unangenehmer Geruch in die Nase weht. Der Geruch klebt in der schwülen Luft, süßlich-faulig und penetrant.
Und dann entdecken wir die Verursacher: In Türmen aufeinandergestapelt lachen uns Durians von einem Marktstand entgegen.
 
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Vorsichtig treten wir näher. Geruch hin, Geruch her – wir möchten probieren.

Wir dürfen uns eine Frucht auswählen und mit Ernst und Würde zerlegt der Händler das stachelige Ding. Sorgfältig löst er den goldgelben Fruchtkörper aus der harten Schale und verpackt ihn für uns. Es riecht nach altem Käse, Erbrochenem, leicht vergoren und faulig.
 
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Mit der stinkenden Packung in der Hand suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen, um unsere Ausbeute zu genießen.

Aber schon beim Öffnen der Folie ist es kaum auszuhalten, der Gestank ist widerlich.

Und das sollen wir essen? So langsam kommen erste Zweifel.

Unsere Riechorgane werden überstrapaziert und schreien um Hilfe. Jojo verlässt der Mut. Sie möchte nicht auch noch ihren Geschmackssinn leiden lassen.

Furchtlos wage ich mich also allein an den Geschmackstest.

Schon beim Anfassen der Frucht überkommt mich ein weiteres Ekelgefühl. Das Fruchtfleisch stinkt nicht nur, es ist auch schmierig und matschig und erinnert von der Konsistenz an überreife Avocado. Ein Rückzieher kommt trotzdem nicht in Frage: Nase zu und durch!

Mutig beiße ich in das stinkende, weiche Etwas! Erst ganz vorsichtig, es schmeckt süß, und dann gleich noch ein zweites Mal. Es schmeckt immer noch süß, aber das müffelige Aroma tritt nun ganz deutlich hervor.
 

 
„Pfui!“ „Igitt!“

Die weiche, fettige Masse wird immer mehr in meinem Mund und klebt am Gaumen. Ich unterdrücke einen Würgereiz. Das muss ich nicht haben! Die Personen an den Nachbartischen sind mir in dem Moment ganz egal – ich spucke die Masse aus. Jojo kann sich vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten.

Mir dagegen ist (sorry für die Ausdrucksweise) zum Kotzen. Auf meiner Stirn haben sich Schweißperlen gebildet und keine Sekunde länger kann ich die stinkenden Teile in meiner Nähe ertragen. Ich flehe Jojo an, die Packung nebst Inhalt im weitest entfernten Papierkorb zu entsorgen. Ich versuche den schrecklichen Geschmack mit Wasser aus meinem Mund zu spülen. Funktioniert nur bedingt!

Und auch noch Stunden nach dem Verzehr gebe ich mit jedem Bäuerchen eine kleine Durianwolke von mir. 😀
 
Im Internet finden sich übrigens ein paar literarisch kraftvolle Beschreibungen über den Geschmack der Durian:
Während die Liebhaber behaupten, das Fruchtfleisch erinnert geschmacklich an karamellisierten Zucker oder an eine feine Sahnespeise mit Vanillearoma, schmeckt es für die Gegner wie Vanillepudding mit Zwiebelaroma oder noch besser wie vergammelter Vanillepudding, der durch einen Abwasserkanal getrieben wurde.

Ich fand es einfach nur ekelhaft und finde die Bezeichnung „Kotzfrucht“ sehr zutreffend.
 
 

Eine zweite Chance für die Durian

Nachdem der erste Versuch so missglückt ist, wollen wir der Durian aber noch eine zweite Chance geben. Vielleicht schmeckt sie ja als Eiscreme besser?

Diesmal opfert sich Jojo. Aber schon beim Auswickeln kommen auch ihr Zweifel. Der gammelige Geruch ist stark ausgeprägt. Das Eis riecht wie ein Müllhaufen.

Vorsichtig beißt sie ab und das Gesicht spricht Bände.

Auch die Eisvariante ist durchgefallen!
 

 
Inzwischen ist uns die ablehnende Haltung vieler Mitmenschen gegenüber der Durian verständlich. Das kann man nicht essen.

Vielleicht muss man in manche Liebhaberei einfach hineingeboren sein. Aber selbst ein Hardcore-Allesfresser, wie ich, outet sich als „Durian-Gegner“.
 
 
Unser Fazit:
Wir können der Frucht beim besten Willen nichts Positives abgewinnen. Im Gegenteil: Wir können Durian im wahrsten Sinne des Wortes NICHT RIECHEN und finden sie ZUM KOTZEN! 😃 😀
 
 

Solltest du Lust bekommen haben, die Durian selbst einmal zu probieren, dann beachte:

  • Die Frucht hat einen hohen Fettgehalt, ist vitaminreich und soll schnell satt machen.
  • Durian soll die Verdauung anregen. Da wir nur probiert haben, gab es keine besonderen Vorkommnisse. 😃
    Aber der Spruch: „Wenn du eine Durian isst, solltest du eine weite Hose anziehen“ sagt wohl alles.
  • Vorsicht: Durian in Verbindung mit Alkohol kann zu heftigen Magenkrämpfen führen.

 
 
Es ist wohl deutlich geworden, dass die Durian und wir nicht so dicke Freunde sind.
Hast du schon einmal probiert? Wie hat sie dir geschmeckt? König der Früchte oder Irrtum der Natur?
 
 

geschrieben von
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16 Kommentare

  • Hallo ihr zwei!

    Ich finde super, das ihr als Mutter-Tochter-Gespann die Welt unsicher macht! Total inspirierend 🙂 !!!
    Die Durian mag ich überhaupt nicht hahah sie schmeckt für mich richtig ekelhaft hahaha

    Liebe Grüße aus Argentinien,
    feli

  • Hallo,
    ich liebe Durian und mag sie frisch. Ich finde eure Schilderung zu übertrieben. Klar mal liebt oder hasst diese Frucht. Aber so entsetzlich riecht sie nicht.
    Ich essen sie immer gerne wenn ich in China unterwegs bin. Das mit dem Alkohol trifft übrigens nur dann zu, wenn man zu viel Alkohol dabei trinkt. Das ganz passiert genauso, wenn man Durian und Unmengen Cola trinkt.
    Lg
    Thomas

    • Hallo Thomas,
      für unsere Nasen riecht sie ganz schrecklich. Wir haben so ein feines Gespür für den Geruch entwickelt, dass wir sie wirklich auf 100 Meter Entfernung riechen konnten.
      Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass wir den Geschmack so gar nicht mochten.
      Wir werden der Durian auf jeden Fall noch einmal eine Chance geben, uns vom Gegenteil zu überzeugen.
      Liebe Grüße
      Frauke & Jojo

  • Hallo Ihr Beiden,

    mutig, mutig! Ich weiß nicht, ob meine Hand mit der stinkigen Frucht bis zum Mund gekommen wäre. Gesehen habe ich sie schon, probiert noch nie.

    Liebe Grüße
    Renate

    • Hallo Renate,
      ich will sie nicht schlecht reden, aber du hast nichts verpasst. 🙂 Aber vielleicht magst du sie ja? Ich staune wieviel Liebhaber es doch gibt.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Ich habe die Frucht noch nie probiert und bin bisher auch immer bewusst auf Abstand gegangen. Dank eurer mutigen Verkostung und die sehr aussagekräftigen Fotos (ich habe echt gut gelacht), bin ich mir sicher, ich werde ich die Durian auch zukünftig nicht probieren;) Danke, dass ihr mich davor bewahrt habt!

    Liebe Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGER X

  • Liebe Frauke,
    Ich bin ja eine konservative Essen, nehme mir aber auf Reisen vor, ganz viel zu probieren. Die Durian wird da aber auf keinen Fall nicht dabei sein. Mir ist schon beim Lesen schlecht geworden… Die Bilder waren aber sehr lustig!
    LG Diana

    • Liebe Diana,
      ich habe mich tatsächlich in diesem Sommer in Bangkok noch einmal an Durian gewagt (ich kann es einfach nicht lassen ).
      Aber es geht nicht – diese Frucht kann ich einfach nicht essen.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Wir haben die Durian vor zwei Wochen auf Bali probiert und sie hat uns wunderbar geschmeckt. Unser Guide hat Bauklötze gestaunt, da er noch keine Europäer getroffen hat, denen die Frucht schmeckt. 🙂 Er hat uns aber auch verraten, dass unsere Frucht frisch vom Baum war, daher das milde, fruchtige Aroma. Wenn sie älter wird, dann wird auch der Geschmack und Geruch intensiver. Dann kann ich mir eure Schilderung auch gut vorstellen. 🙂 Auf Märkten ist uns der schlechte Geruch nicht untergekommen, vielleicht hatten wir Glück und alle waren gerade frisch geerntet. 🙂 Wir sind daher Fans, an eine stinkende würde ich mich aber dann doch auch nicht rantrauen. 🙂

    • Danke für eure Schilderung! Das klingt tatsächlich lecker! 🙂
      Vielleicht sollten wir der Durian doch noch einmal eine Chance geben? Ich kann mir gut vorstellen, dass es wirklich etwas mit dem Reifegrad zu tun hat.
      Überreifes Obst schmeckt ja auch nicht.

      Liebe Grüße
      Frauke

  • Herrlich, der Beitrag. Ich bin zurzeit in Singapur und ich will die Durian tatsächlich probieren.
    Bin in Chinatown an einer Box mit den Früchten vorbeigelaufen und habe tatsächlich nichts gerochen. Und meine Nase ist sehr feinfühlig (ich konnte im Chemiestudium Anionen aufgrund ihres Geruchs nachweisen, den andere nicht ansatzweise wahrgenommen haben :D).

    Aber sehr schöner Bericht und sehr aussagekräftige Bilder 😀

    Liebe Grüße aus Singapur!
    Michelle
    gowhereyourhearttellsyoutogo.wordpress.com

    • Hallo Michelle,
      ich bin sehr gespannt, wie sie dir schmeckt.
      Ich habe in diesem Sommer in Bangkok auch gelernt, dass der Geschmack und vor allem der Geruch der Durian sehr vom Reifegrad, aber auch von der Sorte abhängen.
      Trotzdem werden wir wohl keine Freunde werden. 🙂
      Liebe Grüße
      Frauke

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