Zwischen Moped und Bordsteinkante – So überlebst du den Straßenverkehr in Saigon

Mehr als 8 Millionen Menschen wohnen in Ho-Chi-Minh-City, dem früheren Saigon. Eine beeindruckende Zahl, die der Stadt einen Platz unter den 30 größten Metropolen der Welt sichert.

Beeindruckender aber ist die Anzahl von ca. 6 Millionen registrierten Mopeds und Motorrädern (plus die nicht registrierten)!
 
Der Sound der Stadt ist eindeutig das Knattern der Motoren, das Brummen und Hupen. Die Straßen wirken wie ein endloser Strom an Zweirädern. Wie ein reißender Fluss rasen sie nebeneinander durch die Straßen.

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"
 
Aber nicht nur die Anzahl und der Lärm der Mopeds, sondern auch das, was alles darauf transportiert wird, ist beeindruckend: Stapelweise Kartons, Kanister, Strohballen oder in Kisten gepferchte Hühner und Enten.

Die Devise scheint zu lauten: Was bewegt werden muss, passt auf ein Motorrad.

Egal ob ein Kühlschrank oder ein quiekendes Schwein. Egal ob eine 5-köpfige Familie oder eine komplette Garküche (die, wenn es sein muss sogar im Fahren verkauft 😀).
Egal wie hoch, wie schwer, wie unförmig, es kommt mit aufs Moped.

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"


Das motorisierte Zweirad bietet auch wunderbar Platz zum Ausruhen und Schlafen.


Gewöhnungsbedürftig sind die Outfits der Rollerfahrer: Viele Vietnamesen wappnen sich mit Mundschutz, Schal und langer Kleidung gegen Sonne und Abgase. Wir haben uns immer wieder gefragt, wie die vermummten Menschen den Tag ohne Hitzeschlag überstehen.
An den Füßen jedoch geht es luftig zu. Das bevorzugte Schuhwerk zum Rollerfahren sind Flip Flops und Sandalen.

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"

ALT="Straßenverkehr in Saigon"
 
Was jedoch überrascht: (Fast) jeder Mopedfahrer trägt Helm.
Anders als in Indonesien, wo fahren ohne Helm eine Selbstverständlichkeit ist – „No helmet, no police, no problem“ – scheint Fahren ohne Helm in Vietnam aus der Mode gekommen sein. Bis auf ein paar Straßenrebellen mit wehendem Haar und flatterndem Shirt tragen alle einen. Allerdings erinnern die meisten Kopfbedeckungen eher an das, was Jockeys auf dem Kopf tragen oder an Sonnenhüte samt Krempe als an eine schützende Schicht.
 
 

Unterwegs im Straßenverkehr von Saigon – der ganz alltägliche Wahnsinn

In Saigon bzw. in Vietnam herrscht Rechtsverkehr. Zumindest theoretisch, denn in der Realität ist das nicht immer klar erkennbar.
Gefahren wird wo Platz ist: auf Straßen, auf Gehwegen, entgegen Einbahnstraßen, im Gegenverkehr. Blinken ist eine Unsitte, ebenso anzeigen, dass man halten will.

Trotzdem wirkt all das Durcheinander extrem organisiert. Es gilt eine einfache Grundregel: Groß vor Klein! Oder besser gesagt: Der Stärkere gewinnt!
Ganz unten in dieser Hierarchie steht dabei der Fußgänger, danach kommen die Mopeds, weiter oben stehen die Autos und an der Spitze die LKWs und Busse.

Und noch ein weiteres Übereinkommen regelt den Verkehr: Hupen! Hupen ist in Vietnam Bürgerpflicht! Wer hupt hat Vorfahrt. Oder Langeweile. Oder beides. 😉
Hupen heißt: „Achtung, ich komme.“ Oder „Hallo, hier bin ich, ich überhole jetzt.“ Aber manchmal heißt es auch schlichtweg „Hallo! Schön, dich zu sehen.“
 
Bei all dem Chaos gilt es Strategien zu entwickeln, um heil durch den vietnamesischen Straßenverkehr zu kommen.
Denn wir Deutschen sind, was den Straßenverkehr angeht, ziemlich verwöhnt. Wenn die Ampel rot ist, bleiben die Meisten stehen, wir beachten Verkehrszeichen und halten uns (weitestgehend) an Regeln. Man kann sich ohne Schutzanzug als Fußgänger auf die Straße trauen, ohne um sein Leben zu bangen.
In Saigon sieht das ganz anders aus. Dort werden unsere zarten europäischen Nerven ziemlich strapaziert und wer im Verkehr mitschwimmen will, muss hart im Nehmen sein.
 
 

Wie überquere ich eine Straße in Saigon?

Links schauen, rechts schauen, wieder links. Wer im vietnamesischen Straßenverkehr auf die Lücke zwischen all den fahrbaren Untersätzen wartet, der wartet lange.

Was beim puren Anblick schon überfordernd ist, wird beim Vorhaben die Straße zu überqueren zu einer echten Mutprobe.
Da es sich jedoch manchmal nicht vermeiden lässt, die Seite zu wechseln, kommt hier die ultimative Anleitung zum Überqueren einer Straße für dich:
 

Regel 1: Langsam gehen, nicht rennen!

Es gibt nur eine Möglichkeit das Unternehmen „Straßenüberquerung“ ohne Schaden zu überstehen: Stell dich an den Straßenrand und laufe los! Sobald du einen Schritt getan hast, laufe weiter. Langsam – ohne zu stoppen! Und ohne panisch zur Seite zu springen oder gar loszurennen.
Bei konstanter, gleichmäßiger Bewegung bist du für die tausenden Motorradfahrer, die auf dich zu donnern eine berechenbare Konstante. Das wilde Verkehrsgewusel wird sich auf magische Art um dich herum schlängeln.
Nur Mut! Es funktioniert!
 

Regel 2: Such dir Verbündete!

Wer du nach endlosem Schauen und einigen erfolglosen Versuchen loszugehen noch immer am Straßenrand verharrst, dann halte Ausschau nach anderen Fußgängern.
Gerade bei den ersten Malen ist es ratsam, die Straße zusammen mit Einheimischen zu überqueren. Die kennen den Verkehr schließlich.
Hefte dich einfach an ihre Fersen. Im Windschatten kannst du lernen, wie man sich im Verkehr verhält.
Gehen mehrere Personen gleichzeitig über die Straße, wird man auch besser wahrgenommen.
 

Regel 3: Ampeln?

Ja – in Saigon gibt es Ampeln! An großen Kreuzungen werden sie sogar manchmal beachtet.
Meist fungieren sie jedoch als Vorschlag, wo man die Straße überqueren könnte. Denn nur weil die Ampel grün ist, heißt das noch lange nicht, dass du unbehelligt über die Straße laufen kannst.
Von irgendwo kommt bestimmt ein Moped.
Trotzdem ist es ist nicht schlecht, eine Straße auch dort zu überqueren. Und mit Glück triffst du hier auf Gleichgesinnte (vgl. Regel 2).

An manchen Kreuzungen gibt es sogar Ampeln, die mit einem Countdown die Zeit bis zur nächsten Rotphase herunterzählen.
Dort musst du besonders vorsichtig sein!
Noch 5 Sekunden? Komm bloß nicht auf die Idee jetzt noch schnell loszulaufen! Spätestens bei „3“ setzt sich die wartende Meute in Bewegung. Hunderte drücken gleichzeitig auf die Hupe und der Verkehr rollt auf die Kreuzung, direkt in den sich nähernden Strom aus Fahrzeugen aus der Seitenstraße.
 

Regel 4: Überlege dir gut, wo du die Straße überquerst!

Große Kreuzungen und Kreisverkehre solltest du meiden. Manchmal lohnt es sich eine Ecke weiter zu gehen.
 

Regel 5: Es gibt Gehwege, aber fühl dich keineswegs in Sicherheit!

Ist der Verkehr auf den Straßen zu dicht, wird gern mal auf Bürgersteige ausgewichen. Also sei auch hier immer auf der Hut und pass auf, dass du nicht überfahren wirst.
Besonders in kleineren Straßen wird es eh schwer die Gehsteige zu nutzen. Denn wer gerade nicht fährt, stellt sein Gefährt bedenkenlos auf den Gehsteigen ab. Und überhaupt sind die Gehwege in Saigon so ziemlich für alles da: für Garküchen, für Straßenverkäufer, für Fahrräder oder mobile Massagesalons.
Wenn du dann auf der Straße gehst (dir bleibt nix anderes übrig), dann versuche gegen Fahrtrichtung zu laufen, das ist sicherer.

Für Fahrräder gelten übrigens keine der Verkehrsregeln, sie fahren einfach wann immer und wo immer es ihnen gefällt.

ALT="Straßenverkehr in Saigon"
 
 
Du findest, das klingt alles recht abenteuerlich? Ist es auch.
Aber hast du erst einmal ein paar Straßenüberquerungen hinter dir, läufst du schon bald schnell und natürlich im Verkehrsfluss mit.
 
 
Und wie ist das bei dir? Hast du schon Erfahrungen mit dem Straßenverkehr in Saigon oder einer anderen vietnamesischen Großstadt? Wir freuen uns auf deinen Kommentar.
 
 

geschrieben von
More from Frauke Lilius

Insider Tipps für Prag – Top Sehenswürdigkeiten

Was gibt es in Prag zusehen und vor allem, “was sollte man“...
Weiterlesen

4 Kommentare

  • Haha wie lustig! Wir können da nur zustimmen. Wir lieben den Verkehr auf Asiens Straßen und vermissen das herrlich funktionierende Chaos auch manchmal in Deutschland. Wir haben uns schnell dran gewöhnt , einfach konstant durch das Verkehrschaos zu gehen und orientieren uns oft an Einheimischen. Die gehen bei rot , also laufen wir auch. Funktioniert prima! Abrupte Bewegungen sollte man tatsächlich meiden.
    Wir fahren auch viel selbst mit dem Roller wenn wir im Urlaub sind und freuen uns übers hupen dürfen. Ungefähr so: 1x Hallo, ich komme … 2x ich überhol dich jetzt … 3x Platz da ich bin schneller
    Macht einfach Laune und fahren wo Platz ist funktioniert tatsächlich sehr gut!
    Viel Spaß euch weiterhin bei euren Reisen und im Straßenchaos!
    LG Silvi und Chris

    • Stimmt, manchmal wünscht man sich das funktionierende Chaos auch auf deutschen Straßen. Wäre eine gute Schule für viele genervte und egoistische Raser und zeigt, dass es auch ohne strenge Regeln funktionieren lassen.
      Uns hat das Rollerfahren in Indonesien auch riesen Spaß gemacht und hupen gehört einfach dazu. 🙂
      Liebe Grüße
      Frauke

  • Hallo Frauke,

    unsere Erfahrungen stammen nicht aus Saigon, sondern aus Hanoi. Ich denke, das wird kein großer Unterschied sein.
    Ich fand es gar nicht so schlimm, vielleicht, weil wir nach vier Monaten in Südostasien schon abgehärtet waren. Einfach losgehen, und alle fahren um dich rum. Schwierig wird es nur die steigende Anzahl von Autos im Straßenverkehr. Die brauchen mehr Platz und sind nicht so beweglich wie die Mopeds. Bin gespannt, wie sich das in Zukunft entwickelt.
    Bei unsrer Rückkehr empfanden wir den Verkehr hier in Deutschland übrigens als wesentlich aggressiver als in Asien. Wenn ich hier außerhalb von Ampel oder Zebrastreifen die Straße überquere, geht keiner von Gas oder fährt um mich rum. Lebensgefährlich!

    Liebe Grüße
    Gina

    • Hallo Gina,
      für uns war der Verkehr in Saigon im ersten Moment erschreckend. Aber auch irgendwie faszinierend. Allerdings haben wir so etwas vorher auch noch nicht erlebt.
      Ich glaube die Wunderwaffe im vietnamesischen Straßenverkehr heißt „Rücksicht“. So chaotisch alles wirkt, rücksichtslose und aggresive Fahrer konnten wir nicht entdecken.
      Liebe Grüße
      Frauke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.