Welcome to the Jungle -Trekkingtour im Dschungel Sumatras / Teil 2

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Unsere Trekkingtour durch den Dschungel Sumatras geht weiter …
(Was bisher geschah, erfährst du hier.)
 
 

Dschungel-Trekking in Bukit Lawang – Tag 2

Ein neuer Tag bricht heran, vorsichtig öffnen wir die Augen und schließen sie wieder: Kein Traum!
Wir liegen auf harten Matratzen, unter einer Plane, mitten im Dschungel Sumatras.

Die Erinnerungen an den vergangenen Tag erscheinen vor unseren Augen und zaubern uns ein Lächeln aufs Gesicht.

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Der Duft von frischem Kaffee treibt uns von den Matratzen.
Noch hängt der Morgennebel über dem Fluss und verbreitet eine märchenhafte Atmosphäre. Die Luft ist feucht und ein modriger Geruch steigt uns in die Nasen.
Überall um uns herum zwitschert und zirpt es. Die Natur gibt ihr Morgenkonzert.

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Schnell löst sich der Nebel auf und gibt den ersten Sonnenstrahlen den Weg frei. Wo sie durch das Dickicht der Baumwipfel dringen, spüren wir die Kraft ihrer Wärme.
Vergessen sind die Kälte der Nacht und die Strapazen des vergangenen Tages. Wir freuen uns auf einen weiteren Tag im Dschungel.

Während wir eine Katzenwäsche im Fluss machen, bereitet unsere Crew bereits das Frühstück vor.

Alle versammeln sich wieder auf dem Isomatten-Feld und jeder bekommt ein Sandwich serviert. Die Crew hat sich richtig Mühe gegeben. Toast, Käse, Gurken, Tomaten, Ei –köstlich! Dazu ein leckerer Obstteller!

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Ausgeruht, gestärkt und hoch motiviert machen wir uns auf den Weg. Was uns wohl heute erwartet?

Der Tag beginnt wie der letzte aufgehört hat: Höllische Anstrengung und zur Belohnung noch mehr Affen sehen.

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Kaum haben wir das Camp verlassen, begegnen wir einer Herde der sehr scheuen Siamang Monkeys. Dies ist sogar für unseren Guide Tambrin eine seltene Begegnung.
Der Siamang gehört zur Familie der Gibbons und ist der größte und schwerste Vertreter seiner Gattung. Man erkennt den Siamang an seinem tiefschwarzen Fell und dem großen, aufblähbaren Kehlsack. Dieser geblähte Kehlsack dient dem Affen als Resonanzboden für seine lauten Gesänge – so markiert er sein Revier.

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Wir marschieren weiter. Auch heute verlangt die Wanderung wieder alles von uns ab.
Es geht Berg auf und Berg ab. Berg auf und Berg ab. Auf allen Vieren hieven wir unsere müden, schwitzenden Körper die Berge hinauf, teilweise rutschen wir auf dem Popo wieder hinab. Wir helfen und stützen uns gegenseitig und es gibt nur einen Weg: Vorwärts! Wir wollen noch mehr sehen und erleben!

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Ganz plötzlich stoppt Tambrin – ein Orang Utan versperrt uns den Weg.
Der Affe läuft zielgerichtet auf uns zu und scheint ziemlich schlecht gelaunt zu sein. Was hat er vor?
„If I say run, you have to run as fast as you can!” Jetzt ist es soweit. Wir rennen. “Run!” “Run!” “Faster!”
Das ist kein Spaß mehr. Wir bekommen es mit der Angst zu tun und laufen so schnell wir können.
In sicherer Entfernung bleiben wir stehen. Unser Guide hat sich mit einem Ast bewaffnet und versucht den Orang Utan in die andere Richtung zu treiben. Das gefällt ihm gar nicht. Wütend greift er nach dem Stock.

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Tambrin kann sich gerade noch hinter einem Baum verstecken. Inzwischen haben unsere Helfer Früchte aus ihren Rucksäcken geholt und werfen diese in den Wald. Eigentlich sollen die Orang Utans nicht gefüttert werden. Das lockt sie auf den Boden und da gehören sie nicht hin.
Aber keine Regel ohne Ausnahmen!

 
Einige der Orang Utans sind „halb-wild“. Sie wurden ausgewildert, als es verboten wurde sie als Haustiere zu halten. Sie wissen ganz genau, was die Guides in ihren Taschen verstecken und kommen auf den Boden, um ihr Futter einzufordern. So auch dieses Affen-Männchen.

Und es funktioniert – mit dem Obst können wir ihn ablenken und besänftigen. Vorsichtig ziehen wir uns weiter zurück und schlagen einen anderen Weg ein.

Was für ein Gefühl! Wir haben uns hilflos und ausgeliefert gefühlt. Dieser Affe hat uns gezeigt, wer der Herr des Waldes ist.
Schwer beeindruckt ziehen wir weiter.
 
Schon hinter der nächsten Biegung wartet ein weiteres Abenteuer. „Wir betreten jetzt Minas Revier” warnt uns Tambrin.
Von Mina haben wir schon so einiges gehört.
Im Gegensatz zu ihren sonst meist friedlichen Artgenossen gilt die Orang Utan-Dame als äußerst aggressiv. Wenn das unberechenbare Weibchen losläuft, bekommen es selbst altgediente Guides mit der Angst zu tun. Schon mehrmals griff sie Besucher an.

Als wir Minas Reich betreten, mahnt uns Tamnbrin zur Eile, als ahne er schon, dass Mina nicht weit ist. Die Stimmung ist angespannt. Tambrin hält angestrengt Ausschau. „STOP! Da ist Mina!
Wir erhaschen einen ersten Blick. Mina hängt in den Ästen. Sie beobachtet jede unserer Bewegungen.

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Tambrin gibt uns Zeichen, langsam zurück zu gehen. Zu spät – Mina kommt auf uns zu und streckt die Hand aus, als würde sie sagen: „Nun macht schon! Gebt mir Früchte!“
Sie weiß ganz genau, dass sie auf diese Art an frisches Obst gelangen kann.
Jetzt werden wir richtig nervös. Nur Mina bleibt ganz entspannt und lässt sich sanft mit Obst vom Weg weglocken.

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Glück gehabt! Wir können zügig weiterziehen. Damit sie uns nicht verfolgt, lassen wir ihr noch eine kleine Ration Früchte da.
 
Schon wenig später sehen wir auf einer Lichtung die nächsten Affen von Ast zu Ast springen. Diesmal sind es Weißhandgibbons, die man gar nicht so häufig im Gunung Leuser Nationalpark sieht. Ihren Namen verdanken die Gibbons dem weißen Fell an Händen und Füßen.
Die Gibbons erinnern uns an griechische Athleten. Sie sind wahre Weitspringer. Mit einem einzigen Satz können sie Baumlücken von bis zu zehn Meter überwinden.

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Am späten Nachmittag haben wir dann noch ein unglaubliche Begegnung. Wir treffen auf Jacky, einen ganz besonderen Orang Utan. Jacky wurde zwar vor einigen Jahren erfolgreich in die Wildnis integriert, sucht aber immer wieder die Nähe der Menschen.
Als sie uns erblickt, kommt sie direkt auf uns zu und streckt die Hand nach mir aus. Etwas ledrig und ziemlich stark behaart. Was soll ich tun? Gern würde ich ihr die Hand reichen, doch ich wage es nicht.
Wieder schwingt die Hand des Orang Utans vor meiner Nase auf und ab. Fragend sehe ich Tambrin an. Er reicht mir eine Mango, die ich Jacky vorsichtig überreiche. Zum Dank bekomme ich eine feuchte klebrige Umarmung.

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Zärtlich nimmt sie meinen Arm und ihre dunkelbraunen Augen blickten direkt in meine.
Ich bin überwältigt. Der direkte Kontakt mit dieser Affendame berührt mich zutiefst. Es ist eine der ergreifendsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.

Jacky lässt sich geduldig von uns fotografieren und bestaunen. Wir sind fasziniert von ihrer Schönheit: Das zottelige orangerote Fell, die feinmotorischen langen schwarzen Finger, das dem Menschen so ähnliche Gesicht. Schon viele Male haben wir Orang Utans auf irgendwelchen Bildern gesehen, aber es ist etwas völlig anderes, einem Orang Utan live in die Augen zu schauen. Wie viel Mensch steckt in so einem Tier?

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Wir könnten ihr ewig zusehen. Aber Tambrin zeigt auf die Uhr. Noch ist unser Camp nicht in Sicht und (wie schon am vorigen Tag) steht uns ein anstrengender Abstieg ins Flusstal bevor.

Wie wir später erfahren, hat Tambrin einen besonders schwierigen Weg zum heutigen Nachtcamp für uns gewählt. Ein Camp, welches auch gern von anderen Gruppen angesteuert wird. Um nicht über die platt getrampelten Pfade zu steigen, führt er uns mitten durch den dicht wuchernden Dschungel.
An Pflanzen klammernd, immer wieder ausrutschend, auf dem Hosenboden schlitternd, kraxeln wir hinab. Als wir unten ankommen, werfen wir uns einfach nur keuchend auf dem Boden.

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Der Tag war besonders heiß und unser Wasser ist schon seit Ewigkeiten aufgebraucht. So sehr haben wir noch nie geschwitzt – unsere Klamotten sind mit Schweiß, Luftfeuchtigkeit und Dreck durchtränkt.
Die Beine zittern und die Füße können uns kaum noch tragen. Wir sind am Ende unserer Kräfte.
„In hundert Metern sind wir am Fluss!“ Wie in Trance stemmen wir unsere erschöpften Körper hoch und schleppen uns zum Ufer.
Wir reißen uns die nassen Klamotten vom Körper und tauchen langsam ins kalte Wasser ein. Wellness pur! So fühlt es sich jedenfalls an.

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Unser heutiges Camp ist wahrlich luxuriös – ein Holzunterstand mit „extradicken“ Isomatten (mindestens 8 Zentimeter 😀) und für jeden ein Moskitonetz.
Hinter der Hütte gibt es sogar eine Toilette (ein Loch im Boden, mit ein paar Planen als Sichtschutz).

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Welch Komfort! Einziger Nachteil: Wir sind nicht allein. Entlang des Flusses stehen noch einige Baracken und die meisten scheinen belegt.

Auch heute wird das Abendessen am Flussufer serviert. Die Crew bringt eine Schüssel nach der anderen. Reis, Gemüse, Hähnchen, Curry und als besondere Überraschung für jeden ein kühles Bier. Was für ein Festmahl!

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Nach dem Essen lassen wir uns von der unerschöpflichen Energie unseres Guides überzeugen, noch einmal unsagbar alberne, aber sehr lustige Spiele, zu spielen.

An diesem Abend ist das Einschlafen kein Problem. Niemand achtet auf die Geräusche des Dschungels. Wir fallen todmüde auf unsere Matratzen und schon nach kurzer Zeit schlafen alle tief und fest.
 
 

Dschungel-Trekking in Bukit Lawang – Tag 3

Unseren letzten Dschungeltag lassen wir ganz ruhig angehen. Wir können ausschlafen.
Einen Frühaufsteher, wie mich, ziehen trotzdem die ersten Sonnenstrahlen von der Matte.

Während die anderen langsam wach werden, erkunde ich ein wenig die Gegend. Aber außer ein paar Äffchen, die in den Bäumen turnen und einem Waran, der die ersten Sonnenstrahlen am Flussufer genießt, begegnet mir niemand.

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Nach einem weiteren coolen Dschungel-Frühstück kämpfen wir uns flussaufwärts ans andere Ufer. Dort soll uns eine Überraschung erwarten.
Gar nicht so einfach! Die Strömung ist so stark, dass wir kaum stehen können. Wir halten uns an den Händen und gemeinsam schaffen wir es, die rutschigen Felsen zu bezwingen.
Am Ufer angekommen sind es nur noch wenige Meter bis zu einem Wasserfall und einer kleinen schönen Lagune. Himmlisch! Wir zögern nicht lange und springen hinein. Eine Oase mitten im Regenwald!
Auch wenn das Becken nicht groß ist, haben wir einen Heidenspaß.

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Tambrin hat in der Zwischenzeit Blätter gesammelt und Erde angerührt. Jeder bekommt eine typische Dschungel-Bemalung nebst Outfit. „Jungle Queens!“ 😉

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So langsam endet unser Dschungel Abenteuer.
Zurück im Camp gibt es noch einen letzten grandiosen Obstteller. Danach packen wir unsere Siebensachen zusammen (wasserfest diesmal) und treten den Rückweg an. Heute erwartet uns jedoch keine weitere beschwerliche Wanderung – die letzte Etappe fahren wir mit dem „Dschungel-Taxi“.

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Die Crew hat aus LKW-Reifen ein Schlauchboot zusammen gebaut. Alles wird wasserfest verstaut und dann dürfen wir einsteigen. Die Guides übernehmen das Steuer und manövrieren uns sicher durch die brodelnden Stromschnellen. Zur Melodie von Jingle Bells singen wir alle lautstark: „Jungle trek, jungle trek in Bukit Lawang. See the monkeys, see the birds, see Orang Utan.“

Nach knapp 20 Minuten endet die lustige Rafting-Tour und mit ihr das unvergessliche Abenteuer im Gunung-Leuser-Nationalpark!

Wir genießen die letzten Stunden im Thomas Retreat und verabschieden uns am nächsten Morgen von der gesamten Crew und Bukit Lawang. Uns erwartet das nächste Ziel: die Insel Samosir im Toba See.
 
 

Unser Fazit:

Die Reise nach Bukit Lawang auf Sumatra war DAS Highlight unserer Reise durch Indonesien und wir können dir diese Tour unbedingt empfehlen.

Orang Utans in freier Wildbahn zu sehen ist ein großes Geschenk. Wir sind dankbar und froh, dass wir die rothaarigen Bewohner des Dschungels (noch) in ihrem ursprünglichen Lebensraum erleben durften. Die Begegnung mit den Tieren werden wir unser Leben lang nicht mehr vergessen.

Jeder Schweißtropfen und jeder Cent hat sich gelohnt und mit Tambrin haben wir den perfekten Guide für dieses Abenteuer gefunden.
 
 
Wir hoffen, wir haben dir mit diesem Beitrag ein wenig Lust auf den Dschungel von Sumatra gemacht.
Falls du auch eine Trekking Tour zu den letzten frei lebenden Orang Utans planst, findest du hier alle wichtigen Informationen.
 
 
Hast du schon mal einen Orang Utan im Dschungel gesehen? Oder steht dieses Erlebnis auf deiner Wunschliste? Kannst du dir vorstellen, auch einmal ein paar Tage im Dschungel zu verbringen?
 
 

geschrieben von
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