Nichts für stille Wasser – Canyoning im Wadi Mujib

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Eine Serpentinenstraße führt uns vom King’s Highway hinunter ins Wadi Mujib.

Die Straße schlängelt sich vom 900 Meter hohen oberen Rand des Großen Grabenbruches, der vom Jordantal bis nach Ostafrika reicht, bis zum Ufer des Toten Meeres, 410 Meter unter dem Meeresniveau.

Damit ist das Mujib Naturreservat das tiefst gelegene Naturschutzgebiet der Welt und eine der faszinierendsten Landschaften in Jordanien. Nicht umsonst wird das Wadi Mujib, auch der „Grand Canyon Jordaniens“ genannt.
 
Schon beim Hinabfahren können wir einen ersten Blick auf die gewaltige Schlucht werfen.
 
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Doch auch hier gilt: Die Natur offenbart nur demjenigen seine Schönheit, der bereit ist sich anzustrengen. Ausschließlich zu Fuß sind die abgelegenen Teile des Reservates erreichbar.

Dabei dürfen die gefährlichen Routen durch die Schluchten jedoch nur in Begleitung eines erfahrenen Rangers unternommen werden.
 
Am Visitor Center informieren wir uns und entscheiden uns für eine Canyoning Tour.

„Für diejenigen, die Abenteuer und Natur bevorzugen, ist eine Wanderung durch das Wadi Mujib eine herausfordernde Aufgabe, die Körper und Geist verjüngt“ – so heißt es im Werbeprospekt. Das klingt doch gut!

Außerdem verspricht die Tour Nervenkitzel und erhöhten Pulsschlag – also genau das Richtige für uns.
 
Beim Buchen tritt jedoch ein Problem auf – für die Tour durch die Schlucht muss man mindestens 18 Jahre sein. Und nun?
Jojo kann ihre Enttäuschung nicht verbergen, das erweicht die Herzen der Ranger. Ich versichere ihnen außerdem, dass ich meiner Tochter diese Tour auf jeden Fall zutraue und so wird aus der „16“ eine „18“ gemacht. 😀
 
Nun steht unserem Abenteuer nichts mehr im Weg. Wir ziehen uns um und bekommen Schwimmwesten in die Hand gedrückt. Dann geht es los. Tarek, unser Guide, führt uns an der Rand der Schlucht.
 
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Auf zum Canyoning!

Über eine Leiter steigen wir hinab in die Schlucht.
 
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Rechts und links erheben sich die hohen Felswände, durch welche sich der Fluss Aron seinen Weg gebahnt hat.

Der Anfang beginnt mit einer leichten Wanderung im Flussbett. Wir waten im knietiefen, warmen Flusswasser voran.
Tarek führt unseren Mini-Trupp an, während wir ihm unsicher nachtasten, immer auf der Hut nach Untiefen und größeren Steinen, die sich zumeist unter der Wasseroberfläche verstecken.
 
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An manchen Stellen ist das Wasser bis zu vier Meter tief – dann ist schwimmen angesagt. Teile der Schlucht sind mit Kletterseilen gesichert. An die Seile geklammert stemmen wir uns gegen die Wände und ziehen uns durch die Wassermassen hinauf.
 
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Immer wieder gehen unsere Blicke nach oben, obwohl wir uns lieber auf die Stromschnellen unten konzentrieren sollten. Aber da sind die schwungvoll ausgewaschenen Felswände zur Rechten und Linken, Gesteinsschichten in allen Farben, die ineinander über fließen. Dies sei jedoch nichts im Vergleich zur Felsenstadt Petra, sagt Tarek voraus.
 
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Schilder warnen vor Strömungen und Strudeln, die an den Wasserfällen auftreten.

Einmal unachtsam und schon rutsche ich über die Steinkante eines Wasserfalls. Blaue Flecken und Abschürfungen zieren meine Beine für den Rest der Reise. Dabei sah die Strömung so harmlos aus!
 
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Nach ca. einer Stunde Wassertreterei erreichen wir das Ende der Schlucht. Vor uns erhebt sich eine 15 Meter hohe Wasserkaskade, für deren Anblick wir aber auch ordentlich strampeln mussten.

Tarek zeigt uns einen Zustieg und wir klettern direkt unter dem Wasservorhang. Das Wasser prasselt wie wild auf unsere Köpfe. Unglaublich, wie viel Kraft so ein kleiner Wasserfall haben kann.
 
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Nach einer Verschnaufpause machen wir uns auf den Rückweg. Und wieder heißt es: Abseilen, Klettern, Springen, Rutschen, Schwimmen und manchmal sogar Tauchen.

Wir klettern aus dem Wasser. Aus den Schuhen läuft das Wasser und es schmatzt bei jeder Bewegung. Wir sind nass bis auf die Knochen. Aber es hat sich gelohnt!

Wir sind begeistert! Das Prospekt hat nicht zu viel versprochen – das Wadi Mujib ist wirklich eine der spektakulärsten Naturlandschaften in Jordanien.

Aber war die Wadi-Tour jetzt wirklich ein Jungbrunnen? Wir fühlen uns auf jeden Fall so. 😀
 
 

Unser Fazit:

Diese Tour war definitiv das Highlight unserer Reise! Es war der Hammer und wird uns immer in Erinnerung bleiben.

Wenn dir nasse Schuhe beim Laufen, Klettern über Felsabbrüche oder Schwimmen durch felsumrahmte Wasserbecken nichts ausmachen, dann wirst du beim Canyoning im Wadi Mujib einen unvergesslichen Abenteuertrip erleben.
 
 

Infobox:

  • Ausgangspunkt der Canyoning Tour ist das Visitor Center, welches sich, gut ausgeschildert, an der Dead Sea Road befindet.Wadi Mujib_Jordanien_Canyoning (13)
  • Gute Kondition und eine kleine Portion Mut sind Voraussetzung für diese Tour. Du solltest auch nicht wasserscheu sein.
  • Lass alles Unnötige im Wagen, da dir das Wasser teilweise bis zum Hals steht. Kamera, Handy oder ähnlich empfindliches Gerät solltest du nur in einem wasserfesten Schutz mitnehmen, um es eventuell schwimmend voran zu bringen.
  • Trage Kleidung, die schnell trocknet.
  • Schuhe sind zwingend notwendig! Dabei sind Turnschuhe, die nass werden können, besser als festes Schuhwerk. Meine Wanderschuhe haben zwei Tage zum Trocknen gebraucht.
  • Bei unsicheren Wetterlagen, z.B. nach heftigen Regenfällen, können sich reißende Sturzfluten bilden. Dann wird der Zugang gesperrt.
  • Die Saison ist, je nach Wasserstand, von April bis Oktober.
  • Für die ca. 3-stündige Tour haben wir 38 JD (ca. 49 €) pro Person bezahlt.

 
 
Warst du schon einmal beim Canyoning? Welchen Canyon sollte man unbedingt erkunden? Wir freuen uns über einen Kommentar von dir.
 
 

geschrieben von
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