Im Dschungel von Sumatra – Trekkingtour zu den letzten freilebenden Orang Utans

Ein Knacken in der Baumkrone. Es raschelt! In den Baumwipfeln bewegt sich etwas.

Unsere Blicke gehen nach oben. DA! Da sitzt er, halb verdeckt vom Blätterwerk der Bäume. Starrt uns einfach nur an. Dann erhebt er sich langsam, greift nach einer Liane, schwingt sich kraftvoll zum nächsten Ast und ist auch schon wieder verschwunden.

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Willkommen im Urwald von Sumatra!
Dies ist sein Revier, sein Dschungel, sein Lebensraum. Wir sind nur Gäste.
 

Wenn Träume wahr werden

Manchmal entdeckt man durch Zufall Bilder oder Berichte von Orten, die einen sofort in ihren Bann ziehen und vom ersten Moment an faszinieren.
Und je mehr man darüber hört und liest, umso größer wird die Sehnsucht diesen Ort einmal zu besuchen.
So ein Ort war für uns Sumatra oder genauer gesagt der Gunung Leuser Nationalpark im Norden Sumatras. Warum? Welcher Reiz geht von diesem Ort aus? Orang Utans!
Viele Gelegenheiten, die vom Aussterben bedrohten Menschenaffen in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen, gibt es nicht mehr.
Sie leben nur noch im Regenwald von Sumatra und auf Borneo.
 
Damit stand schon vor unserem Abflug nach Südostasien fest: wir wollen Orang Utans sehen!
Dieser Wunsch ist tatsächlich in Erfüllung gegangen. Auf einer drei-tägigen Trekkingtour durch den Dschungel sind wir unseren „Cousins und Cousinen“ ganz nah gekommen und durften die rotbraunen Menschenaffen aus nächster Nähe bewundern.
 
 
Aber fangen wir doch ganz von vorn an …
 

Der holprige Weg nach Bukit Lawang

Sumatra ist die zweite Station unserer 5-wöchigen Reise durch Südostasien.
Von Bangkok fliegen wir mit Air Asia nach Medan, der Hauptstadt von Sumatra.
Der Name von Indonesiens drittgrößter Stadt fällt manchmal, wenn sich Reisende über die schlimmsten von ihnen besuchten Orte unterhalten. Damit ist für uns klar, dass wir in Medan keinen Stopp einlegen, sondern der Stadt umgehend den Rücken kehren.
Am Flughafen werden wir praktischerweise auch bereits von einem Fahrer erwartet, den wir im Vorfeld gebucht haben.

Die Fahrt zieht sich ins Unendliche.
Bukit Lawang ist nur ca. 100 Kilometer vom Flughafen Medan entfernt, dennoch fahren wir mehr als 4 Stunden. Was auf der Landkarte wie ein Katzensprung aussieht, erweist sich in der Realität als kurvige, mühselige, langwierige Autofahrt über Stock und Stein. Nachdem wir uns durch Medan gequält haben, liegen Straßen vor uns, die wir in Deutschland nicht einmal als Feldwege bezeichnen würden. Im Schneckentempo bahnen wir uns einen Weg um die, teils metergroßen, Schlaglöcher.
 
Dabei schauen wir fassungslos auf die riesigen Palmölplantagen, welche kilometerweit rechts und links an uns vorbeiziehen.

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Diese Plantagen sind der Hauptgrund für die Regenwaldzerstörung in Indonesien und Malaysia. Durch Brandrohdung und illegales Abholzen schafft man sich Raum für die Anpflanzungen von Ölpalmen.
Schokolade, Margarine, Kosmetika, Kerzen, Wasch- und Putzmittel: Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl für die Herstellung unzähliger Alltagsprodukte. Die massive Ausdehnung der Plantagen seit Mitte der 90er Jahre wird unter anderem aus Europa unterstützt.
Allein in Indonesien wachsen Ölpalmen auf zehn Millionen Hektar (Stand: 2014, Quelle: SOB), das ist ein Viertel der Fläche von Deutschland. Bis 2025 sollen es 26 Millionen Hektar werden – eine unvorstellbar große Fläche.

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Ankunft in Bukit Lawang

Bukit Lawang bedeutet “Eingangshügel”. Wie treffend! Der kleine Ort gilt als Tor zum Gunung Leuser Nationalpark. Mit rund 9.000 km² Fläche ist dieser eines der größten Naturreservate Indonesiens und (noch) Rückzugsort für viele bedrohte Tierarten. Neben dem seltenen Sumatra-Tiger leben im Park auch ca. 60 – 80 der letzten Sumatra-Nashörner.

Die meisten Besucher kommen jedoch nach Bukit Lawang um bei einer Trekking Tour „Waldmenschen“ zu beobachten.
Denn nichts anderes bedeutet Orang Utan – „Die Menschen des Waldes“.

Auch Orang Utans zählen zu den bedrohten Tierarten. Hauptgrund dafür ist neben dem Verlust ihres Lebensraumes die Jagd und vor allem der illegale Handel mit Jungtieren, die als Haustiere gehalten werden.
Deshalb wurde 1973 in Bukit Lawang eine Rehabilitationsstation für Orang Utans eröffnet. Aus der Gefangenschaft befreite Affen sollten wieder ausgewildert werden.
Das Zentrum war ein großer Erfolg – inzwischen leben wieder einige Tausend Orang Utans im Gunung Leuser Nationalpark.
Ausgewildert wird hier zwar seit einigen Jahren nicht mehr und auch die Fütterungsplattform ist inzwischen geschlossen, aber immer noch können Touristen zu Dschungeltouren aufbrechen, um sich auf die Suche nach den rothaarigen Menschenaffen zu begeben.
Und die Chancen tatsächlich Orang-Utans zu Gesicht zu bekommen sind groß.
 
Bukit Lawang selbst ist eine idyllische kleine Siedlung im engen Flusstal des Bohorok. Der Ort besteht im Wesentlichen aus Unterkünften, Shops und Essensständen und ist auf die Bedürfnisse von Reisenden eingerichtet. Mit einer Ausnahme: Es gibt keinen Geldautomaten (Juli 2017). Du solltest also ausreichend Bargeld mitbringen.
Direkt hinter den Häusern erhebt sich dichter Urwald wie eine steile, grüne Wand.

Als wir aus dem Auto steigen, werden wir schon von einem Guide erwartet, der uns zu unserer Unterkunft begleitet.
Die Unterkunft liegt auf der anderen Seite des Flusses, zu erreichen über eine Brücke, die irgendwie nicht den stabilsten Eindruck macht.
Leider jedoch der einzige Weg um auf die andere Seite zu kommen. Der Guide beachtet unser Zögern und die ängstlichen Blicke, die wir uns zuwerfen, in keiner Weise. Todesmutig läuft er über die Brücke. Was bleibt uns über? Wir folgen ihm.

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Das Thomas Retreat in Bukit Lawang

Wir haben uns im „Thomas Retreat“ einquartiert (und es nicht bereut).
Auf das kleine Retreat sind wir durch einen Bericht im Internet aufmerksam geworden.
Bereits der erste Eindruck ist super. Das Thomas Retreat liegt direkt am Fluss und von der Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf das Wasser und den dahinter liegenden Wald.

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Unser Zimmer ist einfach, aber für Regenwald-Verhältnisse komfortabel eingerichtet, mit eigenem Bad und Dusche. Die fehlende Toilettenspülung und heißes Wasser vermissen wir überhaupt nicht. Im Gegenteil, mit so viel Luxus haben wir gar nicht gerechnet und sicher nicht für läppische 13 Euro.

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Ankommen im Regenwald von Sumatra

Wir beziehen unser Zimmer und setzen uns dann mit Thomas, dem freundlichen und sehr lustigen Inhaber des Retreats, zusammen, um unsere Dschungel-Tour zu planen.
Von einer 3-stündigen Wanderung, über Tages-Touren bis zur mehrtägigen Trekking-Tour ist alles möglich.
Wir entscheiden uns für eine 2-Tages-Tour mit einer Übernachtung im Regenwald. (Dass daraus am Ende 3 Tage mit zwei Übernachtungen werden, ahnen wir in diesem Moment noch nicht.)
Wählen können wir außerdem zwischen einer privaten Tour oder einer Tour in kleiner Gruppe.
Wir überlegen nicht lange, es macht sicher wenig Spaß allein durch den Dschungel zu wandern und wir schließen uns einer Gruppe an.

Den Rest vom Nachmittag haben wir zur freien Verfügung. Da wir nicht auf der faulen Haut liegen wollen, ziehen wir los um Bukit Lawang ein wenig näher zu erkunden.
Aufgrund des Sonntages sind viele einheimische Ausflügler aus Medan im Ort. Sie sitzen gemütlich auf den Felsen, schlendern über die Hängebrücken, picknicken am Ufer, planschen im Fluss oder kommen auf Rafting Tubes angesaust.


Immer wieder werden wir höflich, fast schüchtern, angesprochen und um ein Foto gebeten. Fotos mit Europäern sind heiß begehrt. Wir posieren geduldig vor allerlei Handykameras und freuen uns darüber, wie viel Freude wir auslösen können.


Am Abend lernen wir dann unsere Mitstreiter kennen. Da sind Maria und Don aus Spanien, Melissa und Hannes aus Belgien sowie Hanna und Merlin, die Wahlösterreicher.
Alle sind sehr nett und super locker. Wir verstehen uns auf Anhieb und freuen uns auf den gemeinsamen Trip.
 
 

Dschungel-Trekking in Bukit Lawang – Tag 1

Um 9.00 Uhr werden wir von Tambrin, unserem Guide, und zwei Helfern abgeholt. Im Gänsemarsch ziehen wir los Richtung Wald.

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Das diese Tour kein leichter Spaziergang werden würde, war uns klar. Dass es so anstrengend wird, darauf waren wir nicht vorbereitet. Schon nach kurzer Zeit sind wir schweißgebadet, unsere Klamotten kleben an der Haut und wir schnappen nach Luft.

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Es geht auf und ab, hoch und runter. Das Terrain ist schwierig – wir klettern über abgebrochene Äste, kämpfen uns durch Schlamm und Geröll. Dabei halten wir uns an Wurzeln fest und seilen uns an Lianen ab.
Es ist heiß und die Luftfeuchtigkeit liegt gefühlt bei 120 Prozent.

Nach ca. anderthalb Stunden wandern und klettern auf völlig naturbelassenen Pfaden kam der erste magische Moment.
Tambrin reißt plötzlich den Arm hoch und bringt uns alle mit einem „Psst!“ zum Schweigen. Sofort kommt alles zur Ruhe. Wir stoppen! Gespannt horchen wir in den Wald hinein.

Eine Bewegung in den Baumwipfeln über uns. Unsere Blicke gehen nach oben. Ein Orang Utan! Da sitzt er, halb verdeckt vom Blätterwerk der Bäume. Starrt uns einfach nur an.

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Ein unbeschreiblicher Augenblick!
Unbewegt, aus Angst ihn zu verjagen oder gar zu provozieren, stehen wir auf der Stelle, staunen und halten den Atem an.
Dann erhebt sich der rothaarige Koloss, greift nach einer Liane, schwingt sich langsam zum nächsten Ast und ist auch schon wieder verschwunden.

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Tambrin erklärt uns so einiges über das Leben der Orang Utans und ihre Gewohnheiten.

Orang Utans sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Genetisch stimmen sie mit dem Menschen zu 97 Prozent überein. Auf ein Kräftemessen sollte man es aber besser nicht ankommen lassen: Ein ausgewachsenes Orang Utan-Männchen kann bis 1,50 Meter groß und 200 Kilo schwer werden. 2,30 Meter Armspannweite, Greifhände und -füße machen ihn zum König des Dschungels.
Orang Utans sind die größten und schwersten in den Baumkronen lebenden Tiere. Zur Nachtruhe errichten sie sich ein Nest aus Blättern, das sie meist nur ein einziges Mal benutzen. Den Boden betreten sie selten. Dort lebt ihr natürlicher Feind, der Sumatra-Tiger.
Orang Utans sind Einzelgänger. Dauerhafte Bindungen gibt es nur zwischen Weibchen und Jungtieren. Die Mutter ernährt und beschützt ihr Kleines, ist Kletterlehrerin und Instrukteur für alle Lebenslagen. Drei Jahre lang trägt sie das Affenbaby, bis zum fünften Jahr stillt sie es. Erst ab dem siebten oder achten Lebensjahr gehen die beiden getrennte Wege. Damit haben die Waldmenschen die niedrigste Vermehrungsrate aller Säugetiere.
In der Wildnis werden sie nur selten älter als 40 Jahre.
 
Es dauert nicht lange und Tambrin führt wieder den Finger an die Lippen. Psst!
Keine 3 Meter von uns entfernt hängt eine Orang Utan-Mama mit ihrem Baby im Baum und kaut genüsslich auf ein paar Blättern. Uns beachten die Beiden gar nicht. Das übermütige Affenjunge schwebt an Lianen über unseren Köpfen vorbei. Noch ein wenig unsicher, aber mit großer Neugier, erkundet es seine Umgebung. Mama lässt das Kleine keine Minute aus den Augen und verfolgt jeden „Schwung“.

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Erst als die Orang Utans sich verabschieden und nicht mehr zu sehen sind, geht unsere Wanderung weiter.

Nach circa 3 Stunden Fußmarsch und viel schwitzen machen wir eine erste große Pause. Bananen, Melonen, Ananas, Passion Fruits und Orangen en Masse! Eine willkommene Stärkung für die noch kommenden Kilometer.

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Die Früchte locken auch freche Makakenäffchenen an.
Die Makaken sind der Inbegriff des dreisten Affen. Scheu kennen sie nicht und mit den großen Eckzähnen können sie durchaus gefährlich werden. Dabei geht es ihnen aber meist nur um das Essen, das man bei sich hat.
Auf der Suche nach Nahrung trauen sie sich ganz nah an den Menschen heran. Sie sind leidenschaftliche Früchte-Esser und blitzschnell bedienen sie sich an unserem Früchtebuffet. Mit der Beute flüchten sie in die nächste Baumkrone. Aus den Gesichtern spricht Schadenfreude über den Fang und unsere erschrockenen Mienen.

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ALT="Makaken Affe"
 

Dann geht es weiter. Auch die nächsten 2 Stunden geht es wieder querfeldein. Der Weg ist mühsam. Wir kämpfen uns durch das wirre Astwerk umgestürzter Bäume, bahnen uns Wege durch dichtes Gestrüpp und kriechen auf Knien durch Wurzellabyrinthe – jeden Moment darauf gefasst, einem Tiger in die Augen zu sehen. Natürlich bekommen wir keinen zu Gesicht. Aber wir entdecken frischen Kot.

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Mit jedem Schritt fühlen wir uns kleiner in diesem majestätisch anmutenden Lebensraum. Mit jedem Schritt werden die Zikaden lauter und der Dschungel dichter.
Wir sehen Riesenameisen, die zwei Zentimeter oder größer sind. Wir sehen Blätter, so groß, dass man sich bei Regen unterstellen kann. Manche Zweige haben Dornen, so lang, dass man sie als Schaschlikspieße nutzen könnte. An manchen Stellen ist der Dschungel so dicht, dass kein Sonnenstrahl das Blätterwerk durchdringen kann.

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Auf einer kleinen Lichtung fragt unser Guide plötzlich: „Who wants to swing? „What?“ – Er zeigt auf eine Lianenschaukel. Das muss er Jojo nicht zweimal sagen, Schwups hängt sie in der Schaukel und schwingt zwischen den Bäumen umher. So muss sich Tarzan gefühlt haben. 😃


Als wir dann einen Mittagsstopp einlegen, packen unsere Helfer für jeden eine große Portion Fried Rice mit Spiegelei aus. Köstlich! Ausgehungert stürzen wir uns darauf. Als Dessert gibt es frisch aufgeschnittene Ananas.


Zum ersten Mal an diesem Tag macht sich eine gewisse Müdigkeit in unseren Beinen bemerkbar. Jetzt wäre ein Mittagsschlaf angebracht.
Aber wir müssen weiter. Bis zu unserem Nachtlager liegt noch ein Stück Weg vor uns.
 
Bald schon sehen wir erneut eine Orang-Utan-Mama mit ihrem Baby. Es ist noch jünger als das erste und klammert sich mit aller Kraft an seine Mutter.

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Ein anderer Orang Utan thront hoch über uns, im obersten Wipfel des Baumes. Von Zeit zu Zeit fallen kleine Stücke Holz auf uns herab. Das ist wohl seine Art zu zeigen, wer hier der Boss ist. Es ist sein Revier, wir sind nur Gäste.

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Auf unserem Weg Richtung Camp treffen wir noch viele weitere Affen. Neben den frechen Makaken vor allem Thomas Leaf Monkeys. Die kleinen Affen mit den langen Schwänzen gehören zu den Mützenlanguren. „Punky Monkey“ nennen sie die Einheimischen. Der Grund dafür ist nicht zu übersehen: Ihr Irokesenschnitt – made by Mutter Natur.

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Einige Orang Utans, Makaken, Languren und Kilometer später sind wir am Ende unserer Kräfte. Wir sind jetzt fast 7 Stunden unterwegs.

„We are almost there“, Tambrin will uns Mut machen. Nur noch ein Abstieg! Nur noch!
Also werden die letzten Kräfte mobilisiert, das werden wir jetzt auch noch schaffen.
Zum Glück wissen wir nicht, wie anstrengend dieser letzte Abstieg sein wird.
Der Weg hinunter ist alles andere als einfach. „Nur noch“ ist dabei mächtig übertrieben.
Immer wieder rutschten wir im losen Geröll ab. Wir klammern uns an Ästen fest, suchen an kleinen Baumstämmen Halt und seilen uns an Lianen ab. Jeder hilft jedem!

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Als wir endlich das Wasser rauschen hören, wissen wir, jetzt haben wir es geschafft!
Tambrin zeigt uns unser Nachtlager – ein kleiner Unterstand am anderen Ufer.

Dort werden wir schon von der Crew erwartet. Von der Feuerstelle steigt bereits Rauch empor und die Jungs treffen erste Vorbereitungen fürs Abendessen.

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Wir haben nur einen Wunsch: Ab in den Fluss! Den Schweiß und Dreck des Tages einfach wegspülen!

Mit dem Flusswasser waschen wir auch die Anstrengungen der letzten Stunden ab.
Die Stimmung steigt und wir können es kaum glauben, was dieses Fleckchen Erde alles für uns bereithält: Wir sind hier ganz allein mitten in der Natur und planschen in einer überdimensionalen Dschungelbadewanne.

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Plötzlich merken wir, dass wir nicht mehr allein im Fluss baden. Nur wenige Meter entfernt liegt ein Waran am Ufer. Tambrin jagt uns aus dem Wasser und erklärt, dass man die vermeintlich trägen Tiere nicht unterschätzen sollte. Zwar greifen sie selten Menschen an, aber sie sind hinterhältig und arglistig. Ihre scharfen Zähne sind mörderisch und das Gift, das sie beim Biss absondern, führt zu Lähmungen und Krämpfen.

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In der Dämmerung essen wir direkt am Fluss mit unseren Guides zu Abend. Es gibt Hühnchen in Erdnusssoße, Kürbis-Curry, Gemüse mit Kokosnuss und Tofu mit Chili. Es schmeckt fantastisch.

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Wir bedanken uns bei den Helfern, die das Essen den weiten Weg aus dem Dorf hierher getragen und so köstlich zubereitet haben.

Nach dem Essen sitzen wir noch lange im Kreis beisammen. Schnell wird es dunkel und zwar stockdunkel. In der Ferne sehen wir die ersten Glühwürmchen.
Bei Kerzenschein spielen wir, wie im Ferienlager, Gemeinschaftsspiele. Dazu schlürfen wir scharfen Ingwertee („Jungle Wodka“).

Wir haben jede Menge Spaß und können uns keine bessere Gruppe für dieses Erlebnis vorstellen. So schmieden wir einen verrückten Plan: Spontan verlängern wir unseren Dschungelaufenthalt um einen Tag.
(Für unseren Guide ist dies kein Problem, er wird am nächsten Morgen einen der Helfer zurück ins Dorf schicken, um im Retreat Bescheid zu geben und neue Nahrungsmittel zu holen.)
 
Langsam macht sich Müdigkeit breit. Es ist zwar erst 21.00 Uhr, aber wir können die Augen kaum noch offen halten. Vorsichtig tapsen wir zu unserem Unterstand und beziehen todmüde das steinharte Schlaflager – eine Lehmterrasse mit Planen.
Dort liegen 8 dünne Matten nebeneinander, ein winziges Kopfkissen und ein Laken für jeden.


Trotz der Müdigkeit fällt das Einschlafen schwer – die ungewohnte Umgebung, die feuchte Kälte, die langsam vom Fluss heran zieht, die Dunkelheit und die Geräusche des Dschungels. Überall brummt und zirpt es in einer ohrenbetäubenden Lautstärke.
Im Kopf haben wir alle möglichen Szenarien: Spinnen, Warane, Schlangen, Tiger.

„Ich mache heute Nacht kein Auge zu.“ „Ich auch nicht.“ Irgendwann schlafen wir ein.

Wie die Nacht war, kannst du dir sicher denken. 😉
 
 
Neugierig geworden? Du willst wissen, was wir am zweiten und dritten Tag im Dschungel erlebt haben?
Teil 2 findest du hier. Und wir können vorab verraten, es wird ziemlich abenteuerlich. „If I say run, you have to run as fast as you can!”
 
Du planst auch eine Trekking Tour zu den letzten frei lebenden Orang Utans? Hier findest du alle wichtigen Informationen.
 
 

geschrieben von
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10 Kommentare

  • Danke für diesen spannenden Bericht mit den tollen Fotos – und sicher kann der Tourismus in diesem Fall dazu beitragen, dass das Schutzgebiet erhalten (oder sogar mal ausgeweitet) wird und die Orang Utans weiterhin unbehelligt dort leben können.

    • Da bin ich mir gar nicht sicher. Einerseits ist der Tourismus sicher förderlich. Auf der anderen Seite ist scheinbar nicht jedem Gast bewusst, wo er sich befindet und wie man sich im Dschungel verhalten sollte. Plastikflaschen, Müll und Süßigkeiten sollten nicht in Orang Utan Hände gelangen.
      Liebe Grüße
      Frauke

    • Es war beides – sehr spannend, aber tatsächlich auch extrem anstrengend. Ich glaube, ich habe noch nie so geschwitzt, wie in diesen drei Tagen. Aber jeder einzelne Schweißtropfen (und es waren verdammt viele) war es wert.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • das klingt echt super toll und aufregend
    Orang Utans in freier Wildbahn zu sehen ist auch echt was besonderes, da kann man nur hoffen, das ihr Lebensraum nicht für Palmöl zerstört wird
    ich bin gespannt auf die weiteren Berichte
    Liebe Grüße

    • Es war eines der intensivsten Abenteuer, die wir je erlebt haben. Diese wunderschönen, hochintelligenten Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen ist wirklich etwas ganz Besonderes.
      Ich hoffe sehr, dass man ihren Lebensraum nicht weiter zerstört und endlich ein Umdenken stattfindet.
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Wow, ein so spannender Bericht. Und die Fotos sind echt ein Wahnsinn.

    Nur das mit den Palmöl-Rodungen finde ich einfach schrecklich. Das können wir nur ändern, indem wir keine Produkte mehr kaufen, in denen Palmöl verarbeitet ist. Das ist zwar mühsam, aber möglich. Mit der Zeit weiß man ja, was nicht mehr auf die Einkaufsliste gehört.

    Die Gorillas sind sicher ein unglaubliches Erlebnis. Bin schon gespannt, wie die Reise weitergeht. Vielen Dank, dass ihr uns teilhaben lasst :-).

    Liebe Grüße,
    Andrea

    • Tatsächlich ist Indonesien der größte Palmölproduzent der Welt. Es ist erschreckend, wenn man die riesigen Flächen mit eigenen Augen sieht.
      Um weiteren Anbau zu verhindern, verzichte ich gern auf Schokoriegel, Nuss-Nougat-Creme, Eis und Knabberzeug.
      Ein Anfang wurde immerhin mit der Kennzeichnungspflicht geschaffen. Jeder Hersteller muss genau angeben, welches Pflanzenöl sein Produkt enthält. So kann jeder prüfen, was er da wirklich im Einkaufswagen hat.
      Liebe Grüße
      Frauke

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