Cape Cross – nicht ohne Nasenklammer

Das Küstenstädtchen Swakopmund sollte auf keiner Rundreise durch Namibia fehlen. Die wohl südlichste deutsche Stadt ist eine charmante Mischung aus Nordseebad mit afrikanischer Bevölkerung und imposanter Dünenlandschaft. Das gesamte Stadtbild ist durch wunderschöne Kolonialbauten geprägt.

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Hast du Swakopmunds Jugendstilidylle am Rande der Namibwüste ausgiebig erkundet, lohnt sich ein Abstecher nach Cape Cross.

Wir haben Cape Cross auf der Durchreise zur Skelettküste besucht. Cape Cross liegt ca. 120 Kilometer nördlich von Swakopmund.

Hier findest du eine der größten Robbenkolonien im südlichen Afrika. Je nach Jahreszeit leben hier zwischen 80.000 und 100.000 Südafrikanische Seebären, auch Pelzrobben genannt.
Die Tiere haben das komplette Kap besetzt. Hier sind so viele Robben angesiedelt, weil der Plankton-Gehalt des kalten Benguela Stroms für hohe Fischbestände sorgt.

In dieser Anzahl stellen die Robben jedoch ein echtes Problem für die Fischerei dar, Robben fressen täglich etwa acht Prozent ihres Eigengewichts an Fisch. Dabei sind die weiblichen Tiere ca. 75 Kilogramm schwer, die Männchen bringen 200 Kilo und mehr auf die Waage.
Um eine Überpopulation und ein Überfischen zu verhindern, werden am Cape Cross jährlich Robben in größerer Anzahl getötet.
Das Culling, wie diese Populationskontrolle genannt wird, gehört in Namibia zum „normalen“ Umgang mit Wild.
Die Pforten der Robbenkolonie bleiben an solchen Tagen geschlossen, die „Robbenernte“ ist ein blutiges Handwerk und Besucher möchte man nicht dabei haben.
Im Büro liegt ein Faltblatt aus, das versucht, für die Maßnahme Verständnis zu erwecken.
 
 

Es stinkt!

Schon beim Aussteigen weht uns ein bestialischer Geruch entgegen.
Nasenklammern wären jetzt nicht verkehrt.
Der Gestank unzähliger Lagen übelriechender Robbenexkremente setzt selbst abgebrühten Geruchsorganen mächtig zu.

Geruch hin oder her – der Anblick von tausenden und abertausenden Tieren, die nebeneinander oder übereinander am Strand liegen, watscheln, kämpfen, röhren, dösen, schmusen oder in den Brandungswellen herumtollen, ist beeindruckend.

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Das Cape Cross ist zwar in erster Linie wegen der Robben berühmt, hat aber eine lange und interessante Geschichte.

Im Jahre 1486 ging der portugiesische Seefahrer Diogo Cão, er suchte einen Seeweg nach Indien, hier als erster Europäer an Land. Er errichtete, im Namen seines Königs, eine Steinsäule mit einem Kreuz, um Anspruch auf das Gebiet geltend zu machen. Lange Zeit blieb das Kreuz unbeachtet. Erst 1893 wurde das Original in der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika von Korvettenkapitän Gottlieb Becker entfernt, nach Deutschland verbracht und durch ein Holzkreuz ersetzt. Auch das Holzkreuz wurde zwei Jahre später durch eine Nachbildung aus Stein ausgetauscht.
Ende des 20. Jahrhunderts kam auf Grund privater Spenden ein weiteres, dem Original eher entsprechendes neues Steinkreuz hinzu, so dass sich heute am Cape Cross zwei Kreuze befinden.

Cape Cross (1)

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Infobox:

  • Cape Cross liegt nördlich von Swakopmund.
    Die Zufahrt erfolgt auf der Küstenstraße C34, die immer am Meer entlang führt. Die Straße ist nicht asphaltiert, sondern eine Salzstraße mit einer festen und gut zu befahrenen Oberfläche. Vorsicht jedoch bei Küstennebel, dann kann die Straße recht schlüpfrig sein.
    Nach ca. 110 Kilometern zweigt die Straße nach links ab und du folgst dem beschilderten Weg.
  • Am Eingang zum Park musst du ein Permit erwerben.
    Der Eintritt beträgt 40 N$/Person und 10 N$/Fahrzeug.
  • Das Reservat ist täglich von 8.00 bis 17.00 (16. November bis 30. Juni) und von 10.00 bis 17.00 (01. Juli bis 15. November) geöffnet.
  • Besucher können die Robben von einem 200 Meter langen Steg beobachten.
  • Ein Taschentuch kann als Nasen- und Mundschutz verwendet werden.

 
 
Hast du schon einmal Robben in freier Wildbahn gesehen? Schreibe uns in einem Kommentar.
 

Noch mehr Reiseberichte aus Namibia findest du hier.
 
 

geschrieben von
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3 Kommentare

  • Wir haben damals eine Whale Watching Tour vor Swakopmund gemacht und ebenfalls Robben auf einer riesigen Sandbank gesehen. Neben dem Gestank war es vor allem laut.
    In Alaska wurden wir auch fündig, neben vielen anderen eher seltenen Tieren wie Pagageientaucher.
    Kennt ihr See-Elefanten? Die gibt es an der Küste zwischen LA und San Francisco am Hwy 1… ebenfalls ganz faszinierende Tiere.
    Viele Grüße Sabine

    • Hallo Sabine,
      stimmt, neben dem Gestank war es vorallem laut.
      See-Elefanten sind wir noch nicht begegnet. Wir sind den Hwy 1 von San Francisco Richtung Norden gefahren. Entweder sind auf diesem Abschnitt keine oder sie haben sich nicht gezeigt. Schade! Stelle ich mir auch sehr beeindruckend vor.
      Liebe Grüße
      Frauke

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