Belgrad – das hässliche Tor zum Balkan?

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„Belgrad ist die hässlichste Stadt am schönsten Ort der Welt“ soll der Architekt Le Corbusier 1919 einmal gesagt haben.

Belgrad steht wohl bei den wenigsten Städtetouristen auf dem Programm.
Auf unserer Wunschliste stand es auch nie. Aber auf der Suche nach einem Reiseziel für ein langes Wochenende sind wir über Belgrad gestolpert. Und da wir noch nie dort waren und Hässlichkeit ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegt, haben wir spontan Flüge gebucht und im Mai 2014 die Möglichkeit genutzt, der Balkanstadt einen Besuch abzustatten.
Vielleicht war es gerade der Reiz des Unbekannten. Paris, Berlin, Rom, London – kennen wir alle. Aber von Belgrad wissen wir wenig oder nichts. Viele wissen nicht einmal genau, wo Belgrad eigentlich liegt.
 
 

Annäherung an Belgrad

Der Flug von Düsseldorf nach Belgrad über Wien dauert nur viereinhalb Stunden und vom etwa 20 Kilometer außerhalb liegenden Nikola-Tesla-Flughafen ist man in einer knappen Stunde mit dem Bus im Stadtzentrum.

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Auf der Fahrt zeigt sich Belgrad nicht gerade von seiner Schokoladenseite.
Schon auf den ersten Blick sieht man, eine Schönheit ist die Hauptstadt Serbiens tatsächlich nicht. So ehrlich muss man sein.

Die Fahrt über Novi Beograd, Neu Belgrad, ist alles andere als ein Augenschmaus, viel mehr Mahnmal und Zeitzeuge zugleich.
Hier präsentiert sich die ganze Hässlichkeit der sozialistischen Zweckarchitektur: Ostblock-Charme! Wolkenkratzer ragen in den Himmel, Plattenbauten, wohin das Auge sieht. Betonwände mit kleinen Balkonen. Grau und schmutzig.

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Wer zum ersten Mal in die Balkanstadt reist, sollte nicht zu viel erwarten.

Und doch! Belgrad hat Charme! Dieser offenbart sich erst auf den zweiten Blick, wenn man sich traut, tiefer zu blicken. In die Seele einer Stadt, die eine lange Geschichte hat.
Die Stadt überrascht mit ihrer Ausstrahlung, ihrer Gelassenheit und Lebensfreude und lohnt unbedingt einen Besuch.
 
 

Was sollten die Besucher über Belgrad wissen?

Belgrad die gebeutelte Stadt

Belgrad ist eine der ältesten Städte Europas und kann auf 7.000 Jahre durchgehende Besiedlung zurückblicken.
Die einzige europäische Hauptstadt, die am Zusammenfluss zweier großer Flüsse, der Save und der Donau, liegt, war im komplizierten Puzzle des Balkans ein dauernder Krisenherd – mit entsprechen leidvollen Erfahrungen. Historiker schätzen, dass die Stadt 40 Mal zerstört und wieder aufgebaut wurde.

Die Stadtgründer von Belgrad waren eingewanderte Kelten, die von den Römern vertrieben wurden. Dann tauchten die Slawen auf. Bulgaren, Byzantiner, Ungarn und Serben wechselten sich in der Herrschaft ab, bis die Osmanen die Stadt eroberten. Die türkischen Herren herrschten bis 1867. Erst 1882 wurde Serbien zum Königreich erklärt und Belgrad königliche Hauptstadt.
Den Hauptstadtstatus behielt Belgrad über zwei Weltkriege hinweg.

Aus den Ruinen des Zweiten Weltkrieges entstand eine Föderation der (jugo)slawischen Staaten, die der eiserne Griff Titos zusammenhielt. Nach dem Tod des Staatsführers 1980 brachen die alten ethnischen Verwerfungslinien auf dem Balkan neu auf.

Belgrad erholt sich gerade von seiner 41. Zerstörung, diesmal durch Bomben der Vereinten Nationen im Jahre 1999, die den „Schächter von Belgrad“ Slobodan Milošević vertreiben sollten. Milošević hatte sein Land über die Kosovo-Frage in den Krieg getrieben.
Die Spuren der Bombardierung sind noch heute im Stadtbild sichtbar sind. Das ausgebrannte Verteidigungsministerium thront wie ein Mahnmal mitten in der Stadt.

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Belgrad, die weiße Stadt

Heute ist Belgrad die Hauptstadt der Republik Serbien mit etwa 1,6 Millionen Einwohnern und seit 2014 auch offizieller Anwärter auf die EU.
„Beograd“, die „weiße Stadt“, sucht nach der langen sozialistischen Ära im Vielvölkerstatt Jugoslawien und Kriegen auf dem Balkan einen neuen Lebensstil.

Wer keine Narben hat, hat nicht gelebt, sagt man über Menschen. Gilt dies auch für Städte? Belgrad, das in seiner Geschichte so viele Kriege erlebt hat, hat viele Narben.
Doch wer dem Ende schon mal nah war, weiß seine Zeit zu nutzen und entwickelt Energien, über die andere nur staunen. So auch Belgrad. Alles scheint im Auf- und Umbruch. Kein Stillstand, nirgends!
Es herrscht Aufbruchstimmung in Titos Belgrad!
 
 

Belgrad erleben

Jede Stadt hat so ihre Highlights, die man unbedingt sehen sollte.
In Belgrad sind die Sehenswürdigkeiten überschaubar. Die Zweimillionenstadt besitzt keine Aufsehen erregenden Attraktionen. Die Festung, das Parlamentsgebäude, der Platz der Republik und Titos Grab vielleicht. Über die Top-Sehenswürdigkeiten und must-do‘s in Belgrad erzählen wir dir demnächst.

Belgrads Stärke ist die Atmosphäre, ist das turbulente Leben. Hier solltest du dich vor allem treiben lassen.

Belgrad gehört zu den wenigen europäischen Metropolen, die über kein U-Bahn-Netz verfügen. Dafür hat Belgrad 8 Brücken und die Stadt wurde als Stadt der Zukunft Südeuropas ausgezeichnet.

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Bei einem Spaziergang durch die ramponierte Stadt wirst du wunderschöne und ruhige Seiten kennen lernen.
Das Hügelige sorgt für traumhafte Ausblicke, die Flüsse Donau und Save scheinen die Stadt zärtlich zu umarmen, die Flusspromenaden laden zum Bummeln ein, bei einem Spaziergang durch das sogenannte Szeneviertel Savamala am Fuße der Brankow Brücke wirst du von den bunten Graffitis überrascht sein, beim Kaffee oder Espresso in einem der zahlreichen schicken Cafés kannst du die Stadt auf dich wirken lassen und triffst auf eine moderne und gebildete Gesellschaft, deren Markenzeichen eine müde Abgeklärtheit und ein stoppelbärtiges Erscheinungsbild sind.

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Schau nicht auf die Gebäude, schau auf die Menschen!
Die Einwohner der Stadt haben ihre Bunkermentalität so verinnerlicht, dass auch die lange Erfahrung des Krieges ihnen wenig anhaben konnte.
Die Stadt lebt von der Energie ihrer Bevölkerung, den trendigen Stadtvierteln und dem pulsierenden Nachtleben.

Wer auf der Suche nach einer europäischen Alternative für die oftmals teuren Metropolen wie London, Paris oder Rom ist, sollte Belgrad definitiv eine Chance geben.
 
 

Wichtige Tipps und Informationen für deine Städtereise nach Belgrad

Anreise:

Viele Wege führen nach Belgrad.
Belgrad wird von größeren Städten Deutschlands, Zürich und Wien mehrmals in der Woche angeflogen.
Alternativ kannst du auch mit der Bahn anreisen. Belgrad ist der wichtigste Bahnhof in Serbien und von zahlreichen Bahnhöfen im deutschsprachigen Raum gut zu erreichen. Von Deutschland gibt es eine Direktverbindung von München nach Belgrad. Die Fahrt dauert ca. 16 Stunden. Alternativ kannst du in Wien umsteigen.
 

Einreise:

EU-Bürger benötigen für die Einreise nach Serbien für einen Aufenthalt bis maximal 90 Tage kein Visum.
Die Einreise ist mit einem gültigen Reisepass oder Personalausweis möglich.
Jedoch besteht für Ausländer Meldepflicht in Serbien. Ausländer müssen sich innerhalb von 24 Stunden am Ort des Aufenthaltes polizeilich anmelden. Dabei wird eine Bescheinigung für Nachweiszwecke ausgestellt. Diese Bescheinigung musst du bei der Ausreise, aber auch bei Kontrollen im Lande, vorlegen können.
Verstöße gegen die Meldepflicht werden streng geahndet bzw. können zu Problemen bei der Ausreise führen. Bei Unterkunft in einem Hotel oder Hostel wird die Anmeldung von diesem übernommen, nicht jedoch bei Privataufenthalten.
Mehr Infos findest du auf den Seiten des Auswärtigen Amtes.
 

So kommst du vom Flughafen in die Stadt:

Der internationale Flughafen Nikola Tesla liegt ca. 18 Kilometer außerhalb des Zentrums.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten das Stadtzentrum zu erreichen. Die schnellste und zugleich teuerste Variante ist das Taxi.
Für die Beförderung per Taxi von und zum Flughafen sind feste Preise vorgegeben. Diese Maßnahme soll Touristen davor bewahren zu viel zu zahlen. Die meisten Taxifahrer halten sich auch daran, aber wie überall gibt es auch in Belgrad schwarze Schafe.
Offizielle Belgrader Taxis haben eine blaue Tafel mit dem Stadtwappen und eine Nummer zusätzlich zum Taxischild.

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Bestehe darauf, dass das Taxameter eingeschaltet wird. Eine Taxifahrt in das Zentrum Belgrads kostet um die 1.800 Serbische Dinar (ca. 15 Euro), für Gepäck wird nichts extra in Rechnung gebracht.
Am besten du buchst dein Taxi über CheapTaxis.de vor.
 
Wir haben uns für den öffentlichen Nahverkehr entschieden.
Alle 20 Minuten fährt ein Minibus der Linie A1 ins Zentrum von Belgrad. Die Endhaltestelle ist Slavija Square, einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte und ungefähr 1,5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Fahrtzeit beträgt ca. 30 Minuten. Tickets kannst du im Bus für 300 RSD (ca. 2,42 €) pro einfacher Fahrt kaufen.
Die kostengünstigste Art und Weise das Zentrum Belgrads zu erreichen, ist Bus Linie 72. Dieser Bus fährt täglich von Terminal 1 des Nikola Tesla Airports aus. Die Fahrtzeit ist etwas länger, je nach Verkehrslage beträgt sie zwischen 35 und 45 Minuten. Ein Ticket für eine einfache Fahrt kostet 150 RSD (ca. 1,21 €) und ist beim Busfahrer erhältlich. Du kannst auch ein Ticket am Kiosk der Ankunftshalle kaufen, dort kostet eine Fahrkarte nur 89 RSD (ca. 0,72 €).
Mehr Informationen findest du hier: Fahrplan Minibus Linie A1 und Fahrplan Bus Linie 72.
 

Belgrad: Von wo aus erkunden?

Du fragst dich, welcher Ort uns als Basis für unsere Erkundungen in Belgrad diente?
Belgrad ist eine Millionenstadt und bietet für jedes Budget passende Unterkünfte. Vom Fünf-Sterne-Luxushotel bis zum Mehrbettzimmer im Hostel ist alles dabei.
Wir haben uns für ein Apartment im Madness Hostel, direkt im Zentrum, entschieden.
Das Madness Hostel können wir unbedingt empfehlen. Die Zimmer sind einfach, aber sauber und funktionell. Die Lage ist perfekt, das Hostel liegt in unmittelbarer Nähe zum Platz der Republik. Und das Beste: Der Besitzer ist so ein erstaunlich netter und hilfsbereiter Kerl. Was immer du wünscht, Srdan macht fast alles möglich.
 

Fortbewegen in Belgrad:

Belgrads Altstadt ist zwar weitläufig, lässt sich jedoch wunderbar zu Fuß erkunden. Mit durchschnittlicher Kondition und guten Schuhwerk sollte dies kein Problem sein.
Möchtest du die Vororte besuchen, fährst du am besten mit der Straßenbahn oder mit dem Bus.

Der öffentliche Verkehr in Belgrad ist ausgezeichnet organisiert. Wie oft die jeweiligen Verkehrsmittel fahren, hängt von der Route und der Tageszeit ab, die Wartezeit beträgt zwischen 3 und 30 Minuten. Die Fahrpläne kannst du hier finden.

Zwar mögen nicht alle Straßenbahnen modern aussehen, das Ticketsystem ist es. 2012 wurde auf moderne Chipkarten für Bus und Straßenbahn umgestellt.

Das solltest du für den Ticketkauf wissen:
Am einfachsten erwirbst du dein Ticket vor Fahrtantritt in einem der Kioske an den Haltestellen.
Du bekommst ein Ticket auch bei den Fahrern, jedoch zu einem höheren Preis als regulär.
Für die Stadterkundung genügt die Zone 1.

3 Tickets (BusPlus) kommen in Frage:
– einfache Fahrt für 150 RSD (1,21 EUR)
– 1-Tagesticket für 280 RSD (2,30 EUR)
– 3-Tagesticket für 720 RSD (5,90 EUR)

Sowohl das einfache Ticket als auch die Tageskarte musst du bei jedem Einstieg in einen Bus oder Straßenbahn am Kartenleser registrieren. Dieser sollte jedes Mal grün leuchten. Zusätzlich zeigt er bei Tageskarten noch die Zeit an, wie lang diese gültig sind (24h).
 

Zurechtfinden in Belgrad:

In Serbien wird Serbisch gesprochen und Kyrillisch geschrieben. Viele Serben sprechen Englisch, einige sogar Deutsch.
Im Alltag wird oft die lateinische Schrift benutzt. Aber verlass dich nicht darauf! Wer nach Belgrad reist, sollte einen zweisprachigen Stadtplan dabei haben oder sich das kyrillische Alphabet einprägen. Viele Schilder sind in Kyrillisch. Kein Erbarmen mit westlichen Touristen!

Ich habe mich über die kyrillischen Schilder gefreut. Endlich konnte ich meine, in der Schule erworbenen, Russischkenntnisse einmal anwenden.

Geld und Währung:

Die Währung in Serbien ist der Dinar. Der Euro ist in Serbien nicht als offizielles Zahlungsmittel zugelassen.
Der derzeitige Umrechnungskurs liegt etwa bei 1 Euro = 123 Dinar (Stand 04/2017).

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Da es an jeder Ecke Bankautomaten gibt, musst du vor deiner Reise kein Geld wechseln. Das spart dir Gebühren. Lege dir am besten eine Kreditkarte zu, die nichts kostet und mit der du an Bankautomaten Bargeld in Landeswährung abheben kannst, ohne dafür Gebühren bezahlen zu müssen.
An den meisten Bankautomaten ist eine Geldversorgung auch mit deutschen EC-Karten möglich, sofern diese das „Maestro“-Zeichen tragen.
 
 

Das we2ontour-Fazit:

Eine Millionenmetropole hat neue Fans gefunden!

Wie es immer so ist mit Vorurteilen – in der Regel halten sie einer Überprüfung vor Ort nicht stand. Wir haben unsere Meinung über Belgrad schon am ersten Tag über Bord geworfen.
Belgrad hat uns mehr als überrascht und wir können Le Corbusier nicht zustimmen, was die angebliche Hässlichkeit der Stadt betrifft – es gibt durchaus viel Schönes zu entdecken. Bei der Lage hatte er allerdings Recht. Die ist wirklich fantastisch.
Uns hat Belgrad fasziniert. Die Stadt ist voller Geschichten und versprüht einen noch unverbrauchten authentischen Charme.

Zugegeben, der Ruf, der den Serben vorauseilt, ist ebenfalls nicht unbedingt der beste. Aber du wirst schnell eines Besseren belehrt. Die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Serben ist so auffallend wie wohltuend. Lass dich auf Belgrad ein und du wirst wunderbare Menschen treffen, für deren Bekanntschaft sich die Reise allein schon lohnt.

Und zu guter Letzt: die Preise. Für hiesige Geldbeutel ist Serbien ein sehr günstiges Reiseziel, was dem traurigen Umstand zu verdanken ist, dass der Durchschnittsverdienst hier bei etwa 500 Euro liegt.

Wenn du auf der Suche nach einer Stadt voller Leben bist, dann bist du in Belgrad definitiv an der richtigen Adresse.
 
 
Warst du schon einmal in Belgrad? Wie hat es dir gefallen? Welche Tipps fehlen?
Wir freuen uns auf deinen Kommentar!
 
 
Mit diesem Artikel nehmen wir an der Europablogparade von TRIP TO THE PLANET teil.
In der Blogparade werden 50 europäische Länder vorgestellt. Wenn du Lust auf Europa hast, dann schau doch mal rein.
 
 
Du möchtest mehr Tipps und Erfahrungsberichte zu Belgrad?
Dann schau doch einmal in diese Artikel:


 
 

geschrieben von
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